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Rügen Der Ofen ist aus: Strelaback macht dicht
Vorpommern Rügen Der Ofen ist aus: Strelaback macht dicht
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00:00 28.03.2014
Geschlossen ist seit gestern der Strela-Back-Laden in der Kleinen Parower Straße Quelle: Miriam Weber
Stralsund

Alle Hoffnungen haben sich zerschlagen: Ab heute bleibt der Ofen bei Strelaback vermutlich aus. Die meisten Filialen haben seit gestern geschlossen. Dabei hatte sich noch im Januar alles so gut angehört. In letzter Minute hatten neue Investoren die seit 2012 insolvente Großbäckerei übernommen. Zehn Läden in Stralsund, Velgast, Niepars, Brandshagen und Greifswald mit rund 70 Arbeitsplätzen sollten erhalten bleiben, versprachen die Geschäftsführer Wilfried Schütte und Friedrich Landgraf aus Sternberg. Die Käufer ließen sich als die großen Retter feiern und hatten eine Menge Pläne.

Doch nach nur drei Monaten scheint nun endgültig Schluss zu sein. Bereits am 6. März hatte die OSTSEE-ZEITUNG berichtet, dass es Schwierigkeiten bei der Zahlung von Löhnen gibt. Damals sah Firmenchef Schütte keinen Grund zur Aufregung. „Die Leute bekommen ihr Geld. Mein Ehrenwort“, versicherte er. Bis heute sollen noch Löhne seit Januar ausstehen.

Nach OZ-Informationen sind es nicht nur die Bäcker und Verkäuferinnen, die kein Geld erhielten, auch Mieten blieb das Unternehmen schuldig. „Wir haben seit Januar keinen Cent gesehen“, bestätigte der Geschäftsführer der Stralsunder Wohnungsbaugesellschaft, Dieter Vetter. Die SWG ist Vermieter der Räume am Frankendamm. Dort wurde gestern alles komplett ausgeräumt, da ohnehin eine Sanierung geplant ist. Dem Bäcker sei die Möglichkeit eines Wiedereinzugs aber eingeräumt worden. Die Wohnungsbaugenossenschaft Volkswerft (Vermieter in der Kleinen Parower) hatte Strelaback nach Mietrückständen bereits zum 28. Februar fristlos gekündigt, dann aber für drei Monate die Miete bar auf die Hand bekommen, sagte dazu Heike Mau vom Vorstand. Doch auch Beiträge für Krankenkassen sollen von den Investoren nicht gezahlt worden seien. Und Lieferanten klagen ebenfalls über Außenstände. Auch beim Wäschemietservice soll es Fehlbeträge geben.

Die ersten Geschäfte schlossen bereits vor einigen Tagen in Velgast und Niepars. Anfang März machten auch die Filialen in der Passage am Bahnhof und in der Maxim-Gorki-Straße dicht. Seit gestern hängen weitere Schilder mit dem Vermerk „bis auf Weiteres geschlossen“ an Ladentüren. So wie in der Kleinen Parower Straße.

Das Fass zum Überlaufen brachte eine für gestern um 9 Uhr von der Unternehmensleitung anberaumte Mitarbeiterversammlung. Doch die platzte, denn aus der Sternberger Führungszentrale war niemand erschienen. Man habe wohl vergessen, die Versammlung abzusagen, soll der lakonische Kommentar seitens der Geschäftsführung gelautet haben.

Auch für die OZ war gestern keiner der beiden Geschäftsführer erreichbar. Wilfried Schütte sei im Krankenhaus, hieß es. Ein angekündigter Rückruf von Friedrich Landgraf blieb aus. „Es ist unglaublich. Niemand weiß, wie es hier weitergeht“, sagte der frühere Strelaback-Chef Jens Heichel, der jetzt im Vertriebsbereich angestellt ist. Die Beschäftigten sind völlig ratlos, denn bislang gibt es keine Kündigungen. Die ersten der 65 Betroffenen suchten gestern bei der Arbeitsagentur Rat.

Für Insolvenzverwalter Christian Langhoff ist Strelaback „ein sehr unbefriedigendes Kapitel. Ich komme an die Geschäftsführer auch nicht ran“, erklärte er. Die Investoren würden sich „tot stellen“.

Da vereinbarte Zahlungen für das Anlagevermögen und Pachten für das Firmengelände ebenfalls ausblieben, hat Langhoff rechtliche Mittel eingelegt und den Pachtvertrag gekündigt. Damit stehe er wieder bei Null.

„Vor allem für die Leute tut es mir aber sehr leid“, so Langhoff. Obwohl man sicher auch sehen müsse, dass das Bäckergeschäft allgemein schwierig sei. Dennoch wäre er verblüfft, dass sich alles so entwickelt habe. Das sei bei der Besichtigung des Betriebes in Sternberg nicht absehbar gewesen. Auch die Gläubiger — unter ihnen Lieferanten — hätten dem Verkauf schließlich zugestimmt.

Eroberungspläne gingen nicht auf
Die traditionsreiche Großbäckerei ist
aus dem 1960 gegründeten Volkseigenen Betrieb (VEB) Back- und Konditoreiwaren hervorgegangen.

In besten Zeiten waren bei Strelaback
in 19 Filialen 96 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Unternehmen meldete am 1. November 2012 Insolvenz an. 14 Monate
hatte Insolvenzverwalter Christian
Langhoff die Geschäfte geführt. Ein
scheinbar sicherer Investor war wieder
abgesprungen. Langhoff sprach aus
diesem Grund im November 2013
eine Massenkündigung für noch
75 verbliebene Mitarbeiter aus.

Kurzfristig änderte sich das Blatt:

Zum 1. Januar 2014 übernahmen Wilfried Schütte und Friedrich Landgraf von der
Sieben Seen Bäckerei GmbH in Sternberg den Stralsunder Betrieb mit 71 Mitarbeitern und zehn Filialen.

Die neuen Geschäftsführer hatten das
Anlagevermögen gekauft und kündigten vollmundig an, frühere Umsatzeinbußen
in sechsstelliger Höhe auszugleichen
sowie die gesamte Ostseeküste zu erobern.



Marlies Walther

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