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Rügen Nach Pleite: Pädagogium wird versteigert
Vorpommern Rügen Nach Pleite: Pädagogium wird versteigert
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00:35 27.08.2014
Der prachtvolle Eingang des Pädagogiums am Circus in Putbus. Anfang Dezember wird mittels einer Versteigerung ein neuer Eigentümer gesucht. Quelle: Chris-Marco Herold

Ein Stück Putbuser Stadtgeschichte kommt unter den Hammer. Das 1833 am Circus erbaute Pädagogium wird noch in diesem Jahr versteigert. „Ich sehe keine andere Möglichkeit, diese Immobilie los zu werden. Ein Käufer hat sich jedenfalls nicht gefunden“, begründet der Putbuser Bürgermeister, Harald Burwitz (FDP), gegenüber der OZ den nun gefundenen Weg. Er will das Haus, in dem zuletzt das IT-College untergebracht war, so schnell wie möglich zu Geld machen — für 1,5 Millionen Euro solle das Objekt am ersten Putbuser Platz aufgerufen werden. Das werde am 6. Dezember der Fall sein.

Könnte, sagt Kai Rocholl. „Es fehlen noch die letzten Unterschriften und Formalien, damit der Vorgang wasserdicht ist“, macht der Vorstand und Auktionator der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG deutlich. Wenn alles in Sack und Tüten sei, werde sein Haus das prominente Objekt noch vor dem Erscheinen des Auktionskataloges, für den der 10. Oktober Redaktionsschluss ist, anpreisen — was nur in wenigen Fällen üblich sei.

Den Gläubigern wird das nur Recht sein. „Wir verhandeln am 11. September noch über den Schlüssel, wie der Erlös verteilt wird. Die Sparkasse will 30 Prozent, die Stadt Putbus von 35 bis 28

Prozent gestaffelt — je nach Erlös“, sagt Burwitz. Und nennt eine Hausnummer: „Wir wollen mindestens 500 000 Euro haben, damit wir unsere Bürgschaften wieder raus haben.“ Er hofft auf Land und Bund als weitere Gläubiger. „Wenn die noch zwei, drei Prozent abgeben, wäre uns geholfen. Schließlich bringen wir in die Versteigerung auch noch 15 033 Quadratmeter Fläche ein.“Wie die künftig genutzt werden könnte — da hat Burwitz Phantasie. So habe er dem Landkreis das Objekt, das Zeit seiner Geschichte schon immer eines für Bildung war, als Außenstelle des Gymnasiums angeboten — samt Internat im ehemaligen Hotel du Nord. „Aber die haben nicht angebissen“, sagt Burwitz. Seiner Meinung nach könne der Circus 16 auch ein Hotel oder ein Seniorenheim werden. „Mal ehrlich: Wenn das Haus weggeht für 1,5 Millionen Euro, dann ist das ein Schnäppchen. Und wenn der neue Eigentümer noch ein paar Mark fünfzig in der Tasche hat und drei bis vier Millionen Euro investiert, dann kann man schon was draus machen“, sagt der Bürgermeister. Er habe sich vom Haus gedanklich schon verabschiedet. Das aber nicht von der Stadtkasse. Die wird noch von den Betriebskosten belastet — etwa 84 000 Euro jährlich.

Etwa zehn Millionen Euro sind seinerzeit in das IT-College investiert worden. dabei geht es um sieben Millionen Euro Fördergeld von Land und Bund sowie den Eigenanteil des Colleges. An dem wurden seit 2002 IT-Spezialisten ausgebildet — in den besten Zeiten bis zu 300 Schüler. Vor zwei Jahren war die höhere Berufsfachschule dann schließlich in die Insolvenz geschlittert. Damit brachen die Schülerzahlen ein. Zuletzt waren es noch 50. Der Schulbetrieb wurde Ende März dieses Jahres eingestellt (die OZ berichtete).

Das IT-Science-Center, einst auch am Circus beheimatet, war bereits 2011 in die Pleite gerutscht. Mit dem Ende des Colleges wurden schließlich die hochfliegenden IT-Pläne von einst zur Makulatur.

„Das war von Anfang an ein totgeborenes Kind“, sagt der Bürgermeister heute. Und beerdigt damit auch 176 Jahre Schultradition am Circus. Das Pädagogium hatte der Fürst zu Putbus einst errichten lassen, um die Bildung und Erziehung der Landeskinder zu fördern.

Noch im März des Jahres hatte Harald Burwitz gehofft, dass sich für das Pädagogium ein Investor finden werde — zumal damals die Zweckbindung als Schule aufgehoben worden war. „Ich hatte die Hoffnung auch deshalb, damit sich die einst investierten zehn Millionen Euro nicht in Staub auflösen würden“, sagt Harald Burwitz heute. Aber angesichts der geplanten vorweihnachtlichen Versteigerung weiß er auch, „dass dies mit einem Großteil des Geldes schon geschehen ist“.

Bildungstradition am Circus in Staub aufgelöst

300 Schülerinnen und Schüler sind zu Spitzenzeiten im IT-College unterrichtet worden. Deren Zahl ging mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens drastisch zurück. Zuletzt — bis Ende März dieses Jahres — wurden 50 Schüler unterrichtet.
Insolvenzverwalter Uwe Degen-Gellenbeck hatte nach einem Investor gesucht und keinen gefunden. Das Fazit des Greifswalder Rechtsanwaltes im März dieses Jahres: „Der Sanierungsplan ist gescheitert.“ Ein großes Problem ist, dass die Unterhaltung des Pädagogiums mit hohen — zu hohen Kosten verbunden ist.
176 Jahre Bildungstradition am Circus in Putbus sind mit dem Pädagogium verbunden. Das hatte Fürst Malte zu Putbus einst im Jahre 1833 erbauen lassen — mit Ziel, die Bildung und Erziehung seiner Landeskinder zu fördern.



Chris-Marco Herold

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