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Keine Angst vorm Bienenstich

Bußvitz Keine Angst vorm Bienenstich

In der Freien Schule Rügen wird in einer Arbeitsgemeinschaft Rügens Imker-Nachwuchs herangebildet

Bußvitz. Die gelbe Pracht schwindet. Sabine Hopp blickt ernst über das Rapsfeld, das langsam verblüht. „Jetzt fehlen uns auf Rügen die Blüten“, sagt die pensionierte und passionierte Imkerin, während sie sich langsam zum Bienenwagen am Feldrand umdreht. Dessen Bewohnerinnen haben in den zurückliegenden Wochen eifrig die Rapsblüten bestäubt und sich bei ihrer Arbeit gern beobachten lassen – von den Mädchen und Jungen der Arbeitsgemeinschaft „Junge Imker“ der Freien Schule Rügen in Dreschvitz.

 

OZ-Bild

Sabine Hopp mit Mädchen und Jungen der Arbeitsgemeinschaft „Junge Imker“.

Quelle: Maik Trettin

Uns ist

es wichtig,

den Kindern

die Bedeutung der Bienen

für unsere Ernährung

zu erklären.“Sabine Hopp,

Imkerin

Die gibt es seit diesem Jahr in der Dreschvitzer Einrichtung. Die Erzieherin Martine Nethe hat sich mit dem Thema befasst und neun Kinder für die kleinen, emsigen Wesen begeistern können. Seitdem „imkern“ die Jungen und Mädchen der Arbeitsgemeinschaft einmal pro Woche unter der fachlichen Anleitung von Sabine und Werner Hopp. Beide waren jahrelang als Imker auf Rügen tätig. Als sie sich zur Ruhe setzten, zogen sie nach Sassnitz und gaben ihr Hobby schweren Herzens auf. In der Hafenstadt sei das Klima für Bienen schwierig, sagen sie. Vermutlich liegt es an der Luftfeuchte. Man könne dort auch imkern. Aber die Ausbeute sei längst nicht so groß wie an anderen Standorten auf der Insel.

Um die Ausbeute geht es den beiden aber gar nicht, wenn sie sich einmal pro Woche auf den Weg nach Dreschvitz machen. Hier, wissen sie, warten junge, wissbegierige Bienenfreunde darauf, mehr über das Leben der Tiere, die Bestäubung und die Honiggewinnung zu erfahren. Dabei steht Letzteres auch bei den Kindern nicht im Vordergrund. „Viele mochten Honig anfangs gar nicht so gern“, erinnert sich Werner Hopp schmunzelnd. Mittlerweile sind auch die kleinen Bienenhalter von dem Naturprodukt überzeugt. Was ihnen aber nicht so recht in den Kopf wolle, sei das kurze Dasein der Drohnen. Aus Sicht der Kinder sind alle Bienen wertvolle Lebewesen. „Sie würden sich und uns das nie verzeihen, wenn bei unserer Arbeit eines der Tiere getötet würde“, sagt Sabine Hopp.

Wie man mit Bienen umzugehen hat, haben die Kinder schnell gelernt. Natürlich sei da anfangs ein wenig Angst gewesen. „Aber wir halten hier mit den Buckfastbienen eine relativ ruhige Rasse“, erklären die Hopps. Die Schüler wissen, dass sie sich den Tieren langsam nähern, sie nicht durch fremdartige Gerüche oder Geräusche verstören dürfen. Das klappt. Einige Mädchen und Jungen arbeiten inzwischen schon wie selbstverständlich ohne Handschuhe, wenn sie mit den Waben hantieren. Sollte doch mal jemand gestochen werden, ist Werner Hopp zur Stelle. Er hat den jungen Imkern gleich zu Beginn erklärt, dass man den Stachel samt Giftblase sofort herausziehen muss und so Schwellungen verhindert. Das Tier ist dann nicht mehr zu retten – zum Leidwesen der jungen Imker. „Bei einem Stich würden die Kinder eher die Biene als sich selbst bedauern“, sagen Sabine und Werner Hopp.

Die beiden sind froh, ihr Wissen weitergeben und so mithelfen zu können, den Imkernachwuchs auf Rügen zu sichern. Maßgeblichen Anteil daran habe auch Cindy Remien. Sie ist einerseits Mutter einer Schülerin der Freien Schule in Dreschvitz, andererseits als Produktionsleiterin beim Landhandel Rügen in Rothenkirchen tätig. Dort wird seit Jahren Raps zu Öl gepresst. Und nicht nur das: Aus dem Nektar der Rapsblüten wird mittlerweile auch Honig gewonnen. Seit zwei Jahren arbeiten der Imker Günter Kühn und Cindy Remien eng zusammen.

Tausende Gläser des Rügener Rapshonigs finden Jahr für Jahr reißenden Absatz. Sowohl der Imker als auch das Rügener Unternehmen wollten etwas zum Erhalt der Imkerei und der Bienen auf Rügen tun. Kühn spendierte für das Schulprojekt den Bienenwagen, eine Honigschleuder und andere Gerätschaften, die Rothenkirchener kümmerten sich um den Transport der Ausrüstung von Niedersachsen nach Rügen.

Im Winter haben die Kinder die Saison vorbereitet, Holzrahmen gebastelt und die Waben eingelötet. Wolfgang Wüsthoff, in dessen Familie in fünfter Generation geimkert wird, lud die Kleinen in sein privates „Bienenmuseum“ ein.

„Uns ist es wichtig, den Kindern die Bedeutung der Bienen für unsere Ernährung zu erklären“, sagt Sabine Hopp. Landwirtschaft und Imkerei bräuchten sich gegenseitig. Das sei aber auch in den Köpfen vieler Erwachsener noch nicht angekommen. Wenn jetzt die Rapsblüte zu Ende geht, fehlt vielen Bienenvölkern die natürliche Nahrung. Die Imker müssen mit Zuckerlösung oder Teig zufüttern. Auf Rügen fehlt es an Bienenweiden. Der Anbau von Blühstreifen und Phacelia würde den Bienen helfen, sinniert Sabine Hopp.

Die jungen Imker wollen in diesen Tagen das Ergebnis ihrer Arbeit und vor allem das der Bienen sehen – und endlich Honig schleudern. Ein ganz anderes Resultat ist den Imkern und den anderen Initiatoren der Arbeitsgemeinschaft viel wichtiger: Ein Junge, erzählt Sabine Hopp, brenne so für die Imkerei, dass er dieses Hobby weiterführen wolle. „Er hat schon seine Eltern gefragt. Sie haben ihm erlaubt, zu Hause auf dem Grundstück Bienen zu halten.“

Maik Trettin

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