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Leerstand in Bergen: Jetzt schließt auch das Modehaus Rohloff

Bergen Leerstand in Bergen: Jetzt schließt auch das Modehaus Rohloff

Das nächste Geschäft in der größten Stadt auf Rügen macht dicht / Zu wenige Käufer in der Innenstadt und in den Einkaufszentren

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In der Passage am Brinken ist zur Zeit kaum etwas los, hier hat nur noch ein Geschäft geöffnet.

Quelle: Moritz Herzberg

Bergen. Immer mehr Geschäfte in der größten Stadt auf Rügen geben auf. Viele Gebäude in der Innenstadt stehen leer und sind mit einem „Zu vermieten“-Schild versehen.

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Das nächste Geschäft in der größten Stadt auf Rügen macht dicht / Zu wenige Käufer in der Innenstadt und in den Einkaufszentren

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Jüngstes Beispiel ist das Modehaus Rohloff, das am 23. September seine Pforten in der Bahnhofstraße schließen wird und an dessen Schaufenster ein großes Plakat mit der Aufschrift „Räumungsverkauf“

prangt. „Wir haben einfach zu wenige Käufer. So macht es keinen Sinn, das Geschäft weiterzuführen. Nach dem Auszug wird dieser Laden erst einmal leerstehen“, sagt die Betreiberin Sabine Fildebrandt.

Auch die Bahnhofstraße lädt nur bedingt zum Shoppen ein. Zwischen Café Meyer und der Pommerschen Volksbank kommt man allein an drei leerstehenden Geschäften vorbei. Sogar an Bergens Einkaufszentren geht das Ladensterben nicht vorüber. Im „Kaufhaus Bergen“ herrscht gespenstische Ruhe. Nicht ein einziges Geschäft ist vermietet, überall nur abgeklebte Schaufenster. Nicht anders sieht es in der „Passage am Brinken“ aus. Auch hier suchten viele Unternehmer das Weite. „Zuletzt die Insel-Bücherei im Dezember“, erinnert sich Uwe Hinz. Er ist der Besitzer des letzten Geschäftes in dieser Passage und verkauft unter anderem handgefertigte Fellwaren seiner Firma „Hinz“. Zusammen mit seiner Frau Beate leitet er das Geschäft am Brinken seit Mai 2010. „Früher sagte man, dass mit dem Bau der Passage etwas in Bergen passiert. Aber nein. Bergen verliert nach und nach an Attraktivität“, sagt der Geschäftsmann, der auch jahrelang als Stadtvertreter tätig war. Betritt man die Passage, steht man erst einmal nur verlassenen Räumen gegenüber. „Das zieht die Kunden auch nicht an“, meint Beate Hinz kritisch. „Die Leute kommen nur noch zielgerichtet zu uns. Ein Bummeln wie früher, gibt es schon lange nicht mehr.“ Dennoch ist der Kürschnermeister optimistisch. „Bergen hat großes Potenzial, und das muss in die Köpfe der Einwohner und Urlauber.“ Alle müssten helfen, damit die kleinen privaten Geschäfte nicht aussterben.

Für dieses Aussterben gibt es seiner Ansicht nach mehrere Gründe. „Vor allem das Internet ist dafür verantwortlich. Die Leute kaufen lieber vom Sofa aus ein“, sagt Uwe Hinz weiter. Außerdem würden die Kunden immer anspruchsvoller und verlangten eine größere Auswahl. Viele fahren mit dem Auto oder Zug für einen Tag nach Rostock, um dort mehr Angebote auf einmal zu haben. „Kurz ins Auto setzen und einen schönen Tag in einer größeren Stadt verbringen, hat auch seinen Charme. Da muss Bergen auch hin.“

Stadtvertreter Peter Wendekamm (Die Linke) hingegen sieht das Problem bei den Händlern selbst. „Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Geschäfte werden nur angenommen, wenn Händler ein attraktives Angebot haben.“ Außerdem betont er, dass die Möglichkeiten der Stadt weitestgehend ausgeschöpft seien. „Das einzige, was wir noch machen könnten, wäre den öffentlichen Nahverkehr etwas mehr in das Stadtzentrum zu bringen. Dieser wird bis jetzt nicht gut angenommen“, so der Fraktionsvorsitzende. „Ein attraktiver Wochenmarkt könnte helfen, wieder mehr Leben in die Stadt zu bringen. Allerdings ist es schwierig, diesen Wunsch zu realisieren, denn es fehlen die Händler.“ Und er schließt sich auch der Meinung von Uwe Hinz an. „Ich denke ebenfalls, dass das Internet eine große Konkurrenz zu den Geschäften ist. Ich selber bin der einzige in meiner Familie der noch in die Stadt geht, wenn ich etwas benötige.“

Kristine Kasten von der SPD setzt ebenfalls zuerst auf die Kreativität der Händler. „Die Gewerbetreibenden müssen mit guter Beratung und Angeboten dagegenwirken.“ Sie empfindet eine Zusammenarbeitet zwischen Händlern und Stadt als nötig. „Das wichtigste ist, dass sich alle an einen Tisch setzen und zusammen beratschlagen. Dann sehe ich gute Chancen auf eine attraktive Innenstadt.“

Bergens Bürgermeisterin Anja Ratzke (parteilos) beschäftigt sich ebenfalls seit längerer Zeit mit dem Problem. „Die Situation in der Bergener Innenstadt hat sich in den letzten Jahren mit dem Wegfall von zahlreichen Arbeitsplätzen von Kreisverwaltung, Finanzamt und Sparkasse zunehmend verschlechtert“, sagt sie. Durch ihre Lage in der Innenstadt hätten diese Einrichtungen Kunden in das Zentrum gebracht. „Die Verwaltung arbeitet gegenwärtig an Konzepten, um die Verweildauer und die Familienfreundlichkeit der Innenstadt zu erhöhen.“

Bisher hat sich noch nichts geändert, bei Einwohnern und Besuchern der Stadt Bergen stößt der Leerstand zunehmend auf Kritik. „Die Stadt ist nicht mehr das, was sie mal war“, meint eine junge Passantin. Auch der 56-jährige Fred Kiebel aus Bergen ist ratlos. „Wahrscheinlich haben die den Sprung in die neue Zeit verpasst — ich habe keine Ahnung.“ So negativ sehen es aber nicht alle Einwohner. „Eigentlich ist doch alles da, was man braucht“, sagt Maria Kurzke (26). „Ich brauche keine großen Geschäfte.“

Leerstand in der Bergener Innenstadt

5Geschäfte stehen in der Passage am Brinken leer. Ein einziges Geschäft ist vermietet. Auch das gesamte Kaufhaus Bergen ist unbesetzt.

In der Marktstraße stehen drei Läden leer. Die Woll- Boutique Pagel wird ebenfalls zugemacht. Drei Geschäfte sind derzeit in der Bahnhofstraße geschlossen — dazu kommt im September das Modehaus Rohloff. Insgesamt bedeutet dies, dass in der Bergener Innenstadt zur Zeit mehr als 15 leerstehende Geschäfte zu finden sind.

Von Moritz Herzberg

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