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Rügen am Wochenende wieder fest in Wikingerhand

Garz/Binz Rügen am Wochenende wieder fest in Wikingerhand

Beim Kampf um den Burgwall in Garz und dem Schlossfest am Jagdschloss Granitz kamen hunderte verkleideter Mittelalterfans zusammen

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Bei der Schlacht um Garz haben die jüngsten Kinder den Angriff der wilden Männer abhalten können. Fotos (6): Christian Rödel

Garz/Binz. Es müssen martialische Schlachten gewesen sein, die sich in grauer Vorzeit Wikinger und Slawen auf Rügen geliefert haben. Bei den nachgestellten Schlachtszenen um den Garzer Burgwall vom Wochenende wurde auf sehr drastische Weise klar, wie gewalttätig und blutrünstig es dort zugegangen sein muss.

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Beim Kampf um den Burgwall in Garz und dem Schlossfest am Jagdschloss Granitz kamen hunderte verkleideter Mittelalterfans zusammen

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Dabei sah es am Freitagnachmittag noch so aus, als ob das mittelalterliche Spektakel sprichwörtlich ins Wasser fallen würde. „Die Festwiese, auf dem die Schlachten stattfinden sollten, stand völlig unter Wasser“, sagte Heiko Fritz (41) vom Vorstand des gemeinnützigen Vereins „Rock & Mittelalter“, der seit mittlerweile elf Jahren die Veranstaltung in Garz organisiert. Wäre das Wasser dann nicht doch noch rechtzeitig versickert, hätten die Schlachtszenen aus Sicherheitsgründen abgesagt werden müssen. „Die Gefahr des Ausrutschens wäre für die Darsteller und auch die Besucher zu gefährlich gewesen“, so Heiko Fritz und fügt hinzu, dass die Schwerter und Streitäxte den Originalen aus der Wikingerzeit identisch nachgestaltet wurden.

An den Autokennzeichen der Fahrzeuge, die die kleinste Stadt Rügens völlig zugeparkt hatten, war zu erkennen, dass die Wikinger-Fans aus aller Herren Bundesländer angereist waren. Nach Aussagen von Heiko Fritz war trotz des Regenwetters die Besucherresonanz noch nie so groß.

Bei den Schlacht-Vorführungen, schenkten sich die Hobby-Kämpfer wahrlich nichts. Es ging verdammt hart zur Sache! Nach klaren Spielregeln wurden die Berührungen der sogenannten Trefferzonen am Leib der Aktiven von einem unparteiischen „Ringrichter“ mitgezählt. Bei dem ersten Line-Fight (Kampf in gerader Linienaufstellung) am Samstagnachmittag gingen schnell die ersten Slawen und Wikinger zu Boden, wenn sie ihre Körper nicht rechtzeitig mit ihren Schilden schützen konnten.

Mit voller Wucht droschen die Darsteller aus Deutschland und Schweden bei den frappierend echt aussehenden Kampfszenen aufeinander ein – da war es gut und wohl auch überlebensnotwendig, dass sie unter ihren Rüstungen gut gepolstert waren. „Jetzt brauch ick erstmal ein Bier“, berlinerte ein am Boden liegender, stark schwitzender Kämpfer, der zu den angereisten „Freystatt“-Darstellern aus der Hauptstadt gehörte. Entspanntes Gelächter machte sich im Publikum breit, nach dem diesem vorher manchmal der Atem stockte. Nach der Pflichtvorstellung folgte für die Kämpfer die Kür, bei der von erwachsenen Besuchern der Schildwall erstürmt werden konnte.

Diesen Schildwall, bestehend aus Schutzschilden der Wikinger und Slawen, durften nun kräftige Mannsbilder versuchen zu durchbrechen. Drei schwergewichtige Männer aus dem Publikum scheiterten an diesem Versuch, obgleich sie mit ihrer gesamten Körpermasse gegen den Schildwall drückten. Doch als die Kinder aus dem Publikum mit vereinten Kräften gegen die Schutzschilde springen durften, wurden die starken Männer aus dem hohen Norden niedergerungen.

Unter den hunderten Hobby-Wikingern waren auch eine ganze Reihe Rüganer mit ihren Familien. Der Sagarder Fischer Mathias Engel war mit seiner Frau Monika und den drei Kindern Erik, Freya und Gordon dabei. „Es war allerdings etwas schade, dass wir uns nicht alle gemeinsam in Garz versammeln konnten, weil die anderen Rüganer Wikingerfreunde beim Schlossfest auf der Granitz gebucht sind“, bedauerte Mathias Engel die terminliche Überschneidung am Wochenende. Bei dem mittelalterlichen Markt vor dem Jagdschloss Granitz waren die befreundeten Brüder und Schwestern der Rüganer Wikinger-Gemeinde: Sören Hohndorf mit seiner Frau Michaela und dem gemeinsamen Sohn Leon (5) aus Blieschow hatten sich hier traditionsgemäß mit den brandenburgischen Wikingern aus Tetschendorf bei Wittstock/Dosse „verbrüdert“. „Wir treffen uns seit sieben Jahren jeden Sommer hier mit unseren Brandenburger Freunden“, sagte Sören Hohndorf, der im zivilen Leben als Koch im Selliner Travel Charme Hotel arbeitet. Trotz der Regenschauer fanden viele Besucher den Weg zum Jagdschloss , um das rundherum ein geschmackvoller historischer Markt mit Handwerkerständen zum Flanieren einlud.

Christian Rödel

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