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Wo der Wittower Kohl seine Wurzeln hat

Woldenitz Wo der Wittower Kohl seine Wurzeln hat

Jürgen und Petra Peters leben auf dem alten Gutshof von Theodor Witthohn

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Petra und Jürgen Peters lieben ihr Refugium mit dem ehemaligen Gutshaus Woldenitz, dem kleinen Park und dem darin gelegenen romantischen Seerosenteich.

Quelle: Fotos: Uwe Driest

Woldenitz. Mit den Namen ist das in Woldenitz so eine Sache. Vorn im Dorf wohnt die Familie von Peter Jürgens und hinten die von Jürgen Peters. Der wurde 1950 im alten Gutshaus des Anwesens geboren, in das die von Jasmund und Wittow stammende Familie nach Krieg und Enteignung zusammen mit Flüchtlingen aufgesiedelt war. Nach der Wende wohnte Familie Peters weiterhin im Haus des letzten Gutsverwalters, dessen eine Hälfte sie geerbt hatte. „Die andere Hälfte konnten wir nach siebenjährigem Kampf gegen allerlei Begehrlichkeiten schließlich Ende der 90-er Jahre von der BVVG kaufen“, erzählt Petra Peters.

Jürgen Peters arbeitete die letzten Jahre vor seiner Rente im Jahr 2008 als Gemeindearbeiter für Gemeinde und Förderverein Putgarten in der Nebelsignalstation und dem Rügenhof. Der gelernte Elektro-Monteur war zuvor für die Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) in Breege, Dranske und Wiek tätig.

In der dortigen, in den 1920er-Jahren für 1200 Kinder erbauten, Kinder-Kurklinik lernte er seine Petra aus Thüringen kennen. „Ich habe mein Leben lang mit großer Freude als Erzieherin gearbeitet“, sagt sie so, dass man es ihr unbedingt glaubt. Zwanzig Jahre davon im Hort von Breege. Die Klinik von Wiek war nach dem Krieg zunächst Waisenheim gewesen. In den 70ern kamen Kinder – oft mit Atemwegserkrankungen aus den Industriegebieten der südlichen Bezirke der Republik – an die Küste, wo sie Bürsten-Massagen, Wassertreten oder andere Anwendungen erhielten. Immer 30 Kinder je Gruppe wurden vier Wochen lang von drei Erzieherinnen betreut.

Den kleinen Park mitsamt Teich hat das Ehepaar Peters „immer nach unseren Möglichkeiten gepflegt“ und heute präsentiert er sich wie aus dem Ei gepellt. Von der „gepackten Feldsteinmauer“, von der in verschiedenen Büchern die Rede ist und die das Grundstück umgeben haben soll, wissen Peters allerdings nichts.

Den Sohn des 1945 enteigneten Eigentümers lernten sie kennen, als er seine alte Heimat besuchte. Der heute 78-jährige Rolf Witthohn aus Malente hätte nach der Wende das Gut gerne gemeinsam mit seinen vier Söhnen wieder aufgebaut. Noch immer fühlt er sich der alten Heimat verbunden, besucht regelmäßig die Heimatfeste der Gemeinde Wiek und der Heimatverein vertreibt sein Buch über die Familiengeschichte der Witthohns. Seine Kindheit in Woldenitz hat er noch gut in Erinnerung. „Gerne besuchte ich als kleiner Junge meine Großmutter in Bergen. Dazu wurde ich von meinen Eltern an der Woldenitzer Haltestelle der Kleinbahn in den Zug gesetzt und die Oma nahm mich in Bergen in Empfang“, erzählt Rolf Witthohn.

Sein Großvater Theodor Witthohn, ein Landwirt, dem es im heimischen Dithmarschen zu eng geworden war, habe die Rittergüter Parchow und Woldenitz im Jahr 1909 für 1,2 Millionen Goldmark erworben. Nach seinem frühen Tod im Jahr 1932 führte Sohn Hans die Wirtschaft fort. Das gelang so gut, dass die Nationalsozialisten Woldenitz als Mustergut vereinnahmten. 1936 sei auf den Gütern der erste, von der Firma Claas hergestellte, Mähdrescher der Insel gefahren und der Pflug wäre mittels dampfbetriebener, an beiden Seiten des Feldes, fahrender Lokomobilen, per Seilzug hin und her befördert worden, kann sich Rolf Witthohn erinnern. „Das Verfahren war allerdings nur dort möglich, wo – wie auf Wittow – der Boden sehr plan war.“ Auch eine Feldbahn legte der Gutsbesitzer an. Auf jeweils 3000 Metern fest und flexibel verlegbaren Gleisen fuhren 42 vierachsige Loren je vier Tonnen Ladung. Die einzelnen Züge wurden von zwei Pferden gezogen.

Zuckerrüben und Gemüse wurden zum Hafen von Vansenitz gebracht, dort in Schuten verladen und in die Zuckerfabriken von Stralsund und Barth oder bis nach Berlin und Stettin gefahren. Aus der alten Heimat Dithmarschen hatte der Gutsherr Kohl eingeführt und so die Kohl-Tradition auf Wittow begründet, die bis vor wenigen Jahren anhielt.

Die Kleinbahn von der Wittower Fähre nach Woldenitz fuhr noch bis Ende der 60-er Jahre und auf der alten Trasse würden sich die Einwohner heute einen Radweg wünschen. „Das wäre nicht schlecht, denn dann gäbe es einen schönen Rundweg in dieser Gegend", findet Jürgen Peters. Insbesondere der Abstecher zum Woldenitzer Hafen lohnt sich, der Wanderer mit einem wunderbaren Rundblick über Breetzer und Breeger Bodden bis hinüber zur Halbinsel Lebbin und die Marina Vieregge belohnt.

Der Ort Woldenitz

Woldenitz war seit dem 13. Jahrhundert der Stammsitz der Familie von der Lancken, einer Rügener Familie des Uradels. Mitte des 16. Jahrhunderts gab es dort zwei Höfe, 150 Jahre später nur noch einen. Als der letzte Herr von der Lancken kinderlos starb, wurde das Rittergut 1893 an den Nachbarn Wilhelm von Platen auf Parchow verkauft, der es 1909 an Theodor Witthohn veräußerte.

Uwe Driest

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