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Rügen Würdigung für Schalenbaumeister
Vorpommern Rügen Würdigung für Schalenbaumeister
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00:01 29.11.2017
Sharon und Chi Wei Tseng präsentierten Stuhl-Modelle ihrer „ULMÜT Kollektion“ in der Formensprache des Schalenbaumeisters.

Eines der beliebtesten Rügener Fotomotive ist derzeit versteckt. Eingehüllt in Planen gehört der denkmalgeschützte Rettungsturm in den Dünen am Binzer Strand noch die nächsten Wochen den Bauleuten. Ende Oktober hat die Sanierung an dem international beachteten Objekt des berühmten Rügener Schalenbaumeisters Ulrich Müther (1934–2007) begonnen. Die futuristisch anmutende Hyparschalenkonstruktion, die die beliebteste Außenstelle des Binzer Standesamtes ist, wird für 210000 Euro erneuert – finanziert von der Wüstenrot-Stiftung. Bis zum Mai sollen die umfassenden Arbeiten an dem Turm, der 1981/82 fertiggestellt wurde und bis 2003 als Ausguck für Rettungsschwimmer diente, abgeschlossen sein. Dann soll das „Ufo“ wieder als Trauungsort genutzt werden.

Studenten entwickeln Ideen zur Gestaltung des Müther-Platzes an der Binzer Strandpromenade. Die Sanierung des Rettungsturmes ist bis Mai abgeschlossen.

Und auch der kleine Platz ein paar Meter weiter weg an der Strandpromenade mit Blick auf den Müther-Bau, der auf Initiative des Fördervereins „Museum Ostseebad Binz“ seit 2015 offiziell den Namen „Ulrich-Müther-Platz“ trägt, soll aufgewertet werden. Dafür wurde ein Projekt mit der Hochschule Wismar angeschoben, die seit dem Jahre 2006 das Müther-Archiv betreut, um das Erbe des Binzer Ingenieurs zu bewahren. „Der Platz wurde bisher noch stiefmütterlich behandelt und soll jetzt neu gestaltet werden“, informierte Kurdirektor Kai Gardeja.

Wie dies aussehen könnte, darüber haben sich 13 Studenten Gedanken gemacht. Ihre ersten Ergebnisse stellten sie am Montag in Binz Vertretern der Kurverwaltung vor. Die Bachelor- und Master-Studenten des 4. bis 9. Semesters beschäftigen sich derzeit intensiv mit dem Landbaumeister von Rügen und seinen Schalenkonstruktionen. Die Gruppe besichtigte bei ihrem Rügen-Aufenthalt – für einige Studenten der erste – auch den Müther-Turm, um sich über das Bauwerk und dessen Sanierung zu informieren.

„Es geht um Identifikation. Was macht den Müther-Platz zum Müther-Platz und wie kommuniziere ich das?“, betonte Architektur-Professor Matthias Ludwig, der seit 2012 das Müther-Archiv leitet. „Große Ideen müssen nicht unbedingt große Räume in Anspruch nehmen“, so Ludwig. Wichtig sei bei der Gestaltung des Müther-Platzes auch ein Zusammenspiel mit medialen Informationen, bewegte Bildern oder eine App, erklärt Henning Schillhorn, Professor für Kommunikationsdesign und Medien aus Wismar.

Die Ideen, die die sechs Arbeitsgruppen mit internationaler Studentenbesetzung aus Deutschland, Mexiko, China, Bangladesch und der Slowakei dazu haben, sind komplett unterschiedlich. Der Formensprache der Müther-Bauten wie Teepott Warnemünde, Schwimmhallendach Cliff Hotel (Sellin), Buswartehäuschen Binz oder Café Seerose Potsdam folgend, entwickelten sie städtebauliche Entwürfe, erlebbare Skulpturen, multimediale Informationssysteme und sogar eine „Blumenwiese“. Ezaz und Lasse präsentierten eine architektonisch-künstlerische Informationsreise, die in Binz beginnen und zu seinen Bauten inselweit führen könnte. Sharon und Chi Wei Tseng zeigten Modelle von Stühlen ihrer „ULMÜT Kollektion“. Valeria, Meredith und Estefania wollen mit ihren Modellen, die wie riesige rote, blaue und gelbe Chips aussehen, dass sich die Urlauber und Einheimischen mit allen Sinnen Müther und seinen Hyparschalen nähern. Die Mexikanerinnen kennen Schalenbauten aus ihrer Heimat.

Dort hatte der Architekt Félix Candela ab den 1950er Jahren Hyparschalenbauten errichtet, die auch Müther inspirierten.

An den Entwürfen für den Müther-Platz werden die Studenten nun weiter feilen. Sie werden dann in den politischen Gremien der Gemeinde vorgestellt, erläuterte Kurdirektor Kai Gardeja. Im nächsten Jahr soll dann das favorisierte Konzept umgesetzt werden. Von diesem sei abhängig, wie hoch die Kosten werden. Die Wüstenrot-Stiftung habe signalisiert, die Platz-Gestaltung zu kuratieren, so Gardeja.

Zwei Türme

Der Binzer Ulrich Müther war Spezialist für Betonschalen und entwarf ab 1963 mehr als 50 Hypar-Schalenbauten. Die meisten entstanden auf Rügen. Dazu gehören u.a.: Ostseeperle Glowe, Inselparadies Baabe, Kurmuschel Sassnitz, Schwimmhalle im Cliff Hotel, Buswartehäuschen Binz und Buschvitz.

Müther baute 1975 nach einem Entwurf des Architekten Dietrich Otto den Rettungsturm an der Binzer Seebrücke, der 1993 abgerissen wurde. 1981/82 entstand am Binzer Strand ein zweiter Turm, den die Rettungsschwimmer bis 2003 nutzten und der nun saniert wird.

Gerit Herold

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