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Rügen Mindestlohn zwingt Branche zum bürokratischen Hürdenlauf
Vorpommern Rügen Mindestlohn zwingt Branche zum bürokratischen Hürdenlauf
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00:12 10.01.2015
Frank Soßnowski, Vorsitzender des Rügen Produkte Vereins (v.l.), Rügens Dehoga-Vorsitzender Wilfried Rotkirch und Rügens Tourismus-Chef Ernst Heinemann stoßen gemeinsam auf die kommende Tourismussaison an und hoffen auf viele Gäste. Quelle: Fotos: Manuela Wilk

Kaum haben sich Rügens Touristiker vom touristischen Rekordjahr 2014 mit drei Prozent Plus verabschiedet — setzen sie schon wieder zu Höchstleistungen an. „Der Mindestlohn, der seit Jahresbeginn gilt, bedeutet für uns eine große Herausforderung und bringt erheblichen bürokratischen Mehraufwand mit sich, wobei auch der Gesetzgeber nicht alles bis ins letzte Detail geregelt hat“, legte Frank Soßnowski, Chef des Rügen Produkte Vereins, gestern den Finger in die Wunde. Und erntete damit zustimmendes Kopfschütteln bei den mehr als 150 Gästen des Neujahrsempfanges des genannten Vereins, des Tourismusverbandes und des Dehoga-Regionalverbandes im Naturerbe Zentrum Rügen in Prora.

Soßnowski, im Hauptberuf Chef einer Spedition, nannte das Führen von Arbeitszeitlisten als ein Beispiel des bürokratischen Hürdenlaufes. „Wobei auch erst einmal geklärt werden muss, was eigentlich Arbeitszeit ist“, sagte er mit Blick auf seine Branche. Und sprach auch eine mögliche Konsequenz an: „Es steht doch außer Frage: Nicht jede Unternehmung wird sich künftig noch rechnen.“

Harald Schewe, Inhaber der Villa Slave in Binz, hofft inständig, dass die Bedingungen für Hoteliers und Gastronomen nicht noch weiter verschärft werden. Er habe nichts gegen den Mindestlohn. Das gönne er den Angestellten. Doch die dadurch gestiegene Bürokratie mache seinen Job nicht einfacher. „Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen und nicht immer wieder neue Veränderungen“, sagte Schewe.

Ähnlich sieht es Hannelore Dolinga aus Rostock. Die Gastronomin ist Mitglied im Dehoga MV und beklagt, dass durch die neue Gesetzgebung der Verwaltungsaufwand zu stark steige. „Man muss genau nachweisen, warum wer wie viel Geld bekommt“, nennt sie ein Beispiel.

Wilfried Rothkirch dagegen mahnte zur Gelassenheit. „Wir sollten alles schön in Ruhe angehen lassen“, sagte der Chef des Rügener Dehoga-Verbandes. Auch im Rückblick auf das vergangene Jahr: „Das war doch für viele schon in den ersten Monaten quasi gelaufen,aber dann nahm das touristische Geschäft noch einmal ordentlich Fahrt auf.“ Grundlage dafür sei für ihn auch das hohe Niveau der Ausstattung der Rügener Hotels und Gästehäuser. Und schob zwei Merksätze nach: „Wer nichts wird, wird Wirt — dieser Spruch gilt schon lange nicht mehr.“ Und: „Der Tourismus endet nicht hinter der Rügen-Brücke.“

Das könnte Ernst Heinemann ungelesen so unterschreiben. Ihm ist ums Wohl und Wehe des Tourismusgeschäfts auf Rügen nicht bange, „wenn alle Regionen Rügens die Insel gemeinsam nach außen vertreten“, mahnte der Chef des Tourismusverbandes Rügen an. Ein Schritt dahin sei für ihn, dass in diesem Jahr der Schulterschluss der touristischen Anbieter praktiziert werde. Die Tourismuszentrale soll umgebaut werden, die Kommunen beim Inselvermarkter die Mehrheit übernehmen. „Am Montag gibt es dazu eine Strukturkonferenz. Da reden wir darüber, was wir machen müssen, damit es funktioniert“, kündigte Heinemann an.

Das Gastgewerbe
1200 Hotels und Gaststättenbetriebe sind laut der Industrie- und Handelskammer auf der Urlaubsinsel Rügen angesiedelt. Etwa 250 davon sind im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), Regionalverband Rügen, organisiert. Der lädt einmal im Monat zum Wirtestammtisch ein.



Manuela Wilk und Chris-Marco Herold

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