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Zum Jubiläum: Eine Krone für Königin Seebrücke

Sellin Zum Jubiläum: Eine Krone für Königin Seebrücke

Sellins Goldschmiedemeister Jürgen Kintzel hat den Schmuck zu Ehren des Wahrzeichens des Ostseebades angefertigt.

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Elisa Kenzler von der Selliner Kurverwaltung hat für ein Foto die Seebrücken-Krone aufgesetzt.

Quelle: Fotos: Gerit Herold

Sellin. Hoch oben auf dem Selliner Hochufer weht ein laues Lüftchen. Weit unten auf der strahlend blauen Ostsee glänzen zwei weiße Segel in der Sonne. Es ist kaum sichtbar, wo das Wasser aufhört und der Himmel anfängt. Ein schier endloser Horizont. Jürgen Kintzel liebt diese Aussicht. Er nennt sie Möwenperspektive, einzigartig in Sellin auf der Insel Rügen. Genauso wie die Seebrücke als stolzes Wahrzeichen.

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Sellins Goldschmiedemeister Jürgen Kintzel hat den Schmuck zu Ehren des Wahrzeichens des Ostseebades angefertigt.

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Solchen Bernstein bekommt man heute nicht mehr, so gleichmäßig in der Farbgebung.“Goldschmiedemeister Jürgen Kintzel

„Die Seebrücke gehört einfach zu Sellin, wir feiern mit ihr und wir leiden mit ihr und das schon immer“, sagt Kintzel. Der Selliner Goldschmiedemeister hat der weißen Dame zu Ehren eine Krone aus Bernstein und Silber angefertigt. An dem wertvollen Stück hat der 76-Jährige mit etlichen Pausen schon seit Jahren gearbeitet. Das in der nächsten Woche anstehende Ortsjubiläum „150 Jahre Badeleben“ sei ein guter Anlass gewesen, den Kopfschmuck nun endlich zu vollenden.

Die Krone wird in einer Vitrine auf der Seebrücke präsentiert. Bürgermeister Reinhard Liedtke ist begeistert. „Eine wirklich tolle Sache. Wir überlegen, wie die Krone vielleicht einmal im Jahr zu Repräsentationszwecken getragen werden könnte.“ Vielleicht von einer Seebrückenkönigin zur Eröffnung des alljährlichen Seebrückenfestes?

„Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Kronen und ihrer Geschichte“, erzählt Jürgen Kintzel. Angefangen hatte alles 1997, als der damalige Kurdirektor von Göhren auf ihn zukam. Als saisonverlängernde Maßnahme sollte in dem Ostseebad die erste Bernsteinkönigin gekürt werden. Und die brauchte eine Krone. „Ich war schon verblüfft, dass man zu mir kam“, erinnert sich Kintzel. Und auch an eine echte Herausforderung. Als erstes ging er zu einem Friseur, um herauszufinden, welchen Umfang ein Frauenkopf hat. Eine Antwort bekam er dort nicht, dafür einen Holzkopf für Perücken. „Ich hatte überhaupt keine Ahnung von Kronen und nur zwei Monate Zeit mitten in der Saison. Und nichts kosten sollte sie natürlich auch“, schmunzelt der Goldschmied, der seit 1962 selbstständiger Meister ist und an der Fachhochschule für Angewandte Kunst, Industriedesign und Schmuck in Heiligendamm studiert hat. Sein Erstlingswerk: Die 1. deutsche Bernsteinkrone, deren Begriff patentiert ist.

Drei verschiedene Kronen hat er damals angefertigt, eine für die Gemeinde Göhren, eine für einen Hotelier aus dem Ort und eine dritte steht in einer Vitrine im Bernsteinmuseum Sellin, das Jürgen Kintzel neben seinem Bernsteinfachgeschäft mit Werkstatt in der Granitzer Straße betreibt. Auch eine Selliner Krone zu kreieren, war ihm danach ein Bedürfnis. Die Idee: Zum Saisonbeginn wird eine Seebrückenkönigin gekürt, die bei allen wichtigen Anlässen die Krone trägt.

Doch der Gedanke verlief im Sande. „Also habe ich aus freien Stücken angefangen, ohne Auftrag“, sagt Kintzel. Ausgangspunkt war ein Nachtfoto von der beleuchteten Brücke. Die Elemente Strand, Wasser und Brücke sollten in Silber und Bernstein miteinander verbunden werden. Er fertigte eine Skizze an, dann ein Modell aus Papier, dann welche aus Holz, mit denen er bei einem Bernsteindrechsler die Steine in die Form schleifen ließ. „Solche Bernsteine bekommt man heute nicht mehr, so gleichmäßig in der Farbgebung“, weiß Kintzel, der im Arbeitskreis Bernstein der Universität Hamburg mit Mitgliedern aus aller Welt zusammenarbeitet. Die Herstellung der Krone sei auch handwerklich eine große Herausforderung gewesen.

„Das ist die Schwierigkeit im Handwerk: Alles kann schief gehen. Egal, ob man 50 Jahre Meister ist“, sagt Kintzel.

So lange Jürgen Kintzel zurückdenken kann, ist er vom „Gold des Meeres“ verzaubert. Seine Mutter hatte bereits 1928 einen Andenkenladen auf der Seebrücke und verkaufte an die Touristen Schmuck aus Bernstein, Korallen und Elfenbein. Den Laden betrieb sie neben dem Hauptgeschäft in Oberwiesenthal nur in den Sommermonaten. 1964 wurde das Geschäft im Erzgebirge schließlich geschlossen, Mutter und Sohn zogen ganz nach Sellin. „Bernstein war in meinem täglichen Leben, wir hatten zu Hauses viele Gebrauchsgegenstände wie Barometer, Thermometer, Schreibtisch- und Rauchgarnituren“, erinnert sich Jürgen Kintzel auch, dass das eine oder andere Stück nach dem Krieg gegen Essen eingetauscht wurde.

Viele Stücke und noch mehr Geschichten und Informationen über das fossile Baumharz hält Jürgen Kintzel in seinem kleinen privat betriebenen Museum für Interessierte bereit, das er 1999 eröffnete und das bisher 150000 Gäste besucht haben. Es ist das einzige seiner Art auf Rügen. „Ich fand damals, dass es überfällig war“, meint Jürgen Kintzel.

Er widmet sich nun einer neuen Leidenschaft und thematisiert diese auch in seiner musealen Einrichtung: Megalithgräber. Als Grabbeigaben legten die Menschen auch Talismane oder Amulette aus Bernstein zu den Toten. Diese und die Werkzeuge zur Herstellung baut der Goldschmied nach.

Gerit Herold

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