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Sassnitz steigt nur mit 6 Prozent beim Inselvermarkter ein

Sassnitz Sassnitz steigt nur mit 6 Prozent beim Inselvermarkter ein

Stadtvertreter kritisieren Berechnungsschlüssel für Anteilskauf an der Tourismuszentrale Rügen und Multifunktion von Geschäftsführer Kai Gardeja

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„Völkerwanderung“ in Sassnitz: Zur Zeit strömen täglich Tausende Insel-Urlauber über die futuristische Brücke in den Stadthafen. Doch die wenigsten davon schlafen auch in der Hafenstadt. In Sassnitz dominieren Tagesausflügler das Tourismusgeschäft.

Quelle: Holger Vonberg

Sassnitz. Monatelang wurde hart und zäh um Prozente gerungen, jetzt steht es fest: Aus einem Quintett wird ein Sextett. Sassnitz ist die sechste Insel-Kommune, die Anteile an der Tourismusgesellschaft Rügen (TZR) erwirbt. Allerdings wird Rügens Hafenstadt beim Inselvermarkter nicht mit neun Prozent einsteigen, wie von der TZR-Spitze geplant. Die Stadtvertreter beauftragten Bürgermeister Frank Kracht in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause mit Stimmenmehrheit, den Erwerb von nur sechs Prozent Gesellschafteranteilen zu besiegeln.

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Stadtvertreter kritisieren Berechnungsschlüssel für Anteilskauf an der Tourismuszentrale Rügen und Multifunktion von Geschäftsführer Kai Gardeja

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Sassnitzer kritisieren scharf den Berechnungsschlüssel für den Beitritt: „Es kann nicht sein, dass wir mit Kommunen gleichgesetzt werden, die über ein Vielfaches an Betten verfügen und mit denen richtig Geld verdienen, wir aber fast so viel an den Inselvermarkter zahlen müssen.“ Norbert Benedict, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Stadtvertretung, sieht Sassnitz bei der Umwandlung der TZR in ein kommunales Unternehmen benachteiligt und finanziell gebeutelt. Deshalb fordert er: „Dieser Schlüssel für den Anteilserwerb muss neu berechnet werden.“

Pro forma ist das Ziel, die TZR in ein Unternehmen umzuwandeln, in dem ausschließlich die Inselgemeinden das Sagen haben, schon erreicht. Seit Ende 2015 ist die TZR ein kommunales Unternehmen.

Allerdings sind bislang erst 33 Prozent der Gesellschafteranteile auch tatsächlich an die Gemeinden Binz, Sellin, Göhren, Baabe und Putbus veräußert. Den Rest der Anteile verwaltet die TZR, die über ein Stammkapital von 200000 Euro verfügt, treuhänderisch noch selbst. Doch auch diese Anteile sollen Kommunen erwerben – für 2000 Euro pro Prozent. Die Höhe der Anteile je Gemeinde wird nach einem Schlüssel aus Einwohnerzahl plus Gästebetten errechnet.

„Das kann nicht sein“, findet Norbert Benedict. „Dieser Schlüssel benachteiligt Gemeinden mit hoher Einwohnerzahl, aber wenig Betten.“ Sassnitz steht für ihn als Beispiel. Rügens Hafenstadt zählt aktuell 9932 Einwohner, hat zwar -zig Tausende Tagestouristen im Jahr, dafür aber nur rund 2800 Gästebetten. Die Tagesbesucher spülen kein Geld in die Stadtkasse, eine Tageskurtaxe wird nicht erhoben. Die Betten waren im vergangenen Jahr mit 385832 Übernachtungen zwar gut belegt. Die Kommune, die staatlich anerkannter Erholungsort ist, erzielte 308700 Euro Einnahmen bei der Kurabgabe. „Binz hat aber mit der Kurtaxe gut das Zehnfache eingenommen“, vergleicht der SPD-Fraktionschef. Das Ostseebad hat auch mehr als fünfmal so viele Betten wie Sassnitz, zählt allerdings nur etwa halb so viele Einwohner. „Binz steht wiederum aber als Beweis dafür: Das Geld für das Inselmarketing wird mit dem zahlenden Urlauber verdient. Deshalb ist der das Maß aller Dinge und kann auch nur die Berechnungsgrundlage für den TZR-Beitritt der Kommunen sein“, schlussfolgert Benedict.

