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Putbus Her mit dem schönen Leben!

Benjamin Treu und Juliane Dressel haben sich in Putbus ihren Traum erfüllt: Eine eigene Kreativwerkstatt

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Ben Treu und seine Freundin Jule Dressel betreiben seit drei Jahren das „Ein Tag am Meer“ in Putbus.

Quelle: Fotos: Anne Ziebarth

Putbus. Im Januar wütete Sturmtief „Egon“ an der Ostseeküste und hinterließ verwüstete Strandabschnitte und zerstörte Dünen. Doch für die beiden Unternehmer Jule Dressel und Ben Treu aus Patzig hatte „Egon“ auch jede Menge Gutes im Gepäck. Treibholz nämlich – Grundstoff für viele der Produkte, die von den beiden in ihrer Putbuser Kreativwerkstatt hergestellt werden.

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Benjamin Treu und Juliane Dressel haben sich in Putbus ihren Traum erfüllt: Eine eigene Kreativwerkstatt

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Individuelle Bilder aus Holz und Stein, Schilderkunstwerke oder fröhlich dreinblickende Figuren als Schlüsselanhänger entstehen in Handarbeit aus dem Naturstoff Treibholz, verkauft werden sie im angeschlossenen Geschäft „Ein Tag am Meer“ in der Putbuser Alleestraße. „Unser Lager ist nach dem Sturm gut gefüllt“, sagt Ben. „Wir wissen, wo man – je nach Windrichtung – eine gute Ausbeute am Strand findet.“

Rügener Originale gegen

den Trend der Massensouvenirs

Vor allem Touristen schätzen die individuellen Kunstwerke und nehmen sich gerne ein Stückchen Rügen mit nach Hause. „Die austauschbaren Küsten-Souvenirs wie Möwen und Leuchttürme oder Tropenmuscheln gibt es doch überall“, meint die 37-jährige Jule. „Die Leute, die zu uns in den Laden kommen, freuen sich, wenn sie etwas mitnehmen können, was tatsächlich ein Rügener Original ist.

Etwas Echtes.“

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte der Kreativen vor rund drei Jahren. Der gelernte Tischler Ben Treu verkaufte seine Bar, das Bergener „Wapatiki“ und startete gemeinsam mit Freundin Jule etwas ganz Neues. Die Arbeitsverteilung war schnell klar: „Ben ist etwas chaotisch und kümmert sich um das Material Holz, ich behalte das Geschäftliche im Blick und bemale gemeinsam mit unseren Mitstreitern Frank und Mia die Figuren“, sagt Jule, die an der FH Stralsund ihren Abschluss in Baltic Studies gemacht hat. Das Team hat schnell Erfolg – mittlerweile brummt der Laden. Im Sommer legen Reisebusse Extra-Stopps vor dem kleinen Geschäft in der Nähe des Putbuser Theaters ein, die Produkte gehen weg wie warme Semmeln. „Wir sind im vergangenen Sommer mit dem Produzieren kaum hinterhergekommen“, erinnert sich Jule, „das war ganz schöner Stress.“ Trotzdem sei das „Ein Tag am Meer“ die Erfüllung eines Traumes. „Jeder hat eigene Ziele. Manche wollen den Reichtum, uns ist es wichtig, etwas zu tun, was uns Spaß macht. Das ist großes Glück“, meint Jule. Häufig würden sie gefragt, ob man denn „davon“ leben könne. Jule lächelt. „Dann sage ich immer, ,Wie Sie sehen, stehe ich ja lebendig vor Ihnen'.“ Natürlich sei der Anfang nicht einfach gewesen, aber die sorgfältige Vorbereitung habe sich gelohnt. „Wir haben richtiggehend Marktforschung betrieben und erst mal ausprobiert, was und wie viel die Kunden kaufen“, erzählt Ben.

