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Merkel schippt fürs schnelle Internet

Ummanz/Sassnitz Merkel schippt fürs schnelle Internet

Die Bundeskanzlerin startet den Breitbandausbau auf Ummanz und feiert in Sassnitz Richtfest für ein Rohrwerk

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Unter tatkräftiger Mithilfe von Angela Merkel gelang gestern der Spatenstich für den Anschluss von Ummanz ans Glasfasernetz. Ihr zur Seite standen bei dem symbolischen Akt Bürgermeister Holger Kliewe (r.) und Axel Rödiger, Chef des Zweckverbandes Rügen.

Quelle: Chris-Marco Herold

Ummanz/Sassnitz. Der Wahlkampf macht es möglich: So viel Angela Merkel wie in dieser Woche gab es noch nie auf Rügen. Nach einer Stippvisite auf Mönchgut am Mittwoch besuchte die Bundeskanzlerin gestern erstmals die Insel Ummanz. Zuvor war Merkel in Mukran Gast beim Richtfest der Bogenn GmbH.

OZ-Bild

Die Bundeskanzlerin startet den Breitbandausbau auf Ummanz und feiert in Sassnitz Richtfest für ein Rohrwerk

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Auf der Feier des ersten türkischen Unternehmens mit Sitz in Mecklenburg-Vorpommern wurde deutlich, dass ungeachtet aller politischer Differenzen die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen MV und der Türkei Fahrt aufnimmt. „Die Ansiedlung der Bogenn ist ein gutes Signal für eine weitere erfolgreiche Entwicklung des Mukran Port und eröffnet Zukunftsperspektiven weit über den Hafen und Sassnitz hinaus“, lobte Merkel.

Die Bogenn, eine Tochterfirma der Mir Holding aus Istanbul, ist auf die Herstellung von Kunststoffrohren spezialisiert, die in den Bereichen Trink- und Abwasser sowie Bewässerung eingesetzt werden können. In Mukran will das Unternehmen 65 Arbeitsplätze schaffen, die zum größten Teil mit Personal aus der Region besetzt werden sollen. „Wir benötigen nicht nur Fachkräfte aus dem Bereich der Elektronik, sondern vor allem ungelernte Mitarbeiter, die wir selbst ausbilden wollen“, sagte Cemal Turhan Ilter, Geschäftsführer der Deutsche Bogenn.

Das Werk, in das 31 Millionen Euro investiert werden, wird im Auftrag der Fährhafengesellschaft errichtet und mit neun Millionen Euro vom Land gefördert. 2017 soll die Produktion aufgenommen werden.

Der Bau von Produktions- und Lagerhallen sowie die Errichtung eines Bürogebäudes wird nur ein erster Schritt sein. „Wir planen langfristig mit dem Standort“, sagte Ilter. „Ein Erweiterungsgrundstück haben wir im Blick.“

Die wirtschaftliche Kooperation mit der Türkei sei für die Region äußerst vielversprechend, meinte Michael Sturm, Geschäftsführer von Invest in MV. „Für türkische Unternehmen sind wir ein attraktiver Standort. Das Produktionslabel ,Made in Germany' hat eine große Strahlkraft und ist bei türkischen Unternehmen sehr beliebt. Damit eröffnen sich den türkischen Firmen neue Absatzmärkte.“

Über das ganze Gesicht strahlte Frank Kracht. „Erst Anfang des Jahres hatten wir den ersten Kontakt mit den Investoren und heute ist schon Richtfest“, lobte der Sassnitzer Bürgermeister. „Besonders gut für die Region ist es, dass langfristige Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Stadt profitiert davon, dass die Deutsche Bogenn ihren Geschäftssitz in Sassnitz hat, hier Steuern zahlt.“ Auch der Geschäftsführer der Fährhafengesellschaft, Harm Sievers, ist mit der Neuansiedlung mehr als zufrieden. „Mehr Ladung, mehr Schiffe, mehr Logistik“, sieht er Vorteile für den Mukran Port. „Dazu kommen Synergieeffekte zwischen den Unternehmen und langfristige Industriearbeitsplätze.“

