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Digitalisierung soll Rügen zu Brückenkopf und Vorhof machen

Bergen Digitalisierung soll Rügen zu Brückenkopf und Vorhof machen

Der Wirtschaftsrat der CDU möchte den Prozess digitaler Bildung in Schulen der Insel beschleunigen / Die Insel soll Standort für IT-Berufe werden

Bergen. Flächendeckender Breitbandausbau auf der Insel Rügen bleibt ein heißes Thema. Auch nach der Berlin-Fahrt von Landrat Ralf Drescher (CDU), als er dort vom zuständigen Bundesminister Förderbescheide entgegennahm (OZ berichtete). Denn laut Drescher gibt es trotz Förderung die Versorgung nicht für lau. Axel Rödiger, Geschäftsführer des Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen, meint, die finanzielle Frage gemeinsam mit Unternehmern des CDU-Wirtschaftsrats geklärt zu haben.

„Wir glauben, dass unser Konzept eines Betreibermodells nachhaltiger wirkt, weil das Netz im Eigentum der Gemeinden bleibt“, sagt Rolf Hoffmann, Rügener Sprecher des Wirtschaftsrats. Im restlichen Landkreis würde zwar die Förderung genutzt, um einen Betreiber zu beauftragen, in den kommenden zwei Jahren den ländlichen Raum mit einer Geschwindigkeit von 50 MB zu versorgen, „aber dann gehört dem das Netz und die weitere Finanzierung ist wieder offen“, sagt Hoffmann. „Wir wollen stattdessen perspektivisch Glasfaserleitungen in jedes Gebäude der Insel legen und können dann der dynamischen Entwicklung im IT-Bereich gerecht werden und auf neue Entwicklungen reagieren.“

Dies sei das Standbein der zukunftsfähigen Entwicklung der Insel. Das Spielbein müsse eine verbesserte digitale Bildung von Kindern und Jugendlichen sein. „Unser Traum ist, die Attraktivität der Insel zu nutzen, um in dieser standortunabhängigen Zukunftstechnologie die Nase vorn zu haben und so junge Leute nach Rügen zu holen“, erläutert der Sassnitzer Unternehmer Volker Boche. Die IT-Branche sei zeit- und ortsungebunden, weswegen Beschäftigte ihre Arbeit über den Tag verteilen könnten und wenn die Sonne scheint, eben mal gerade in die Ostsee springen.

„Wir leben zunehmend in einer Cloud-Gesellschaft“, sagt Hoffmann. Immer mehr Betriebe würden schon jetzt die Möglichkeiten des Home Office nutzen, um dem Verlust qualifizierter junger Leute entgegenzuwirken. Das Angebot nutzen vor allem Frauen mit kleinen Kindern wie Julia Hälig, die im Mai 2014 Mutter wurde. Die 29-Jährige arbeitet im Rechnungswesen von Kabel + Sat Bergen und findet es „großartig, einen Teil meiner Arbeit von zuhause zu erledigen, denn irgendwas ist ja immer mal mit einem kleinen Kind“.

„Wenn es uns gelänge, digitale Bildung und Vernetzung zusammenzuführen, könnte Rügen Brückenkopf zum Baltikum und Vorhof Berlins werden, wo jährlich 5000 IT-Arbeitsplätze entstehen“, malt sich Hoffmann aus. „Das ist ein langfristiges Vorhaben, mit dem wir im Kindesalter beginnen möchten“, begründen die Unternehmer ihr Engagement für eine verbesserte digitale Bildung auf der Insel. „Warum kann ich beispielsweise als Vater nicht sehen, was mein Kind für Hausaufgaben zu erledigen hat?“, fragt Hoffmann. Im digitalen Klassenzimmer könnten Schüler, Lehrer und Eltern eine geschlossene Benutzergruppe bilden.

Bis dahin liege noch ein weiter Weg vor den Akteuren. „Die meisten Schulen der Insel verfügen lediglich über ISDN oder DSL light“, klagt Hoffmann. „Und nicht einmal am Gymnasium gibt es einen fachgerechten Informatik-Unterricht.“ Auch blieben denkbare Synergien ungenutzt: „Wir könnten eine teure Software auf einen zentralen Server legen, die dann von allen verwendet wird.“ Eine Variante, die sich auch für den Gesundheitstourismus nutzen ließe.

Um den Anschluss nicht zu verlieren, dürften sich die Schulen nicht auf Vorgaben aus Politik und Verwaltung verlassen, sondern müssten ihrerseits Druck erzeugen. „Diesen Prozess wollen wir mit unserm Einsatz für das Projekt ,Schlaumäuse‘ anstoßen“, erläutert Hoffmann. Im Rahmen der Bildungsinitiative, die Kinder fit für ein digitales Zeitalter machen will, sponserten Rügener Unternehmen, darunter Kabel + Sat Bergen, die ESTRA oder das Autohaus Klemaschewski jedem Kindergarten der Insel ein Tablet samt interaktivem Vorlesebuch.

Von Uwe Driest

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