Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
In Prora bröckelt der Beton

Prora In Prora bröckelt der Beton

Laut eines Gutachtens ist Block V des früheren KdF-Komplexes nur mit großem Aufwand so zu sanieren, dass darin auch Bildungs- arbeit betrieben werden kann

Voriger Artikel
Nach Betreiberwechsel: Spaßbad auf gutem Kurs
Nächster Artikel
Mukran guckt wieder in die Röhre

Altes Schätzchen gleich mit im Angebot: Irgendwo in dem zum Verkauf stehenden Block hat jemand diesen alten Volvo vergessen. Der Verkauf des Prora-Blocks ist einer der größten Immobiliendeals, die der Landkreis bislang vorbereitet hat.

Quelle: Fotos: Stefan Sauer

Prora/Stralsund. Altersschwacher Bröselbeton im Block V des früheren Kraft-durch-Freude-Komplexes (KdF) in Prora: Die große architektonische Hinterlassenschaft der Nazis, die der Landkreis Vorpommern-Rügen demnächst zum Großteil für mehrere Millionen Euro an einen privaten Investor verkaufen will, ist für die Unterbringung einer Bildungs- und Dokumentationseinrichtung baulich offenbar nur bedingt geeignet. Dies geht aus einem entsprechenden Gutachten des Stralsunder Architekten- und Ingenieurbüros AIU hervor.

OZ-Bild

Laut eines Gutachtens ist Block V des früheren KdF-Komplexes nur mit großem Aufwand so zu sanieren, dass darin auch Bildungs- arbeit betrieben werden kann

Zur Bildergalerie

Demnach würde die Einrichtung großer Ausstellungsräume zu statischen Problemen führen, weil dafür zahlreiche Innenwände abgerissen werden müssten. Bislang sind die Flächen der sechs einzelnen Geschosse des Blocks in viele einzelne Räume gegliedert, wodurch die Zwischendecken ausreichend stabilisiert werden.

Um dort Ausstellungen einzurichten, mit der die Erinnerung an die Bedeutung Proras für die Nazis und die spätere Funktion des KdF-Bades zu DDR-Zeiten wachgehalten werden sollen, müssten den Plänen der zwei vor Ort ansässigen Bildungsvereine auf mindestens drei Etagen fast alle Innenwände entfernt werden. So würde pro Etage ein je 328 Quadratmeter großer Ausstellungsraum entstehen. Damit wäre, schreiben die Stralsunder Ingenieure, die Belastungsgrenze der Fußböden nach einer umfassenden Sanierung auf maximal 150 Kilogramm pro Quadratmeter begrenzt. Für Ausstellungen und öffentliche Bereiche sei jedoch eine Höchstbelastung von mindestens 500 Kilogramm pro Quadratmeter vorgeschrieben.

In der benachbarten Jugendherberge, die sich in einem bereits sanierten Teil des Blockes befindet, seien die vorgeschriebenen Grenzen eingehalten worden. Zunächst sind dort deutlich mehr stützende Innenwände erhalten geblieben und die Anforderungen an die Statik deutlich niedriger als in großen Ausstellungsräumen, wo hunderte Menschen Platz haben können.

In dem gut 20000 Euro teuren Gutachten schlagen die Stralsunder Ingenieure zwei Lösungsmöglichkeiten vor. Im ersten Fall könnte der gesamte Bau durch zahlreiche horizontale und vertikale Stahlträger massiv verstärkt werden. Geschätzte Kosten hierfür: fünf Millionen Euro.

Ein zweiter Weg wäre es, die beiden oberen Geschosse vollständig abzureißen und durch eine leichtere Stahl- und Glaskonstruktion, in der die beiden Ebenen dann wieder untergebracht werden, zu ersetzen. Diese Variante ist laut der Kostenschätzung etwa 200000 Euro billiger. Allerdings würde das historische Aussehen des Blockes damit stark verändert werden. Bisher ist es das Ziel, den Gebäudebereich für die Bildungsarbeit von außen nach Möglichkeit so zu gestalten, wie er von den Nazis erbaut worden ist – mit einer Fassade in Kratzputzgrau.

Landrat Ralf Drescher (CDU) hatte den beiden Bildungsvereinen, dem Prora-Zentrum und dem Dokumentationszentrum Prora, zugesagt, dass sie, sollte der Block an einen Investor verkauft werden, darin ebenfalls einen Platz bekommen, um ihre Arbeit fortzusetzen.

Allerdings sollen sie dies, anders als jetzt, nicht mehr in zwei getrennten, sondern einer gemeinsamen Ausstellungs- und Bildungseinrichtung tun. Dafür könnte in dem Block zwischen dem Bereich, in dem die Jugendherberge untergebracht ist, und dem Teil, wo nach dem Verkauf privat finanzierte Wohnungen entstehen sollen, ein Aufgang reserviert werden.

Nach Ansicht der Leiterinnen der zwei Prora-Vereine, Katja Lucke und Susanna Misgajski, wären dafür in dem möglichen Blockabschnitt alle sechs Geschosse vonnöten. Damit stünden allein für Ausstellungsflächen, Büros, Seminarräume und den Empfangsbereich gut 2000 Quadratmeter zur Verfügung. Rechnet man die Flächen für Treppenhäuser, Funktionsräume und Toiletten hinzu, summiert sich die Gesamtfläche auf rund 3000 Quadratmeter. Miete zahlen wollen beide Vereine nach eigenen Angaben dafür nicht.

Ferien und Erinnerung

300 Meter lang ist der noch unsanierte Teil von Block V, den der Landkreis Vorpommern-Rügen an einen Investor verkaufen will. Nach Ansicht der Gemeinde Binz soll der Block einen möglichst symbiotischen Charakter bekommen. Demnach würde er die bereits 2011 eröffnete Jugendherberge, die Vereinseinrichtung zur historischen Bedeutung Proras und luxuriöse Wohnungen, die nicht als Ferienwohnungen vermietet werden sollen, beherbergen. Das KdF-Bad Prora ist nach dem „Reichsparteitagsgelände“ in Nürnberg der größte Bau der Nazis.

Benjamin Fischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Es werde Licht
In der dunklen Jahreszeit haben es Einbrecher oft leichter - sie werden nicht so schnell gesehen.

Wo Licht brennt, ist anscheinend jemand zu Hause. Und wo Licht brennt, wird ein Eindringling schneller entdeckt: Daher ist es im dunklen Herbst und Winter besonders wichtig, gegen Einbrecher auf Leuchten und Bewegungsmelder am Haus und im Garten zu setzen.

mehr
Mehr aus Wirtschaft
Verlagshaus Rügen

Markt 25
18528 Bergen auf Rügen

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag:
9.00 bis 12.30 Uhr und von 13.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Jens-Uwe Berndt
Telefon: 0 38 38 / 20 14 53
E-Mail: ruegen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.