Staatssekretärin Ina-Maria Ulbrich aus dem Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung begrüßte die Ansiedlung als weiteren Entwicklungsschritt des Mukran Port. „Der Hafen braucht verschiedene Geschäftsfelder. Mit der Entwicklung von Mukran als Hafen für die Offshore-Windenergie haben wir einen wichtigen Schritt gemacht. Jetzt sollen weitere Industrieansiedlungen auf den hafennahen Flächen folgen.“ Die großen Areale seien bei Investoren heiß begehrt. „Flächen an der Kaikante sind Goldstaub“, sagte sie. „Nur die straßenseitige Anbindung muss verbessert werden, minutengenaue Planbarkeit ist in der Logistikbranche Pflicht. Aber mit dem Weiterbau der B 96 kommen wir diesem Ziel bedeutend näher.“

Um Verbindungen – allerdings digitaler Art – ging es auch bei Merkels Besuch auf Ummanz. Fernab vom Schuss zu wohnen und trotzdem ständig mit der Welt in Kontakt zu sein – das soll alsbald überall auf Rügen und Hiddensee möglich sein. Die ländlichen Gemeinden bekommen Anschluss an die digitale Welt. „Das ist eine hervorragende Aussicht. Das kann aber nur der Anfang sein. Wir müssen in den Giga-Bereich kommen“, sagte Merkel. Wenig später wurde mit ihrer tatkräftigen Mithilfe dafür der symbolische Spatenstich in Waase auf Ummanz vollzogen .

Die Gemeinde soll bis Ende 2018 ans superschnelle Glasfasernetz angeschlossen sein. Dann wäre ein Datenverkehr mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde möglich. „Ein Quantensprung für die Gemeinde“, blickte der Ummanzer Bürgermeister Holger Kliewe (CDU) voraus und sagte auch, was derzeit möglich ist: „An manchem Standort nur ein Megabit pro Sekunde.“ Übrigens: Zeitgeschichtlich gesehen wäre der bevorstehende Quantensprung der zweite in kurzer Zeit für Ummanz. Denn erst seit Mitte der 1950er Jahre brennt auf der Insel elektrisches Licht.

Das schnelle Internet bringt den Insulanern der Zweckverband Rügen ins Haus. „Auf Ummanz allein werden wir zwei Millionen Euro investieren und 30 Kilometer Kanal legen“, sagte Geschäftsführer Axel Rödiger und gab ein Ziel aus: „Bis 2023 sollen 90 Prozent der Insel einschließlich Hiddensee ans Glasfasernetz angeschlossen sein.“

Der Verband hat sich des Themas Breitbandausbau angenommen und setzt mit einer eigens gebildeten Sparte für Infrastruktur die so genannte Breitbandoffensive der Bundes- und Landesregierung um. Für die stellt der Bund 2,7 Milliarden Euro an Fördermitteln für Bewerber aus ganz Deutschland bereit. Das Land MV engagiert sich mit 265 Millionen Euro.

Zahlen & Fakten: Die Vorhaben im Überblick

Die Deutsche Bogenn GmbH ist ein Tochterunternehmen der Dizayn Group, die zur Mir Technology Holding Co. Ltd. in Istanbul gehört. Das Unternehmen produziert Kunststoffrohre aller Art und vertreibt sie in über 80 Länder. In die Produktionsstätte am Standort Mukran werden rund 30 Millionen Euro investiert, es entstehen mindestens 65 Arbeitsplätze.

Beim Breitbandausbau ergibt sich ein Förderschlüssel von 70 Prozent Bund, 20 Prozent Land sowie 10 Prozent Eigenanteil der Kommunen, wobei vom Land eine Ko-Finanzierung zugesagt wurde. Auf Rügen trägt der Zweckverband diese 10 Prozent, ist dafür aber im Besitz der passiven Infrastruktur und kann sie nach europaweiter Ausschreibung an Betreiber vermieten.

Chris-Marco Herold und Anne Ziebarth

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