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Wortbilder des Peter Sloterdijk

Wortbilder des Peter Sloterdijk

Das 1983 publizierte Buch „Kritik der zynischen Vernunft“ des Philosophen Peter Sloterdijk zählt, glaubt man den Bestsellerlisten, zu den meistverkauften philosophischen Büchern des 20.

Das 1983 publizierte Buch „Kritik der zynischen Vernunft“ des Philosophen Peter Sloterdijk zählt, glaubt man den Bestsellerlisten, zu den meistverkauften philosophischen Büchern des 20.

Jahrhunderts. Das Buch beendete der mit Worten stets lustvoll mäandernde Sloterdijk im Sommer 1981, vor 35 Jahren. Da war er 34 Jahre jung und einer der hellsten Sterne am Philosophenhimmel der „alten“ Bundesrepublik. Mich erreichte das Buch grenzüberschreitend nur über einen Trick meiner mich in Bergen besuchenden Hamburger Tante. Es fand sich zwischen Hustenbonbons und Tempotaschentüchern in ihrer Handtasche und entging so den DDR-Grenzkontrolleuren. Das ist nun eine ziemlich lange Zeit her, und doch habe ich immer wieder im Buch gelesen, besonders dann, wenn sich die Politik ins Unerträgliche aufplusterte, wenn sie Richtungen vorgab, die mit dem eigenen Nachdenken kollidierten. Das hielt auch nach der Implosion der DDR an. Die von mir markierten Sätze altern seltsamerweise nicht. Ich finde das ziemlich erschreckend, so gesehen besorgniserregend. Sloterdijk las in Heringsdorf aus seinem im Wonnemonat Mai in die Buchhandlungen gelangenden Erotik-Briefroman, der sich „Das Schelling-Projekt“ nennt und sich den physischen Anziehungskräften zwischen Mann und Frau tabulos widmet, ohne ins banal Anzügliche zu driften. Der Autor ist auch hier der Souverän, ein „Formulierungserotiker“, der potent zu artikulieren, zu assoziieren versteht und Lust schon im Vorfeld der Annäherung an das Uraltthema zu erzeugen weiß. Er wird die Leser auf seiner Seite haben. Ich ahne es. Tief im Inneren hätte ich ihn, der immer hellwach blieb in den Finsternissen der Zeit, quasi im Nachgang der Lesung, gern noch anders reden hören. Weniger parlierend über den Verkehr „a tergo“, mehr sezierend über den Verkehr „a fronte“, z.B. zwischen Despoten und Satirikern; über den Größenwahn eines Herrn E. und den Schmähschrift-Gedichterzeuger B., der zu den Satirikern „der groben Richtung“ gehören dürfte, jener, die „eine robuste Intelligenz“ (P.S.) verkörpern und ihre Impulse nicht ums Verrecken zensieren lassen wollen. Derlei war aber nicht das Thema des Abends. Mein Porträt von ihm hat er gern signiert, auch seinen von mir mitgebrachten Band „Kritik der zynischen Vernunft“, der mir noch immer die Defizite unseres Zeitgeistes, das Fehlen einer Entkrampfung und Gelassenheit im ach so dünnhäutigen, ach so verletzbaren Weltgefüge aufzeigt.

Von ARTus

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