Erfolgsgeheimnis: Kindliche

Emotionen wecken

Besonders freut die Unternehmer, dass ihre Kunstwerke bei allen Altersgruppen gut ankommen. „Schaut man sich unsere Figuren aus Treibholz an, stellt man fest, dass sie sehr einfach gehalten sind, reduziert auf das Wesentliche“, beschreibt Ben. „Ein Lächeln, ein Lachen. Das appelliert an die kindlichen Emotionen, die alle Menschen in sich tragen. Ein Lächeln versteht jeder.“

Jedes Stück Treibholz ist ein Unikat mit eigener Geschichte. „Man kann nie genau sagen, wo das Holz herkommt und was es schon alles erlebt hat. Schiffsplanken und Bretter sind dabei, Paletten, aber auch Baumstücke“, sagt Ben. „Die Kunden können ihre Fantasie spielen lassen und überlegen, was denn dieses Stück Holz bereits alles erlebt hat.“ Dabei werden die Formen des Naturstoffes weitgehend beibehalten, die Spuren im Holz sollen erhalten bleiben. „Die Natur mit ihrem Wind und den Wellen ist der beste Künstler“, findet Ben. „Und Jule zaubert den Kunstwerken dann noch ein Lächeln ins Gesicht. Was gibt es Schöneres?“

Blaues Seeglas ist Relikt von

Sonnenölflaschen

Auf ihren Schatzsuchen finden die beiden auch Keramikscherben, manchmal sogar Seeglas. Hierbei handelt es sich um Glas, welches durch die Reibung des Sandes in der Brandung eine sanfte und milchige Oberfläche bekommen hat. „Dieser Prozess dauert seine Zeit, gerade bei der verhältnismäßig ruhigen Ostsee“, erklärt Ben. „Viele Seeglasstücke, die wir verarbeiten, haben also schon ein gewisses Alter, stammen aus den 60er oder 70er Jahren“. Während weißes, grünes oder braunes Seeglas noch recht häufig zu finden ist, zählt blaues oder sogar rotes Seeglas zu den Raritäten. Die Herkunft zu klären gerät manchmal zur Detektivarbeit. „Es gab zu DDR-Zeiten kaum blaues Glas. Eine Ausnahme war ein Sonnenöl, was in einer blauen Glasflasche abgefüllt wurde. Gut möglich also, dass unsere blauen Scherben von diesen Verpackungen stammen.“

Auf ihren Streifzügen entdecken Jule und Ben leider immer mehr Meeresmüll. „Das ist richtig schlimm geworden. Zur Zeit finden wir wieder große Mengen Plastik von Silvesterraketen“, sagt Ben. „Die Leute machen sich überhaupt keine Gedanken, wenn sie Feuerwerk über dem Meer abschießen.“

Her mit dem schönen Leben – so stehts geschrieben

Doch selbst einzelne Plastikteile finden Eingang in die Strandgut-Kunst, integriert werden neben Steinen und Treibholz zum Beispiel auch hölzerne Eisstäbchen. Besondere Freude machen den beiden Unternehmern Wortspiele und Slogans in ihren Arbeiten. „Woodstock“ (englisch wood = Holz) steht zum Beispiel auf einem Bild, das Wort ist aus kleinen Treibholz-Stöckchen zusammengesetzt. „In Prora gibt es ein Grafitto mit dem Schriftzug ,Her mit dem schönen Leben' . Der Slogan wird mittlerweile in Berlin vermarktet, findet sich auf Frühstücksbrettchen", erzählt Ben. „Das ist doch schade. Rügen hat so viel zu bieten, das kann man auch hier entwickeln.“ Man dürfe nicht blind werden für die Schönheit und die Überraschungen, die die Insel jeden Tag aufs Neue bereithält, sind sich beide einig.

Heimatverbundenheit ist etwas, was den beiden auch viel Respekt der Rüganer beschert hat, der Laden ist mittlerweile eine Plattform für Künstler von der ganzen Insel . „Wir verkaufen zum Beispiel Segeltuchtaschen von Diana Klemm aus Sassnitz, oder auch Bernstein aus Lohme“, zählt Ben auf. „Ein bisschen Spaß muss auch sein. Wer möchte, bekommt hier Postkarten, die aus Elefantendung hergestellt werden.“

Anne Ziebarth

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