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Rügen ohne den Badejungen: Für Insulaner undenkbar

Bergen Rügen ohne den Badejungen: Für Insulaner undenkbar

Sie sprechen von Etikettenschwindel und lehnen eine Verlagerung der Produktion nach Thüringen ab / Dem Unternehmen sagen sie einen Imageverlust voraus

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Frank Lebahn mit einigen Rügener Badejunge-Produkten vor seinem Supermarkt in Bergen. Die regionalen Käsesorten seien bei Kunden sehr beliebt.

Quelle: Fotos: Anne Ziebarth, Cornelia Meerkatz, Privat

Bergen. „Die Partnerschaft ist für uns ein klares Bekenntnis zur Region. Hier hat unser Käse seine Wurzeln, hier wollen wir etwas bewegen. Die Kunden verbinden damit etwas Positives, weil Rügen drinsteckt.“ Diese drei Sätze sollten sich die Rüganer auf der Zunge zergehen lassen. Ausgesprochen hat sie Peter Jülich 2013. Damals wurde der „Rügener Badejunge“ Förderer der Initiative „So schmeckt Mecklenburg-Vorpommern“. Das Unternehmen Rotkäppchen Peter Jülich GmbH, das den Weichkäse vermarktet, wollte so die kulinarische Vereinigung unterstützen. Drei Jahre später – Jülich ist in den Beirat gewechselt und Alexander Kolb führt das Unternehmen als Geschäftsführer – wird darüber nachgedacht, den Camembert nicht mehr auf Rügen sondern in Thüringen zu produzieren.

Rico Remien findet dafür klare Worte. „Wenn dort Rügener Badejunge hergestellt wird, dann ist da garantiert keine Milch von hier drin“, sagt der Landwirt aus Samtens. Er, wie andere Bauern auf Rügen auch, beliefert die Molkerei in Bergen mit Milch. „Die lässt sich aber wegen des hohen Wassergehaltes nicht über Strecken von 400 bis 500 Kilometern Länge transportieren“, macht das Vorstandsmitglied des Bauernverbandes Rügen deutlich. Die Produktionsverlagerung, so Remien, hätte für die Landwirte wohl keine Auswirkungen: „Die werden ihre Milch schon los.“ Aber für das Unternehmen Rotkäppchen:

„Das ist nicht gut fürs Image. Da fällt eine Spezialität weg, die Marktnische ebenso. Die setzen wohl nur noch auf Massenproduktion.“

Kerstin Kassner hofft, dass sich das Deutsche Milchkontor, das die Molkerei in Bergen betreibt, und der Rechteinhaber noch im Sinne der Insel einigen. Denn: „Wo Rügen draufsteht, muss auch Rügen drin sein“, fordert die ehemalige Rügener Landrätin. Für sie ist die Nachricht einer möglichen künftigen Produktion des „Rügener Badejungen“ in Thüringen keine gute, weil der seit DDR-Zeiten ein wichtiger Werbeträger der Insel ist. „Jedes gute Produkt, das mit dem Namen unserer Insel wirbt, muss auch von hier kommen“, sagt die heutige Bundestagsabgeordnete. Mit einer möglichen Produktionsverlagerung würde zudem die jahrelange Arbeit des Rügen Produkte-Vereins mit Füßen getreten. Der setzt sich für regionale Kreisläufe sowie die Erzeugung und Vermarktung einheimischer Produkte ein. „ Regionale Produktion ist Wertschöpfung vor Ort, sichert Arbeitsplätze und ist ökologisch sinnvoll. Deshalb muss der Badejunge auf der Insel bleiben“, unterstreicht Kassner.

Auch im Einzelhandel wird die Nachricht kritisch aufgenommen. „Alles wird von der Insel abgezogen“, klagt Frank Lebahn, der einen kleinen Supermarkt in Bergen führt. „Mit den Rügener Fleisch- und Wurstwaren hat es begonnen, dann kam der Rückgang der Fischerei. Schließlich auch noch die Kreisgebietsreform und die geplante Schließung der Bankfilialen. Das ist doch nicht gesund.“ Ob sich der Badejunge auch im Falle einer Produktion in Thüringen gut verkaufen würde, weiß er nicht. „Ich denke schon“, sagt er. „Das ist ja eine starke, ostdeutsche Marke. Und ein Top-Produkt.“ Aber guten Gewissens als regionales Produkt empfehlen? Nein, dass könne er dann nicht mehr.

Anke Britt aus Bergen ist skeptisch. „Ich mag den Rügener Badejungen sehr gerne“, sagt die 68-Jährige. „Aber ich muss mir doch sehr überlegen, ob ich den Käse noch kaufen würde, wenn er aus Thüringen kommt. Ich hätte lieber hier produzierte Ware aus der Region.“

Chris-Marco Herold und Anne Ziebarth

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