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Rügen Eine Fotografin dokumentiert das Sterben der Küstenfischer
Vorpommern Rügen Eine Fotografin dokumentiert das Sterben der Küstenfischer
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03:34 19.08.2013
Iwona Knorr wurde 1963 in Polen geboren. Quelle: privat
Gager

Es ist möglich, dass man an einem frühen Morgen kurz vor Sonnenaufgang Iwona Knorr irgendwo auf Rügen begegnet. An sonnenarmen Plätzen, versteckt im Gebüsch, nicht spektakulär. Zauber mit spärlichem Licht. Stundenlang kann sie dort verweilen und auf ihren magischen Moment warten. Auf den, der einmalig zu sein scheint. Sie versucht festzuhalten, was sich nicht festhalten lässt. Wie die Küstenfischer, so ist auch sie eine Jägerin.

An so einem frühen Morgen traf sie in dem Dorf Gager die ersten Fischer um 3 Uhr in der Früh. Ungläubig staunten diese über eine Frau, die nichts anderes wollte, als allein zu sein mit dem aufbrechenden Tag. Ein übermütiger Moment verleitete Iwona Knorr zu fragen, ob sie mitkommen dürfe. Nein, an diesem Tag noch nicht. Aber ihre Neugier auf diesen Schlag Männer, auf den Beruf des Fischers, war geweckt.

Iwona Knorr erzählt: „Ich habe Germanistik studiert und arbeitete viele Jahre an Projekten der Entwicklungshilfe. Bekam 1999 eine Tochter und kehrte schnell ins Berufsleben zurück. Als meine zweite Tochter 2003 auf die Welt kam, bin ich 40 Jahre alt geworden und mein Bedürfnis, eine Powerfrau sein zu wollen, begann zu schwächeln. Dafür wuchs der Wunsch nach kreativem Arbeiten. Wann immer es möglich war, nahm ich meine beiden Kinder und fuhr mit ihnen und meinem Mann gemeinsam nach Rügen zu meinen Schwiegereltern.

Und so fing alles an. Erst schrieb, dann malte ich und am Ende fotografierte ich. Das Handwerkzeug brachte ich mir selbst bei, besuchte Fotoworkshops renommierter Fotografen. Ich durchquerte die Insel auf der Suche nach Motiven, die die einzigartige Schönheit Rügens noch zum Ausdruck bringen und vielleicht von anderen Malern und Fotografen nicht so gesehen wurden. Ich mühte mich, hinter den nicht zu übersehenden Wucherungen der Kommerzialisierung die ursprüngliche Reinheit und Verzauberung zu finden. Während meiner Erkundungen traf ich auf Menschen, die in dieser Natur noch sehr traditionell arbeiten, die Fischer. Ich empfand eine gewisse Verwandtschaft mit ihnen. Wie die Fischer, bin auch ich schon vor Sonnenaufgang unterwegs. Unser Erfolg ist nicht planbar. Wie viele Fische sie fangen, hängt von etlichen Faktoren ab. Auch ich weiß nie, ob ich am Ende des Tages gute Bilder nach Hause trage. Dieses Bewusstsein macht mir Misserfolge erträglicher.

Zunächst interessierte mich der Fischerberuf an sich. Irgendwann habe ich verstanden, dass genau dieses traditionelle Verbundensein mich zu den Fischern hinzieht. Ich gehöre zu den Menschen, die in ihrem Leben viel herumgezogen sind und nirgendwo Wurzeln schlagen konnten. Das Leben der Fischer hingegen hat einen zuverlässigen, festen Anker, um den sich der Alltag dreht. Sie sind im Groben im Reinen mit sich und in Harmonie mit der Landschaft, in der sie leben.

Und nun sehen die Küstenfischer auf der Insel Rügen fassungslos zu, wie sich ihre Zukunft ausdünnt und allmählich im Nirgendwo verschwindet. Fischerdörfer verwandeln sich zu Feriensiedlungen, Kutter machen in den Häfen Segelyachten Platz. Das traditionelle Handwerk geht ohne Nachfolge in den Ruhestand. Der Fischer symbolisiert für mich so etwas wie Heimat — das Gefühl, einen festen Platz einzunehmen, eine klare Aufgabe im Leben zu haben. Meine Fotografien halten typische Arbeitssituationen der Küstenfischer auf Rügen fest, so wie sie seit Jahrhunderten bestehen. Ihr langsames Verschwinden entzieht der Rügener Landschaft nach und nach einen lebendigen Bestandteil ihrer Identität. Als Fotografin kann ich all das, was noch vorhanden ist, bewahren.

Wenn das traditionelle Handwerk der Küstenfischerei allmählich verschwindet, wird sich das Wesen der Insel verändern.“

Serie

Frauen

der Insel

Iwona Knorr

1963 in Polen geboren, ist Iwona Knorr jetzt in Bonn und auf Rügen zuhause.

Eine Fotografin mit spirituellem Empfinden ist sie, mit der Hingabe für die Rügensche Landschaft und der Achtung für den aussterbenden Beruf des Fischers. Sie setzt ihm ein fotografisches Denkmal.

Iris Bleeck

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