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Gute Auftragslage im Handwerk — aber der Nachwuchs fehlt

Grimmen/Bergen Gute Auftragslage im Handwerk — aber der Nachwuchs fehlt

Betriebe haben Probleme, Azubis zu finden / Die Suche wird bis nach Polen ausgedehnt

Grimmen/Bergen. „Das Geschäft brummt“, sagt Askold Falk, Geschäftsführer des gleichnahmigen Meisterbetriebes für Straßen-, Tief- und Landschaftsbau in Göhren. Im Frühjahr laufe es wesentlich besser als im Winter. „Aktuell kümmern wir uns um die Grünflächen, Parkplätze und Gehwege an einer Tierarztpraxis in Pantow“, sagt er. Hinzu kämen viele kleine Baustellen.

 

OZ-Bild

Gab es vor sechs bis sieben Jahren noch rund 25000 Schul- abgänger, ist diese Zahl jetzt auf ein Drittel gesunken“.Uwe Ambrosat, Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft

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950 Azubis in der Region

2000 Handwerksbetriebe gibt es in Rügen-Stralsund-Nordvorpommern. 555 davon sind in Innungen organisiert: zum Beispiel Bauhandwerk, Kfz, Friseure.

950 Azubis lernen in diesen Unternehmen derzeit einen Beruf. Pro Jahr erhalten etwa 250 bis 260 junge Leute eine Lehrstelle in einem der Handwerksbetriebe.

Uwe Ambrosat, Chef der Kreishandwerkerschaft Rügen-Stralsund-Nordvorpommern, kann diese Einschätzung für die knapp 2000 Handwerksbetriebe in der Region generell bestätigen. „Die Baubranche hat 2016 eine sehr gute Auftragslage“, sagt er. Sie profitiert vor allem von den billigen Zinsen, nennt er eine der Ursachen. „Aber auch davon, dass wir eine Urlauberregion sind, die angesichts der weltpolitischen Lage noch mehr in den Blickpunkt der Deutschen gerät.“ Mecklenburg-Vorpommern habe bei den Übernachtungszahlen 2015 einen Zuwachs von 12 Prozent gegenüber 2014 erfahren. Davon profitiert jetzt das Handwerk, weil neue Übernachtungsmöglichkeiten entstehen.

Auch Malermeister Matthias Ewert ist mit der aktuellen Auftragslage seines Betriebes mit 13 Mitarbeitern in Bergen zufrieden. „Besonders jetzt zum Frühlingsbeginn wollen viele ihre Hausfassaden erneuern“, sagt der 52-Jährige. Im Laufe der Jahre hat sich für den Malermeister viel verändert. „Vor zehn Jahren kamen doppelt so viele Aufträge aus dem öffentlichen Bereich wie aktuell“, sagt Ewert. „Das Land spart meiner Meinung nach an vielen Stellen, wo etwas gemacht werden müsste.“

Trotz der guten Auftragslage nehme das Interesse am Maler-Handwerk stark ab. Für die zwei Lehrstellen in diesem Jahr kam gerade einmal eine Anfrage. „Das liegt zum einen an den geburtenschwachen Jahrgängen“, meint der stellvertretene Innungsobermeister. „Aber auch daran, dass sich Jugendliche immer weniger für das Handwerk und immer mehr für Berufe im IT-Bereich interessieren.“

Uwe Ambrosat von der Kreishandwerkerschaft bestätigt auch diese Aussagen. Gab es vor sechs bis sieben Jahren noch rund 25 000 Schulabgänger in der Region, ist diese Zahl jetzt auf ein Drittel gesunken“, rechnet der Stralsunder vor und zeigt damit das Dilemma auf, in dem eigentlich alle in der Kreishandwerkerschaft vereinigten Innungen stecken.

Michael Dombrowski von der Kfz-Werkstatt „Klaus Dombrowski und Söhne“ in Ramitz kennt das Problem. Seit fünf Jahren bildet die Werkstatt, die er zusammen mit seiner Frau und seinem Bruder leitet, keine Lehrlinge mehr aus, obwohl die Auftragslage gut ist. Das hat zum einen innerbetriebliche Gründe. „Außerdem gab es immer nur sehr wenige Bewerber. Diejenigen, die eine Ausbildung in der Branche machen wollen, erfüllen meist die schulischen Voraussetzungen nicht“, sagt der Geschäftsführer. Auch ein Grimmener Kollege ist dieser Meinung: „Die meisten jungen Leute, die zu uns kommen, haben viel zu schlechte Schulnoten“, erklärt Autohändler Hans-Joachim Kampe aus Grimmen. Einige kommen sogar mit der Überzeugung ins Bewerbungsgespräch, Vieren würden reichen, fügt er hinzu. Diese Nachwuchssorgen teilen sich die Bau- und Kfz-Branche auch mit anderen Innungen des Handwerks, erklärt Uwe Ambrosat und zählt Friseure ebenso auf, wie Elektriker, Heizungs- und Sanitärinstallateure, Bäcker und Konditoren. Letztere sind angesichts immer neuer Frischeangebote in den Supermärkten am meisten gebeutelt.

„Das Handwerk muss grundsätzlich neue Wege gehen, will es die Herausforderungen, gerade bei der Nachwuchsgewinnung, schultern“, erklärt Ambrosat. Deshalb würde bereits verstärkt auch in Polen geworben, sagt er. Und das funktioniere ganz gut. „Wir zeigen uns auf Messen, gehen in Schulen und bieten jungen Polen Praktika bei uns an“, erläutert der Geschäftsführer. Dabei sei es aber außerordentlich wichtig, nicht nur zu zeigen, dass Handwerk attraktiv ist, sondern, dass es es hier auch gute Übernahmemöglichkeiten gibt. 54 Prozent aller Azubis erhielten 2015 nach der Lehre auch einen Job, sagt Ambrosat nicht ganz ohne Stolz. Vor wenigen Jahren habe diese Zahl noch bei 15 bis 16 Prozent gelegen.

Von Reinhard Amler und Katharina Ahlers

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