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Mitropa-Tassen und Eismaschine sorgen für DDR-Charme

Altefähr Mitropa-Tassen und Eismaschine sorgen für DDR-Charme

Bei Heinrich-Johann Nortmann in Altefähr ist Schwedeneisbecher mit Apfelmus und Eierlikör der Kracher

Altefähr. Wie in eine andere Zeit versetzt fühlen sich die Gäste, deren Weg in das idyllisch gelegene Eiscafé am Strand von Altefähr führt. Einheimische kennen und lieben längst die Softeis-Diele, deren Bauzeit von Besitzer Heinrich-Johann Nortmann auf 1964 datiert wird. Baulich und austattungstechnisch scheint sich in der Zwischenzeit nicht viel verändert zu haben, und das macht den Charme des geradezu legendären Eiscafés aus, in dem zu DDR-Zeiten im Hochsommer die Menschen in langen Schlangen gestanden haben sollen. Große Menschentrauben bilden sich auch heute noch am Tresen, von dem aus der 59-jährige Nortmann mit seiner Frau Monika die eishungrigen Leckermäuler bedient und verwöhnt. Die DDR-Softeismaschine aus den 70er Jahren tut bis heute zuverlässig ihren Dienst und verleiht seinem Produkt genau wie vor über 40 Jahren den besonderen Geschmack. Heinrich-Johann Nortmann weiß auch genau, warum das so ist. „Die alten Maschinen arbeiten bei der Eisherstellung mit einer sehr geringen Luftzufuhr, wodurch das Eis nicht so künstlich aufgeplustert wird“, erklärt er. Die modernen Maschinen von heute täten genau das Gegenteil, damit am Ende eine cremig glänzende Substanz entstehe. Ganz bewusst habe er sich für die alte Eismaschine aus DDR-Produktion entschieden, um diesen ursprünglichen Softeisgeschmack beizubehalten. So manches Mal wurde ihm schon vorgeworfen, dass er nur aus Kostengründen nicht in eine moderne Eisanlage investieren will. „Wir ziehen das mit der soliden, voll funktionstüchtigen Eismaschine konsequent durch und auch für unser Geschirr habe ich extra noch alte DDR-Bestände aufgekauft“, sagt Nortmann. Stolz zeigt er auf die Mitropa-Tassen und das DDR-typische unverwüstliche Pressglas der Eisschalen. Nur in einem Nebensatz erzählt Nortmann, dass er eigentlich aus Ostfriesland stammt. Ein Ostfriese mit Faible für DDR- Ambiente und sozialistisches Design? Nortmann kommt ins Klönen und erzählt, dass er eigentlich ganz ernsthaft Betriebswirtschaftslehre studierte und bis kurz nach der politischen Wende in Osnabrück „einen richtig großen Gastronomiebetrieb geführt hat“. Im Herbst 1992 verschlug es ihn auf die Insel Rügen, und bei einem Spaziergang durch Altefähr fiel ihm am Strand die geschlossene Softeis-Baracke auf. „Die Scheiben waren schon eingeschlagen, und ich dachte, das wäre es doch, hier wieder Eis zu verkaufen“, erinnert er sich zurück. Wenig später hatte er einen Pachtvertrag in der Tasche. Drei Jahre hat er das Geschäft erst einmal mit einer „eingeborenen“ Altefährerin, die ihm bis heute als treue Seele im Laden hilft, betrieben. Eigentlich wollte der bärtige Nordfriese gar nicht so lange bleiben und einfach mal etwas anderes ausprobieren. Seine Frau Monika und die beiden schulpflichtigen Kinder folgten ihm drei Jahre später und zogen 1995 nach Stralsund. Inzwischen leben die Eheleute, nach dem die Kinder gleich nach dem Abitur zum Studieren weggezogen sind, im eigenen Häuschen in Altefähr. Das Grundstück und die Softeis-Halle am Strand haben sie inzwischen auch gekauft.

Die Grundsubstanz für die Eisbecher ist Vanille-Eis, nichts anderes. Für Gäste, die eine andere Geschmacksrichtung bevorzugen, hält er das klassische Kugeleis bereit. Softeisbecher mit Heidelbeeren und Sahne, aber auch der saisonale Erdbeereisbecher sind die Hits bei den Kunden. Die absolute Krönung ist jedoch der Schwedeneisbecher, dessen einfache Zutaten, also mit Apfelmus, Sahne und Eierlikör, vielen gelernten DDR- Bürgern bestens bekannt sein dürften. Sobald die Sonne nur etwas zum Vorschein kommt, rennen die Leute Familie Nortmann die Bude ein. „Wenn es regnet, ist bei uns zwangsläufig Ruhetag, ansonsten halten wir von März bis Oktober täglich das Geschäft offen“, sagt der Chef. Wer denkt, dass Softeis eine Kalorienbombe ist, irrt sich. „In dem Eis, das wegen der Konsistenz nur auf vier bis fünf Grad minus runtergekühlt werden darf, ist kein Fett und kein Öl“, betont Nortmann. Die Sahne könnte aber zu ungewolltem „Hüftgold“ führen.

Christian Rödel

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