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Lohme: Stopp für Großprojekt abgelehnt

Lohme Lohme: Stopp für Großprojekt abgelehnt

Gemeindevertreter billigen Vorentwurf für 500-Betten-Projekt auf dem Rügenradio-Gelände

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Blick auf Lohme: Noch liegt das ehemalige Rügenradio-Gelände mit dem markanten Quartett der Sendemasten auf dem Teufelsberg oberhalb des Ortes brach. Doch das Areal soll touristisch erschlossen werden mit bis zu 500 neuen Betten.

Quelle: Mario Frost

Lohme. Für ein 500-Betten-Projekt auf dem Gelände der ehemaligen Küstenfunkstelle Rügenradio wird in Lohme nicht auf die Bremse getreten, sondern auf die Tube gedrückt: Die Gemeindevertreter haben am Donnerstagabend auch im zweiten Anlauf einen von der Bürgerinitiative „Bewahrt Lohme“ initiierten Einwohnerantrag für eine „Zwangspause“ bei der Planung des touristischen Großvorhabens mit großer Stimmenmehrheit abgelehnt. Stattdessen gaben die Kommunalpolitiker grünes Licht dafür, das umstrittene Projekt weiter voran zu treiben. Sie billigten den Vorentwurf des Bebauungsplanes für das „Kurquartier“ titelnde Vorhaben.

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„Der Lohmer Hang muss erst komplett saniert sein, bevor überhaupt etwas auf dem Rügenradio-Gelände gebaut werden sollte“, sagt Guido Hoenig, Mitglied der Bürgerinitiative und einer der Einreicher des Einwohnerantrages. Mit dem fordern die Initiatoren der Bürgerinitiative die Gemeindevertreter auf, das Verfahren zur Aufstellung des B-Plans für das Großprojekt auszusetzen, bis alle nach Ansicht der Initiative noch offenen Fragen geklärt sind. Dazu zählt die Initiative auch jene nach der Stabilität des Hanges, der vom Ort zum Hafen hinab führt und an dem im Jahr 2005 Tausende Kubikmeter Erde und Geschiebemergel abgerutscht waren. Nach dem Erdrutsch wurde der Hang zwar aufwändig saniert. Doch diese Arbeiten seien noch nicht in allen Abschnitten wie im Bereich der Diakonie abgeschlossen, so Hoenig. „Die vorgesehene und massive Bebauung des Rügenradio-Geländes würde einen Eingriff in den Grundwasserbereich bilden. Das birgt Gefahren, so lange der Hang nicht komplett stabilisiert ist.“

Am Donnerstagabend durften Guido Hoenig sowie Susanne Monz und Jörg Burwitz als Einreicher den Einwohnerantrag begründen. Mit vier Wochen Zeitverzug. In der April-Sitzung der Gemeindevertretung war ihnen kein Rederecht eingeräumt worden, obwohl es ihnen gesetzlich zugestanden hätte. Ohne die Einreicher zu Wort kommen zu lassen, schmetterte die Volksvertretung mit großer Mehrheit den Antrag ab (die OZ berichtete). Die Einreicher intervenierten gegen den Rechtsverstoß. Mit Erfolg. Zum zweiten Mal musste sich die Gemeindevertretung am Donnerstag mit dem Einwohnerantrag befassen.

„Das Projekt sollte in erster Linie für Lohme und die Lohmer Vorteile bringen und nicht Gewinne für die Telekom und Co“, warf Susanne Monz in die Waagschale. Aus den vorgelegten Erstentwürfen für das Vorhaben liest die Bürgerinitiative jedoch nur Nachteile für die Kommune heraus. „So soll die Gemeinde einen Kurpark beisteuern und ihn später unterhalten. Das ist pflegeintensiv, braucht Arbeitskräfte und ist teuer“, führte Monz ein Beispiel an. Zudem bezeichnete sie das Projekt als „überdimensioniert“. Die Planer würden mit Vorgaben aus einem bereits zehn Jahre alten Flächennutzungsplan arbeiten. Danach wäre auf dem Areal sogar der Bau von Ferienhäusern mit gut 600 Betten möglich. „Die Zeit ist aber nicht stehen geblieben“, führte Monz als Beleg Ranzow mit dem Schlosshotel und dem Golfplatz an. „Dort stehen Unterkünfte schon teilweise leer und es werden trotzdem noch neue gebaut“, stellte sie Bedarf und Nachfrage für ein 500-Betten-Projekt für das Rügenradio-Gelände in Frage. Die Bürgerinitiative, die nach Angaben ihres Vorsitzenden Jörg Burwitz inzwischen mehr als 3400 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt hat, präferiert eine ortsangepasste Bebauung. Burwitz führte als Beispiel ein von der Telekom in der Vergangenheit erstelltes Grundstückskonzept an, das ein 3,7 Hektar großes Wohngebiet für alle Wohnarten auf dem Rügenradio-Areal vorsieht. „Die Gemeindevertretung möge sich mit solchen Alternativplanungen auseinandersetzen“, forderte er.

Mit Ferienhäusern auf dem Rügenradio-Gelände hätte er sich auch anfreunden können, räumte Bürgermeister Matthias Ogilvie (CDU) mit einem neidvollen Blick zu den Nachbarn ein. „In Glowe sind 400 NCC-Ferienhäuser gebaut worden. Die Gemeinde ist die reichste im Inselnorden.“ In Lohme habe dagegen eine Rückwärtsentwicklung stattgefunden. Einwohnerschwund und damit verbunden der Pro-Kopf-Verlust von rund 1500 Euro Zuweisungen vom Land an die Gemeinde, Arbeitsplatzmangel – „Alles, was wir befürchtet haben, ist eingetreten“, zeichnete Ogilvie ein niederschmetterndes Bild. „Deshalb brauchen wir arbeitsplatzintensive Einrichtungen“, schlussfolgerte er. Mit dem Kurquartier-Projekt würden 80 bis 100 hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen, brach er eine Lanze für das Vorhaben. Für Klaus Peper ist es „die Vision, wie es in 20 Jahren in Lohme aussehen kann“. „Was wer und wie groß tatsächlich bauen kann, wird in einem zwischen der Gemeinde, der Telekom und dem Hotelinvestoren zu schließenden städtebaulichen Vertrag exakt festgeschrieben werden. Wir befinden uns bei dem Vorhaben noch ganz am Anfang“, betonte er. Stadtplaner Frank-Bertolt Raith pflichtete bei: „Aktuell steht ein Vorentwurf zur Debatte. Der wird öffentlich ausgelegt. Dann folgt ein Entwurf, aus dem schließlich der B-Plan hervorgeht. Alle, auch die Bürger, werden an diesem formellen Planverfahren mehrfach beteiligt“, offerierte er in Richtung Bürgerinitiative.

„Glowe ist nicht gleich Lohme. In Glowe gehen Häuser weg wie das sprichwörtlich geschnittene Brot. In Lohme wird das keineswegs der Fall sein“, zweifelte Burkhard Rahn, der einzige Gemeindevertreter, der gegen das 500-Betten-Projekt ist. „Ich glaube nicht, dass wir durch das Vorhaben wieder mal 500 oder gar 600 Einwohner in der Gemeinde haben werden“, hielt er dagegen. Doch Rahn wurde mit seinem Ja zum Einwohnerantrag wie mit seinem Nein zum Vorentwurf des B-Plans vom Rest der Gemeindevertretung überstimmt.

Udo Burwitz

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