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Inselmarketing: Gemeinden zwischen Skepsis und Euphorie

Inselmarketing: Gemeinden zwischen Skepsis und Euphorie

Der Anteilsverkauf des Inselvermarkters TZR kommt noch nicht recht in Schwung / Bisher sind erst 33 Prozent an Gemeinden auf der Insel veräußert

Binz Im Moment klemmt es noch. Zwar ist die Tourismuszentrale Rügen (TZR) seit Ende vergangenen Jahres ein rein kommunales Unternehmen, die finanzielle Beteiligung Rügener Gemeinden über einen Anteilskauf kommt jedoch nicht richtig in Schwung — aktuell sind erst 33 Prozent der TZR-Anteile veräußert. Den Rest der Anteile hält die TZR noch selbst. Während sich Binz, Sellin, Göhren, Putbus und Baabe bereits 2015 ihre Anteile gesichert haben, sind andere Gemeinden eher skeptisch. Die Stadtvertreter in Sassnitz zum Beispiel haben eine Vorlage der Stadtverwaltung zum Einkauf bei der TZR vor kurzem abgelehnt. „Grundsätzlich finden wir die Idee einer kommunalen Gesellschaft richtig“, sagt Bürgermeister Frank Kracht (parteilos). „Es gibt bei den Stadtvertretern aber Bedenken, was die Höhe der Anteile angeht. Sassnitz hat eine geringe Bettenanzahl. Es ist die Frage, ob wir mit einer geplanten Beteiligung von neun Prozent nicht zu hoch angesetzt sind.“ Es wurde von den Stadtvertretern auch die Frage aufgeworfen, ob das Geld nicht besser für Kitas oder Schulneubau angelegt werden soll. Man hoffe, das Thema aber im Mai abschließen zu können.

Die finanzielle Beteiligung an der TZR läuft über einen Anteilsverkauf. „Das Stammkapital der TZR beträgt 200000 Euro. Jede Gemeinde bekommt eine Anzahl Anteile, die sich aus der Einwohnerzahl und der Summe touristisch nutzbarer Betten ergibt“, erklärt Kai Gardeja, TZR-Geschäftsführer. „Pro Prozent kostet der Anteil 2000 Euro.“ Der eigentliche Kostenfaktor für die Gemeinden ist die Marketingumlage, die jährlich fällig wird. Sie beträgt pro gekauftem Prozent 8600 Euro.

Bereits jetzt würden die Kommunen in hohem Maße von der guten Arbeit der TZR profitieren. „Der Tourismus auf Rügen hat sich in den vergangenen Jahren ausgesprochen gut entwickelt. Die Übernachtungszahlen der Insel sind von 5,8 Millionen im Jahr 2013 auf 6,4 Millionen im Jahr 2015 gestiegen“, sagt Gardeja. Einen großen Anteil am Erfolg sieht er dabei in der Arbeit der TZR. „Wir haben die Marke ,Insel Rügen‘ komplett neu aufgestellt, unsere Marketingaktivitäten — auch im Ausland — verstärkt und neue Zielgruppen auf die Insel locken können.“ Die Umsätze mit den Touristen würden allerdings in den Gemeinden gemacht, sagt Gardeja. „Es ist nur fair, die Gemeinden an den Kosten für das Marketing der TZR zu beteiligen.“

Der Ummanzer Bürgermeister Holger Kliewe (CDU) würde mit seiner Gemeinde gerne mitmachen, kann aber nicht. „Weil wir kein zertifizierter Erholungsort sind, können wir auch keine Fremdenverkehrsabgabe erheben“, sagt er. Die wäre aber nötig, um die Kosten für die jährliche Marketingzulage bezahlen zu können. Da könne nur eine Änderung des kommunalen Abgabengesetzes helfen.

„Dabei wäre die professionelle Vermarktung gerade für die kleinen Gemeinden ganz wichtig“, sagt Kliewe. „Beim Thema Tourismus muss Rügen als Ganzes betrachtet werden. Der Tourist tut das ja auch.“

Das sieht Gardeja genauso. „Je erfolgreicher die Insel in ihrer Tourismusentwicklung ist, desto erfolgreicher auch die einzelnen Orte“, wirbt Gardeja. „Wir haben in der Hauptsaison eine Million mit dem Auto gefahrene Kilometer auf der Insel pro Tag. Das zeigt doch, wie mobil die Gäste sind. Dass der Tourist auf der Insel ist, kommt nicht nur dem Ort zugute, in dem er schläft.“

In Dranske steht man dem Vorhaben „Anteilskauf“ offen gegenüber. „Wir sind grundsätzlich aufgeschlossen und werden in der kommenden Woche darüber beraten“, sagt Dranskes Bürgermeister Uwe Ahlers (FDP). „Wir haben allerdings einen Doppelhaushalt beschlossen, können einen Anteilskauf also erst 2017 ins Auge fassen.“ Die Stadt Bergen

sollte immerhin elf Prozent an der neuen TZR erwerben. Das bedeutet 22000 Euro Erwerb der Anteile und jährlich zu zahlende Marketingumlage in Höhe von 114000 Euro. Das ist Stadtvertretern und Verwaltung per se zuviel, weshalb in den Haushalt 2016 erst einmal nur fünf Prozent eingestellt wurden. Allerdings mit Sperrvermerk. „Nicht nur der Nutzen einer Gesellschafterrolle ist immer noch unklar, auch sind die Stadtvertreter mit den Geschäftsgebahren von Herrn Gardeja nicht ganz einverstanden“, sagt Bergens Bürgermeisterin, Anja Ratzke (parteilos). Mit den Verhandlungen käme man derzeit nicht voran, weil der TZR-Geschäftsführer schon mehrere Termine abgesagt habe.

In Sellin hat man sich für den Anteilskauf entschieden und ist zufrieden mit der Entscheidung. „Wir erhoffen uns Gemeinschaftsprojekte und eine noch bessere Vermarktung“, sagt Bürgermeister Reinhard Liedtke (Selliner Wählergemeinschaft). „Außerdem war der Kauf des Selliner Schwimmbades durch die TZR natürlich eine gute Sache für den Ort.“ Vorwürfen, die anderen Gesellschafter müssten dann für ein defizitäres Freizeitbad auf der Insel geradestehen, widerspricht Gardeja energisch. „Das Ahoi-Bad schreibt schwarze Zahlen und ist Anziehungspunkt für viele Gäste“, sagt Gardeja.

Wenn sich keine weiteren Gemeinden für den Zukauf entscheiden, fände Gardeja das bedauerlich. „Aber wir werden niemanden zwingen. Und es wird auch niemand benachteiligt, der nicht mitmacht.“

Von Anne Ziebarth

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