Den Berechnungsschlüssel habe nicht er festgelegt, hält Kai Gardeja dagegen. „Auf diesen Schlüssel haben sich die Bürgermeister bereits im Jahr 2014 geeinigt.“ Die Einwohnerzahl sei dabei als Grundlage für den Anteilserwerb bewusst herangezogen worden. „Damit soll die Bedeutung der Mittelzentren, also von großen Städten und Gemeinden mit vielen Einwohnern, die aber weniger Betten haben, beim Anteilserwerb berücksichtigt werden“, erläutert er.

„Mehr Anteile – mehr Macht“, rechnet die Sassnitzer Finanzausschuss-Vorsitzende Anja Schwanck vor. Eigentlich hätten sich auch die Sassnitzer mehr Mitsprache bei der TZR gut vorstellen können. Denn den eingeschlagenen Weg, die gesamte Insel als Marke Rügen aus einer Hand zu vermarkten, halten die Kommunalpolitiker für den richtigen. Der Erwerb der Gesellschafteranteile ist es auch nicht, der die Sassnitzer Kommunalpolitiker schreckt, sondern die Umlage, mit der sich die Kommune jedes Jahr an der Finanzierung der Inselvermarktung durch die TZR beteiligen muss. 8600 Euro werden dafür pro Anteilsprozent fällig. Gerade erst hat die Kommunalaufsicht des Landkreises den Doppelhaushalt der Stadt für 2016/17 genehmigt. Der spricht Bände: Allein der Finanzetat für das laufende Jahr weist ein Defizit von 4,9 Millionen Euro aus. Die Haushaltssituation in Sassnitz ist angespannt.

TZR-Geschäftsführer Kai Gardeja erntete deshalb auch schon zu Jahresbeginn harschen Gegenwind, als er den Sassnitzern 9 Prozent Anteilsübernahme für den Einstieg der Hafenstadt beim Inselvermarkter offerierte, was eine jährliche Umlage von 77400 Euro zur Folge hätte. „Zu viel. Können wir uns nicht leisten“, argumentierten die Stadtvertreter vor dem Hintergrund spärlicher Einnahmen im Tourismusgeschäft gegen diese Offerte, die offensichtlich nicht als Vorschlag, sondern scheinbar eher dogmatisch unterbreitet wurde. „Das Auftreten von Herrn Gardeja, der für etwas wirbt, hätte ich mir anders vorgestellt.“ Peter Kordes (FDP-Mandat) kleidet seine Kritik in höfliche Worte.

Nicht der einzige Haken für die Sassnitzer. Die Stadtvertreter hegen Zweifel, ob ihr investiertes Geld auch effizient eingesetzt wird. „Personelle Konflikte sind ein Grund“, so Norbert Benedict.

„Dass Kai Gardeja einerseits TZR-Geschäftsführer und zugleich Binzer Kurdirektor ist, stellt für mich einen Konflikt dar und die Unabhängigkeit des Inselvermarkters in Frage.“

Das hat auch für Eike Bunge ein „Geschmäckle“. „Wir stehen vor dem gleichen Problem wie die Sassnitzer“, sagt Bergens Stadtpräsident. Die Inselmetropole habe die höchste Einwohnerzahl, spiele im Tourismusgeschäft aber nicht gerade die erste Geige. Bergen soll 11 Prozent Anteile an der TZR übernehmen. „Das erscheint uns zu hoch und nicht ganz gerechtfertigt“, kommentiert Bunge. „Deshalb sehen die Stadtvertreter noch Verhandlungsbedarf. Entschieden ist noch nichts.“

Anteilsverkauf des Inselvermarkters TZR

33 Prozent der Gesellschafteranteile der Tourismuszentrale Rügen (TZR) sind bisher an Inselkommunen veräußert worden; Binz 14 Prozent, Sellin 7, Göhren 5, Putbus 4 und Baabe 3 Prozent. Sassnitz will 6 Prozent erwerben und muss dafür 12000 Euro zahlen. Die Mitgesellschafter finanzieren das Marketing durch eine jährliche Umlage von 8600 Euro pro Anteilsprozent mit.

Die Fremdenverkehrsabgabe könnte als Finanzierungsquelle für diese Umlage genutzt werden. Deshalb diskutieren Sassnitz und Sellin gegenwärtig auch über eine Erhöhung dieser Abgabe um rund 60 Prozent.

Udo Burwitz

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