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Katastrophal und frustrierend

Ribnitz-Damgarten Katastrophal und frustrierend

Zwischenbilanz der Ernte im Landkreis Vorpommern-Rügen: Die Erträge liegen weit unter dem Durchschnitt

Ribnitz-Damgarten. Niedrige Erträge, fallende Preise: Die diesjährige Ernte treibt den Landwirten im Landkreis Vorpommern-Rügen die Sorgenfalten auf die Stirn. Katastrophal, frustrierend – so beschreiben selbst ältere Ackerbauern die Erträge dieses Sommers. „Schlimmer geht’s nimmer“, fasst Wilfried Lenschow die Situation zusammen.

 

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Wir rechnen beim Raps mit 20 Prozent Verlusten gegenüber dem Vorjahr.“Walter Lonskowski, Bauernverband Rügen

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An solche Ergebnisse kann ich mich nicht erinnern. Bisher sind es 50 Prozent vom sonstigen Durchschnitt.“Wilfried Lenschow, Bartelshagen I

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Wir rechnen beim Raps mit 20 Prozent Verlusten gegenüber dem Vorjahr.“Walter Lonskowski, Bauernverband Rügen

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Rügens Bauernverband

154 Mitglieder zählt der Bauernverband Rügen. Dazu gehören Unternehmen der verschiedensten Rechtsformen.

41400 Hektar bewirtschaften die Mitgliedsbetriebe des Verbandes. Das sind 68 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen auf der Insel.

Der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Bartelshagen I kann sich nicht erinnern, dass die Erträge schon mal so niedrig ausgefallen sind. Die Wintergerste ist gedroschen, die Mitarbeiter sind bei der Rapsernte. 2300 Hektar werden von dem Betrieb mit Gerste, Raps und Weizen bewirtschaftet, 40 Prozent der Fläche ist abgeerntet. Bei dem, was bisher vom Acker ist, liegt der Ertrag bei etwa der Hälfte des sonstigen Ergebnisses.

Für den Bartelshäger Betrieb, der sowohl Ackerbau als auch Milchwirtschaft betreibt, gibt es noch ein weiteres Problem: „Wir brauchen das Stroh für die Tiere“, erklärt Wilfried Lenschow. Und da gibt es gerade mal 20 Prozent vom sonstigen Ertrag. Hinzu kommt, dass die Hoffnung, dass wenigstens die Preise auf dem Markt irgendwann wieder auf einem vernünftigen Niveau liegen werden, wohl vergebens ist.

„Bei uns schlägt es voll rein, weil wir dieses Jahr sehr viel Raps angebaut haben“, erläutert Christiane Opitz. Sie ist Geschäftsführerin der Landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaft Grimmen West. Auf 600 Hektar steht der Raps. Kahlfröste Anfang des Jahres sorgten dafür, dass sich Unkraut entwickeln konnte. Das lasse die Erträge sinken – und mache die Ernte teils unmöglich, weil die Mähdrescher nicht durchkommen. Konsequenz: Da muss ein Schlag auch mal gemulcht werden, so wie Donnerstag bei Hohenwieden.

Ein Problem waren auch ausgebliebene Niederschläge, fügt Christiane Opitz hinzu. „Witterungsmäßig hat es doll reingehauen“, fasst sie den Einfluss des Wetters zusammen. „Im Durchschnitt haben wir beim Raps 20 Dezitonnen je Hektar.“ Auch bei der Gerste sind die Erträge unterdurchschnittlich. „Wir werden etwa bei 40 Dezitonnen je Hektar liegen.“ Sonst seien es 80 Hektar.

Ergebnisse, die landauf, landab nicht anders sind. „Vom Trend her wird sich das durch alle Kulturen ziehen“, vermutet Ansgar Kurp aus Kloster Wulfshagen: „Spannend wird sein, wie sich die Marktpreise entwickeln.“

Auch Hans-Walter Blunck aus Lüssow sieht große Verluste auf sich zukommen. „Wir ernten 55 bis 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei Gerste hatten wir 2015 so um die 110 Dezitonnen pro Hektar, jetzt sind es gerade mal 62. Beim Raps sieht es nicht besser aus. Da schrumpfte der Ertrag von 47 auf 25 Doppelzentner.“ Zum Verlust auf dem Feld kommt außerdem die Preissenkung hinzu. Vergangenes Jahr gab es beim Raps 360 Euro pro Tonne, 2016 sind es 320 Euro.

Schuld an der schlechten Ernte seien die 14 Tage mit starkem Frost und ohne Schnee im Januar. „Aber auch die Trockenheit von Ende April bis Anfang Juni hat uns Ackerbauern arg zu schaffen gemacht“, sagt der Landwirt aus Lüssow, der in seinem Betrieb 500 Hektar bewirtschaftet. Etwa die Hälfte der Ernte ist bereits eingefahren.

Und wie kompensiert der 60-Jährige die niedrigen Erträge und die schlechte Bezahlung? „Wir werden Investitionen zurückstellen. Wir hatten 2011 ja schon mal so ein mieses Jahr und haben das auch überstanden. Vor allem das Finanzamt wird die Misere zu spüren bekommen, denn die Bauern sind üppige Steuerzahler, und da fließt eben diesmal nicht so viel“, sagt Hans-Walter Blunck, der sich jetzt mit seinen vier Mitarbeitern auf die Weizen-Ernte vorbereitet.

Nicht ganz so dramatisch wie auf dem Festland stellt sich die Zwischenbilanz der Ernte auf der Insel Rügen dar. „Aber es sieht auch nicht gut aus“, stellt Walter Lonskowski fest, Vorsitzender des Bauernverbandes Rügen. Mit 20 Prozent Verlusten gegenüber dem Vorjahr werde beim Raps gerechnet, erläutert er. Bei der Gerste seien die Erträge im Norden der Insel etwas besser als sonst auf Rügen, aber auch hier wird mit Verlusten gegenüber dem Vorjahr gerechnet.

Die Rapsernte sei insgesamt im Gang, teils schon beendet. Einige Betriebe seien bereits im Weizen. Schlimm findet der Altenkirchener, dass die Preise so niedrig ausfallen.

Ines Sommer und Peter Schlag

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