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Saisonabhängigkeit bleibt auf Rügen ein Arbeitsmarktproblem

Bergen Saisonabhängigkeit bleibt auf Rügen ein Arbeitsmarktproblem

Insbesondere im Bereich der Tourismusbranche können viele Leute nicht ganzjährig beschäftigt werden / Mehr als 2500 Menschen müssen sich im Winter arbeitslos melden

Bergen. Die Arbeitsagentur in Bergen ist von ihrem Domizil in der Gingster Chaussee in neue Räume in der Bahnhofstraße umgezogen — die Herausforderungen des inselspezifischen Arbeitsmarkts bleiben aber die alten.„Obwohl wir seit der Wende den niedrigsten Jahresstand der Arbeitslosigkeit auf Rügen verzeichnen können, haben wir es mit großen saisonalen Unterschieden in der Arbeitslosigkeit zu tun“, erklärt Jürgen Radloff, Chef der Agentur für Arbeit Stralsund, in deren Bereich auch die Arbeitsagentur Bergen fällt. „Im Februar 2016 haben wir eine Arbeitslosenquote von 17,2 Prozent verzeichnet. Im Juli 2015 waren es 8,6 Prozent. Das ist ein immenser Unterschied.“ Zum Vergleich: In der Region Grimmen liegen die Werte zwischen 11,4 und 12,4 Prozent.

In anderen touristisch geprägten Regionen gebe es auch eine hohe Saisonabhängigkeit, aber nicht in dem Maße wie auf Rügen. Mehr als 2500 Menschen auf der Insel arbeiten nur im Sommer und sind im Winter arbeitslos. „Das betrifft vor allem Mitarbeiter in den saisonalen Bereichen wie der Bau- und der Tourismusbranche“, meint Radloff.

Dabei gebe es durchaus Mittel, die winterliche Arbeitslosigkeit zu verringern. „Sicherlich brauchen wir saisonverlängernde Maßnahmen im Tourismus“, meint etwa Bergens Bürgermeisterin Anja Ratzke (parteilos), „man sollte aber auch die Förderung der Branchen im Blick haben, die ganzjährig Arbeitsplätze sichern und zu Rügen passen, also zum Beispiel die Gesundheitswirtschaft.“ Hier würden noch Potenziale liegen. „Die Gesundheitswirtschaft ist der größte Arbeitgeber in unserem Agenturbereich“, bestätigt Radloff. „Und er wächst weiter.“

Dass aber auch die inselweiten Bemühungen für eine Saisonverlängerung Erfolg zeigen, könne man an den Arbeitslosenzahlen sehen. „Früher haben sich die Menschen der Tourismusbranche ab August wieder arbeitssuchend gemeldet, heute geht die Saison mindestens bis Oktober“, sagt Radloff. Er hat in den vergangenen Jahren auch einen anderen Trend beobachtet. „Immer mehr Arbeitgeber in der Hotel- und Gaststättenbranche überlegen sich, ob sie ihre Mitarbeiter nicht ganzjährig beschäftigen können.“ Denn der Nachwuchs fehlt und der Konkurrenzdruck um Personal wächst. So werden gute Mitarbeiter schon mal von anderen Unternehmen abgeworben.

„Eine Möglichkeit für Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten halten wollen, sind zum Beispiel so genannte Arbeitszeitkonten, bei denen die Überstunden des Sommers im Winter abgebummelt werden, der Arbeitsvertrag aber bestehen bleibt.“ Der Winter könne übrigens auch für Weiterbildungsmaßnahmen genutzt werden. Gerade für die kleineren Häuser ist es aber finanziell schwierig, das Personal über den Winter zu halten. „Das können wir uns als Frühstückshotel nicht leisten“, sagt Gesche Krohn vom Hotel „Stranddistel“ in Göhren. „Unsere Saison ist dafür auch zu kurz.“ Im Sommer arbeiten hier sechs, im Winter neben den Inhabern nur ein Mitarbeiter. Leichter haben es die größeren Anbieter, die die Gäste auch im Winter mit Zusatzangeboten locken können. So etwa im Seehotel Binz-Therme mit ihrem Solebad. „Wir haben auch im Winter viel zu tun“, berichtet Thomas Liske vom Seehotel Binz-Therme. „Deshalb haben 119 von unseren 120 Angestellten auch einen unbefristeten Arbeitsvertrag.“ Ein Knackpunkt sei aber der Mangel an Azubis im Hotel- und Gaststättengewerbe, sagt Radloff. Während Koch, Restaurantfachmann, Hotelfachmann das Angebot der freien Ausbildungsstellen auf Rügen anführen, ist die Nachfrage für diese Ausbildungen eher gering. „Viele junge Menschen werden durch die Arbeitszeiten abgeschreckt, manche auch durch das geringe Gehalt“, so Radloff. „Nicht einmal 50 Prozent der Ausbildungsbetriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe sind tarifgebunden.“

Von Anne Ziebarth

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