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Ich will Kühe! In Parchtitz wurden Kinderträume wahr

Parchtitz Ich will Kühe! In Parchtitz wurden Kinderträume wahr

Beim Tag des offenen Hofes auf dem Hof Vömel in Parchtitz warfen mehr als 3000 Besucher einen Blick hinter die Kulissen des Milchviehbetriebes

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Keine Angst vor großen Kühen zeigte Nele Stegemann (3), als sie sich mit ihrer Mutter Christa die Kühe ansah.

Quelle: Fotos: Anne Ziebarth

Parchtitz. Die kleine Nele streckt vorsichtig ihre Hand in Richtung Kuh aus. Mensch und Tier wirken zunächst unsicher, dann schnuppert das Tier am Arm des Mädchens.

OZ-Bild

Beim Tag des offenen Hofes auf dem Hof Vömel in Parchtitz warfen mehr als 3000 Besucher einen Blick hinter die Kulissen des Milchviehbetriebes

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„Ich mag Kühe“, stellt die Dreijährige anschließend fest. So wie sie und ihre Mutter Christa zog es gestern tausende Besucher zum Tag des offenen Hofes nach Parchtitz. Hier ermöglichte Familie Vömel den Gästen – auch aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Hofes – einen Blick hinter die Kulissen eines modernen Milchviehbetriebes.

380 Kühe stehen hier in den Laufställen, hinzu kommen noch einmal 450 Rinder unterschiedlichen Alters im Stall und auf der Weide. „Als Rinder bezeichnen wir Kühe, die noch keine Kälber geboren haben und daher auch keine Milch geben“, erklärt Landwirt Jochen Vömel.

Ein Star des Tages ist ohne Zweifel Berta. Die schwarz-weiße Milchkuh ist auf dem besten Weg, die 100000er Marke zu knacken – so viel Milch hat Berta in ihrem Leben bereits produziert. „Sechs unserer Kühe konnten diese Marke schon übertreffen“, sagt Landwirt Jochen Vömel nicht ohne Stolz. „Durchschnittlich geben unsere Milchkühe etwa 35 Liter Milch am Tag, manche auch bis zu 60 Liter.“

Neben den Rindern gehören auch 1250 Hektar Ackerland und 230 Hektar Grünland zum Hof, angebaut werden neben Raps für die Rapsölgewinnung auch Futtermais und Weizen. Für die Wirtschaftlichkeit des Hofes sei das ein unverzichtbarer Teil. „Bei Raps und Weizen gibt es einen Markt, auf dem die Landwirte die Preise handeln können. Bei der Milch sieht das ganz anders aus.“ Damit schneidet der 49-Jährige ein Thema an, was ihm die Zornesfalte auf die Stirn treibt : der Milchpreis.

„Derzeit beträgt der Preis, den wir für einen Liter Milch bekommen, 20 Cent“, erzählt er. „Davon kann man nicht leben. 28 bis 30 Cent wären nötig.“ Das Problem seien für die Milchbauern der Region vor allem die Preisabsprachen in der Milchwirtschaft. „Es gibt nur eine große Molkerei als Abnehmer für uns, die Deutsche Milchkontor. Die wiederum verhandelt mit vier Großabnehmern, wie Aldi und Lidl, und legt die Preise fest“, erzählt Vömel. „Wenn die Molkerei dann noch ihre eigenen Kosten abzieht, bleibt der Preis übrig, den sie bereit sind, dem Bauern zu zahlen. Das sind dann besagte 20 Cent.“

Ans Aufgeben denkt Vömel aber trotz der unbefriedigenden Situation keinesfalls, im Gegenteil: Er plant einen größeren Stallneubau, um die Wirtschaft rentabler und moderner zu machen. Das Tierwohl soll nach Aussagen Vömels nicht darunter leiden. „Ob ich jetzt eine Kuh halte, oder 500 – es kommt darauf an, wie gut ich das Tier betreuen kann, nicht wie viele Kühe es sind“, meint er.

Schon jetzt setzt Vömel auf High-Tech im Stall: Seine Kühe sind mit Halsbandsendern ausgestattet, die Schrittzahl und Kau-Frequenz per Funk an einen Computer übermitteln. So kann man genau feststellen, ob sich eine Kuh anders verhält als sonst und bei Krankheit schnell eingreifen.

Gegen die Vorstellung, Landwirte würden prophylaktisch Antibiotika einsetzen, wehrt sich Vömel energisch. „Medikamente gibt es nur, wenn der Tierarzt sie verschreibt“, sagt er.

„Außenstehende glauben oft nicht, wie streng die Vorschriften sind. Ich muss alles dokumentieren.“

Der in den Jahren immer weiter gestiegene bürokratische Aufwand hält ihn aber nicht davon ab, in der Landwirtschaft einen Traumjob zu sehen. „Sicherlich ist es ein anstrengender Beruf. Man kann auch nicht einfach mal so in Urlaub fahren, schon gar nicht zur Erntezeit, wenn der Mähdrescher läuft“, weiß er. „Wenn man aber morgens früh im Schlepper über den Acker fährt, die Natur rechts und links sieht – was gibt es Schöneres?“ Auch die typischen Stallgeräusche, das Muhen und Stampfen der Kühe gehören für ihn einfach dazu. „Wenn um vier die Melkanlage nicht anspringt, wache ich auf und bin hellwach“, erzählt er.

Die Begeisterung für die Landwirtschaft hat sich ganz offensichtlich auch auf den Sohn übertragen. „Mein Sohn Alexander studiert in Neubrandenburg Landwirtschaft und wie es aussieht, übernimmt er auch den Hof“, berichtet Vömel. Damit wird die lange landwirtschaftliche Tradition in der Familie fortgeführt, denn schon Eltern, Großeltern und Urgroßeltern hatten bereits Kühe.

Tag des offenen Hofes

Der Tag des offenen Hofes 2016 steht unter dem Motto „Entdecken, erleben, lernen“ und wird von Agrarministerium und Bauernverband veranstaltet. 20 Unternehmen der Land-, Ernährungs- und Fischwirtschaft waren in diesem Jahr dabei, auf Rügen wurde der Parchtitz Hof ausgewählt, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert.

830 Tiere leben auf dem Hof Parchtitz, davon 380 Milchkühe und 450 Rinder (Kühe, die noch keine Kälber geboren haben). Die Milchkühe geben im Schnitt 30 bis 35 Liter Milch am Tag, einige Kühe auch bis zu 60 Liter 18 Mitarbeiter arbeiten auf dem Hof Parchtitz, davon 7 ausschließlich im Kuhstall. Zwei Lehrlinge werden zum Landwirt, bzw.

Tierwirt ausgebildet.

Anne Ziebarth

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