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„Verkehr wie auf der Autobahn“

Patzig „Verkehr wie auf der Autobahn“

Wegen der Sperrung der B 96 leiden Einwohner von Patzig unter den Blechlawinen

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Das Tempolimit bringe keine Entlastung, meint Jürgen Bließ. Der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde betreibt seine Schlosserei kurz vor dem Ortseingang von Patzig. FOTOS (4): UWE DRIEST, ANDREAS MEYER

Patzig. Der Zustand sei „eigentlich unerträglich“, klagt Jürgen Bließ. „Wir kommen manchmal nicht vom Grundstück auf die Dorfstraße.“ Grund der Klage des stellvertretenden Bürgermeisters ist das gestiegene Verkehrsaufkommen in Patzig. Seit zu Monatsbeginn die B96 wegen des weiteren Ausbaus zwischen Strüßendorf und Ralswiek wieder gesperrt ist (die OZ berichtete), „herrschen im Ort Verhältnisse wie auf der Autobahn“, so Bließ. „Unsere Firma liegt noch 50 Meter vor dem Ortsausgang, aber auf Höhe unseres Betriebes haben manche Autos schon hundert Sachen drauf“, sagt der Inhaber einer Schlosserei. Dagegen helfe auch die Begrenzung auf Tempo 30 nicht. Seine Fahrtzeit nach Bergen habe sich von zwölf Minuten auf eine halbe Stunde verlängert, so Bließ.

OZ-Bild

Wegen der Sperrung der B 96 leiden Einwohner von Patzig unter den Blechlawinen

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Eigentlich wollen die Behörden den Verkehr in den Inselnorden über Karow und Mukran umleiten. Weil die Strecke aber auch nicht sehr viel mehr Verkehr aufnehmen kann, fahren Pendler, Urlauber und Brummis über Gnies, Patzig und Thesenvitz. Thesenvitz durchquerten im Februar dieses Jahres 8500 Fahrzeuge, davon 200 Lkw je Woche. Nach der Sperrung im März verdreifachte sich dieser Wert auf 25 000 Fahrzeuge davon 700 Lkw. „Es ist schon ganz schön krass hier“, findet auch Eberhard Thiel. Die kurvenreiche Hauptstraße mache die Situation zusätzlich unübersichtlich. „Sie kommen manchmal innerhalb von fünf Minuten nicht über die Straße“, habe er schon erlebt. Der Gemeindevertreter würde am liebsten zumindest das Gewicht der Fahrzeuge begrenzen, die durch den Ort fahren. „Es kann doch nicht sein, dass hier 40-Tonner lang fahren dürfen, die genau so breit sind wie die Straße und entgegenkommende Pkw sich dann in die Büsche schlagen müssen.“ Kann doch sein, sagt der Landkreis. Der ist Träger der Straße und dürfe sie daher nicht für den Schwerlastverkehr sperren. Einwohnerin Monika Kopplin wird daher auch weiterhin auf dem Seitenstreifen anhalten, wenn ihr ein Lkw entgegenkommt, „damit ich meine Radlager auf dem bröckelnden Bankett nicht kaputtfahre“.

Dass die B96 für eine Verbreiterung um einen Meter mehrere Jahre lang immer wieder gesperrt werde, hält Beate Kurc für „wahnwitzig“. Die Ärztin fährt jeden Morgen von Glowe zu ihrer Stralsunder Arbeitsstelle. „Bisher rechnete ich eine knappe Stunde je Strecke. Seit der Sperrung benötige ich morgens mindestens eine Viertel- und abends eine halbe Stunde länger.“

„Wenn Jeder die ausgeschilderte Umleitung über Mukran nutzen würden, würde es dort täglich zum Verkehrskollaps kommen“, glaubt Christoph Bließ, der die Schlosserei in Patzig gemeinsam mit seinem Vater betreibt. „Irgendwie müssen wir die Autos von der Straße bekommen“, mahnt er an. Bließ fordert ein Verkehrskonzept für die Insel, das auch verbesserte Radwege und Angebote des ÖPNV berücksichtige. „Ein Kombi-Ticket für Bus und Bahn beispielsweise.“

Das akute Problem der Bewohner von Patzig verschärft sich zusätzlich, weil derzeit auch die Straße von Gnies nach Rappin gesperrt ist. Nicht nur der Bus nutze nun den Plattenweg der Gemeinde über Woorke, weiß Irit Vollbrecht. Die Bürgermeisterin der knapp 500 Einwohner zählenden Kommune Patzig möchte sich für die Einhaltung des Tempolimits verwenden. Ein Laser-Gerät und seit drei Wochen auch eine Tempo-Hinweis-Tafel wechsele ständig zwischen den drei betroffenen Orten.

Dass die an den Ortseingängen aufgestellten Tempo-Limits für den gesamten Ort gelten, ist indes nicht allen Autofahrern bewusst. „Die Wiederholung der Schilder nach Einmündungen ist zwar gebräuchlich, aber nicht strikt vorgeschrieben“, sagt das Gesetz. „Wir wollten aber keinen Schilderwald“, so Vollbrecht. Die Bürgermeisterin veranlasste daher, die Tempo-30-Schilder nun „so schnell wie möglich mit Zusatzschildern zu versehen, die den Ort als Tempo-30-Zone ausweisen.

Uwe Driest

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