Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Höhere Kurtaxe in der Nebensaison?

Göhren Höhere Kurtaxe in der Nebensaison?

Gemeinde Göhren ließ Abgabe neu kalkulieren / Auch Tagesgäste sollen zahlen / Kritiker nennt Berechnungen „absurd“

Göhren. Gäste des Ostseebades Göhren sollen künftig mehr Kurtaxe zahlen – und zwar in der Nebensaison. Das sieht eine Beschlussvorlage vor, der der Finanzausschuss der Kommune auf seiner Sitzung in dieser Woche mehrheitlich zustimmte und die in diesem Monat die Gemeindevertretung passieren soll. Statt 1,50 Euro sollen Erwachsene dann 2,30 Euro pro Tag bezahlen. In der Hauptsaison wären unverändert 2,80 Euro fällig. Allerdings wird die laut Vorschlag künftig um einen Monat verlängert und endet dann – wie beispielsweise auch in Binz und Sellin – am 31. Oktober eines jeden Jahres.

„Wir haben die Kalkulation für die Kurabgabe auf den Prüfstand gestellt, und zwar von externen Dienstleistern“, sagt Bürgermeister Wolfgang Pester. Die Göhrener Gemeindevertreter hatten sich in den zurückliegenden Monaten nicht auf die notwendige Überarbeitung ihrer Kurtaxsatzung einigen können. Laut Rechtssprechung waren sie zu verschiedenen Änderungen angehalten worden, unter anderem zur Erhebung einer Kurtaxe für Tagesgäste (die OZ berichtete). Eine in Berlin ansässige Beratungsfirma für die öffentliche Verwaltung hat mit dem vorliegenden Entwurf versucht, eine rechtlich wasserdichte Satzung zu erstellen und die Kosten des Kurwesens im Ort gerecht auf die Nutznießer zu verteilen.

Das bedeutet nach Ansicht der Berater, dass die Besucher in der Nebensaison stärker zur Kasse gebeten werden müssen. Etwa ein Fünftel der Göhren-Urlauber besucht den Ort zwischen dem 1. November und dem 30. April. Dann fallen zwar weniger Kosten im Kurbereich an, die verteilen sich aber auch auf weniger Nutzer, so die Argumentation der Berater. Um Kosten und Nutzer geht es auch bei einer weiteren vorgeschlagenen Änderung: Künftig sollen junge Leute nicht mehr bis zum 18. Lebensjahr kurtaxfrei in Göhren Urlaub machen dürfen, sondern nur noch Kinder bis zum vollendeten 7.

Lebensjahr. Danach zahlen Kinder und Jugendliche 1,10 Euro pro Kopf und Tag, so der Vorschlag. Die Aufwendungen, die explizit jungen Besuchern zu Gute kommen, müssten auch stärker von diesen finanziert werden, so die Begründung der Berater.

Wolfgang Pester weiß, dass die Kommune mit einer solchen Entscheidung keine Begeisterungsstürme auslösen wird. „Wir haben im Vorfeld mit einer Reihe von Touristikern aus dem Ort darüber gesprochen“, sagt der Bürgermeister. Und auch über die finanzielle Situation der Gemeinde. Die müsste die Gäste nicht stärker belasten. „Aber dann müssten wir den kommunalen Bürgeranteil, der in die Berechnung einfließt, erhöhen.“ Und das Geld fehlt in der Gemeindekasse. Bei der jetzt geplanten Kalkulation wäre der Gemeindeanteil genauso hoch wie der rechnerische Überschuss, den der Kurbetrieb an die Gemeinde ausschütten müsste – ein Nullsummenspiel also. Ohne die Änderungen müssten jedes Jahr 100000 Euro aus der Gemeindekasse zur Finanzierung von Aufgaben des Kurbetriebes fließen. „Und das Geld haben wir nicht.“

Der Pensionsbetreiber Günter Lück kann dem Ansatz, auch die Tagesgäste zur Deckung der Kosten heranzuziehen, durchaus etwas abgewinnen. Seit 2012 werde darüber gesprochen und gestritten, schreibt er in einer E-Mail an die OSTSEE-ZEITUNG. Das Ergebnis sorgt bei ihm aber nur für Kopfschütteln. „Unser Ziel war eine Senkung der Kurabgabe“, so Lück. Mit der Einbeziehung der zusätzlichen Einnahmen der Tagesgäste wäre es aus seiner Sicht logisch, dass die Kurabgabe von 2,80 Euro auf 2,60 Euro sinke. „In Göhren ist aber nichts logisch, sondern vieles völlig absurd“, schimpft er und wirft dem Kurdirektor sowie der Mehrheit der Gemeindevertretung vor, die Situation schamlos auszunutzen, „um die ausufernden Kosten mit einer drastischen Erhöhung der Kurabgabe in den Griff zu bekommen“.

Kurdirektor Jörn Fenske widerspricht: Die Kosten bewegten sich auf ungefähr dem gleichen Niveau wie in den Vorjahren. Dass nun sogar die Kinder stärker herangezogen werden sollen, ist laut Lück ein Ergebnis der verfehlten Kommunalpolitik in der Vergangenheit, in der „das letzte Tafelsilber der Gemeinde verschleudert wurde“. Jetzt habe Göhren keinen Cent mehr in der Tasche, um sich selbst stärker an den Kosten zu beteiligen. „Alles in allem eine bodenlose Frechheit und Abzocke“, ärgert sich Lück.

Ob wirklich „abgezockt“ wird, steht noch nicht fest. Zum einen, weil die Satzung, die am 1. Januar in Kraft treten soll, noch nicht beschlossen ist. Zum anderen aber auch, weil derzeit niemand weiß, wer die Einhaltung, also beispielsweise die Zahlung der Tageskurtaxe überprüft. Pester kann sich einen Verkauf der Kurtaxkarten an Parkscheinautomaten oder durch die Strandkorbvermieter vorstellen.

„Aber wir haben niemanden, der das kontrolliert.“ Geld, um jemanden für diese Aufgabe einzustellen, haben die Göhrener derzeit nicht. Die Initiative, im Amt eine Stelle eines Kurkartenkontrolleurs für alle amtsangehörigen Gemeinden zu schaffen, ist bislang im Sande verlaufen.

Maik Trettin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Grimmen/Lüssow
Zu viel Unkraut: Dieser Schlag bei Grimmen-Hohenwieden musste sogar gemulcht werden.

Zwischenbilanz: Die Erträge liegen in Nordvorpommern weit unter dem sonstigen Durchschnitt / Auf Rügen sind die Verluste nicht so dramatisch wie auf dem Festland

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Wirtschaft
Verlagshaus Rügen

Markt 25
18528 Bergen auf Rügen

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag:
9.00 bis 12.30 Uhr und von 13.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Jens-Uwe Berndt
Telefon: 0 38 38 / 20 14 53
E-Mail: ruegen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.