Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Trotz Beitragserhöhung: Verband kommt mit Geld nicht aus

Teschenhagen Trotz Beitragserhöhung: Verband kommt mit Geld nicht aus

Gemeinden und Grundstückseigentümer stöhnen über höhere Belastungen für Wasser- und Bodenverband / Der benötigt noch mehr Geld für alle Aufgaben

Voriger Artikel
500-Betten-Projekt: Droht jetzt die Klage?
Nächster Artikel
Netto schließt Einkaufsmarkt in Rügens Hafenstadt

Wir können voraussichtlich allenfalls rund 40 Prozent der in den nächsten Jahren auf uns zu kommenden Aufgaben erfüllen.“ Hansjörg Frenzel, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbands Rügen

Teschenhagen. Eine Erhöhung der Beiträge, welche die Mitglieder des Wasser- und Bodenverbandes Rügen auf ihrer jüngsten Versammlung zusammen mit einer neuen Satzung beschlossen, spült Mehreinnahmen von 156000 Euro in dessen Kasse. Geld, das der Verband laut Geschäftsführer Hansjörg Frenzel dringend benötige. „Sehr überschlägige Schätzungen unserer Ingenieure ergaben für die kommenden Jahre einen theoretischen Finanzbedarf von bis zu fünf Millionen Euro“, so Frenzel, der trotz der Erhöhungen davon ausgeht, „dass wir maximal 40 Prozent der Aufgaben werden erledigen können“.

Einige Gemeinden klagen schon jetzt über die erneute Belastung ihrer ohnehin leeren Kassen. „Diese Kosten belasten den Gemeindehaushalt bei der Zwischenfinanzierung auch dann, wenn sie letztlich von den Grundstückseigentümern zu tragen sind“, betont Henny Hoffman, Bürgermeisterin der Gemeinde Lancken-Granitz. Zum Einen seien Gemeinden auch Grundeigentümer und zum Anderen „wollen wir unsere Bürger nicht ständig mehr belasten“. Henny Hoffmann sieht das Land in der Pflicht, mehr Verantwortung für Entwässerung und Hochwasserschutz zu übernehmen. Die Gemeinden benötigten jeden Cent und unterlägen einem zunehmenden Konkurrenzdruck, an der Schraube von Einnahmen aus Steuern und Gebühren zu drehen. Wenn eine Gemeinde sich beispielsweise den Eigenanteil einer Fördermaßnahme von Land oder Kreis finanzieren lassen müsse, „fragen die erst mal, ob wir auch mit unseren Sätzen für Steuern und Gebühren über dem Landesschnitt liegen“.

Über dem Durchschnitt der vier Verbände auf dem Gebiet des Landkreises liegt schon mal der Rügener Wasser- und Bodenverband. Die Beträge sind zwar kaum vergleichbar, weil von Gewässerlänge, Fläche und Nutzungsart abhängig – aber mit einem Hebesatz von acht Euro und einem Rohrleitungszuschlag von einem Euro je Meter nimmt Rügen die Spitzenstellung ein vor den Verbänden Barthe-Küste (7,36 Euro /

0,30 Euro), Trebel (8,20 / kein Zuschlag) und Recknitz-Boddenkette (6,16 Euro / kein Zuschlag).

„Man könnte sich auch einmal genau ansehen, wer eigentlich den größten Nutzen vom Landgewinn hat, wenn Abstandsregelungen für die Bepflanzung von Gräben verändert werden oder sie gar neu verrohrt werden“, schlägt Frank Willi Leinweber vor. Der Rohrdachdecker aus Moisselbritz nimmt im Auftrag der „Stiftung Umwelt- und Naturschutz MV“ an den Verbandsversammlungen teil. Nutznießer seien vielfach Landwirte, die überdies das Gros der von den Gemeinden in die Verbandsversammlung entsendeten Mitglieder stellten. Die kennen sich zwar gut mit der Materie aus, aber nicht in allen Fällen müssten die Interessen von Landwirten und Gemeinden deckungsgleich sein.

Der Interessenkonflikt tritt offen zutage, wenn wie in Kartzitz in der Gemeinde Rappin geschehen, ein Graben nicht nur über die übliche Länge einer Zufahrt, sondern über eine Strecke von fast 700 Metern verrohrt wird. Das könne für den Landwirt schnell einem Landgewinn von einem Hektar entsprechen. Für die Allgemeinheit aber habe die Maßnahme „finanziell wie auch ökologisch negative Auswirkungen“, kritisiert Leinweber. Denn auch wenn die Verrohrung vom Landbesitzer bezahlt werde, würden die Folgekosten mit der Rohrleitungsgebühr von einem Euro je Meter und Jahr der Allgemeinheit aufgebürdet.

Ein anderes Beispiel ist ein bereits verrohrter Graben bei Pansevitz, den der Verband erneuern möchte. Die Gemeinde könnte sich hingegen eine Renaturierung vorstellen. „Wir halten uns dabei natürlich an die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie“, sagt Eckard Koch, Bürgermeister der Gemeinde Kluis. Das Gesetzeswerk sieht bei Gewässern mit großem Einzugsgebiet die Renaturierung vor. Da auch der örtliche Landwirt einer Renaturierung nichts abgewinnen kann, soll nun ein Gutachten Klarheit schaffen. Würde das grünes Licht für die Entrohrung signalisieren, könnte der Grund nach geltendem Wasserverbandsrecht letztlich sogar enteignet werden.

Zwar ist Naturschutz laut Geschäftsführer Hansjörg Frenzel zufolge keine Aufgabe seines Verbands, aber „die Gräben sind die einzigen Refugien, die Tiere und Organismen in der Fläche noch haben“, wendet Frank Willi Leinweber ein. Zudem ist die Unterhaltung der Rohre aufwendiger und eine weitere Erhöhung der Gebühr auf bis zu vier Euro je Meter sei bereits im Gespräch, weiß ein weiterer Teilnehmer.

Wasser- und Bodenverbände

Wasser- und Bodenverbände sind für die Unterhaltung kleinerer Gewässer und Deiche im Solidarprinzip zuständig. Der für Rügen zuständige Verband hat seinen Sitz in Teschenhagen.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 420 Kilometer landwirtschaftliche Deiche, davon 48 Kilometer auf Rügen. Von 31 000 Kilometern Fließgewässer in MV sind 7000 Kilometer verrohrt.

Die Wartung ist bei Gräben günstiger; auch deswegen wird die Entrohrung angestrebt, welche die EU fördert.

Bis in die 1980-er Jahre war Ziel allein die Entwässerung, dann kamen Erscheinungsbild, Erholungswert sowie Artenvielfalt hinzu.

Uwe Driest

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald
Tolle Architektur außen, viel Potenzial innen: Marie le Claire (34), kaufmännischer Vorstand, fühlt sich wohl an der Universitätsmedizin.

Marie le Claire (34) ist seit Januar Kaufmännischer Vorstand / Ihr Sanierungskonzept stellt sie in Kürze den 4500 Beschäftigten vor

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Wirtschaft
Verlagshaus Rügen

Markt 25
18528 Bergen auf Rügen

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag:
9.00 bis 12.30 Uhr und von 13.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Jens-Uwe Berndt
Telefon: 0 38 38 / 20 14 53
E-Mail: ruegen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.