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Kunden sauer: Deutsche Bank schließt Filiale in Bergen

Kunden sauer: Deutsche Bank schließt Filiale in Bergen

Die Zukunft der sieben Mitarbeiter scheint völlig offen zu sein / Insulaner denken über einen Wechsel der Bank nach / Einzelhändler beklagt weiteres Aussterben der Innenstadt

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Die Filiale der Deutschen Bank in Bergen. Wie andere Filialen in MV, wird sie im kommenden Jahr geschlossen.

Quelle: Fotos: Anne Ziebarth

Bergen Deutschlands größte Privatbank verabschiedet sich von Deutschlands größter Insel: Die Filiale der Deutschen Bank am Bergener Markt soll im kommenden Jahr geschlossen werden. Was bleibt? Ein Selbstbedienungsterminal in Sassnitz, ein Geldautomat in Binz und in Bergen? „Die Kunden behalten ihre Kontonummern. Leider kann ich heute noch keine Auskunft geben, ob am Standort eine Selbstbedienungszone verbleiben wird“, sagt Christian Hotz , Sprecher für die Region Ost des Geldinstitutes. Die Filiale geht 2017 in jener in Stralsund auf.

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Die Zukunft der sieben Mitarbeiter scheint völlig offen zu sein / Insulaner denken über einen Wechsel der Bank nach / Einzelhändler beklagt weiteres Aussterben der Innenstadt

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Warum? „Wir freuen uns über jeden Kunden, der in die Filiale kommt. Richtig ist aber auch, dass immer weniger Menschen dieses Angebot nutzen und deswegen bauen wir alle Zugangswege zur Bank aus, um eine Balance aus Betreuung vor Ort und modernen Zugangswegen – Online, per Telefon oder Video – bieten zu können“, sagt Hotz.

Die Kunden sind sauer. „Die Schließung wäre für mich eine Katastrophe, denn dann müsste ich nach Stralsund fahren. An Online-Banking wage ich mich nicht heran und das Konto würde ich nur ungern auflösen“, sagt beispielsweise Kathrin Schäfer aus Garz. Eine Frau aus Bergen, die nicht namentlich genannt werden will, hat in der Filiale nachgefragt und erfahren, dass möglicherweise eine verkleinerte Beratung aufrechterhalten bliebe. Damit könnte sie leben.

Vor welcher beruflichen Zukunft die sieben, teilweise langgedienten Mitarbeiter der Filiale Bergen stehen, das ist derzeit noch völlig offen. „Ein deutschlandweites Stellenbesetzungsverfahren läuft noch“, sagt Sprecher Hotz.

Nur wenige Schritte entfernt und ebenfalls am Markt residiert die Filiale der Commerzbank. „Die Pläne der Deutschen Bank sind für uns eine gute Möglichkeit, unseren Kundenzuwachs voranzutreiben“, sagt Filialchef André Harnisch . Sein Haus habe zu Jahresbeginn auf Rügen an die 4000 Privat- und Geschäftskunden betreut. „Seit Januar bis jetzt sind etwa 150 weitere hinzugekommen“, macht Harnisch deutlich und auch, dass er ein Ziel vor Augen habe: „Ende 2018 wollen wir 5000 Kunden betreuen.“ Sein Haus verfolge die Strategie, neben dem digitalen Bankgeschäft auf die persönliche Beratung zu setzen. „Für unsere Kunden ist es ein großer Vorteil, uns quasi direkt vor ihrer Haustür zu haben“, sagt Harnisch und fragt sich: „Warum sollte einer nach Stralsund fahren, wenn er es bis zu uns viel dichter hat.“

Diese Einschätzung teilen viele Kunden der Deutschen Bank auf Rügen. „Nach Stralsund werde ich für ein Beratungsgespräch sicher nicht fahren“, meint der 73-jährige Uwe Steinke

aus Sassnitz. „Dann muss ich mein Konto bei der Deutschen Bank eben auflösen.“ Auch Frank Erhardt aus Dreschvitz trägt sich mit dem Gedanken, die Bank zu wechseln. „Die persönliche Beratung vor Ort war ein Grund für mich, hier mein Konto zu eröffnen. Jetzt muss ich mich nach Alternativen umsehen“ sagt der 28-Jährige.

Die Binzerin Elke Keller erledigt ihre Bankgeschäfte am SB-Terminal der Deutschen Bank in Sassnitz. Eine gute Lösung sei das nicht. „Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr war die Fahrt umsonst. Die Technik war außer Betrieb“, erzählt sie. „Seit 20 Jahren bin ich Kunde der Deutschen Bank. Wenn es so weitergeht, dann denke ich ernsthaft über einen Bankenwechsel nach.“

Einzelhändler Frank Lebahn macht sich Sorgen um die Struktur der Bergener Innenstadt. „Die Schließung der Bank ist ein weiterer Rückwärtsschritt“, meint er. „Für mich ist das doppelt bitter. Ich verliere mit den Mitarbeitern der Bank nicht nur gute Dienstleister sondern auch Kunden.“

Der Bergener Mario Wesenberger erkennt in der Schließung der Bankfiliale einen generellen Trend. „Die zentral geführten Unternehmen ziehen sich mehr und mehr aus der Peripherie zurück“, meint er. „Die kleineren Städte bluten weiter aus.“

Deutsche Bank schließt sieben Filialen in MV

7 Außenstellen der Deutschen Bank in Mecklenburg-Vorpommern werden im kommenden Jahr geschlossen. Insgesamt betreibt die Bank derzeit 20 Filialen. Hier arbeiten rund 150 Mitarbeiter. Konkret sind von der Schließung die Außenstellen in Torgelow, Wolgast, Teterow, Hagenow, Ribnitz-Damgarten, Bad Doberan und Bergen betroffen. Die Filialen werden mit der nächstgelegenen Außenstelle zusammengelegt, im Fall von Bergen ist das Stralsund.

Chris-Marco Herold und Anne Ziebarth

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