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Rügen XXL-Deutschlandfahne gerettet: Rekord-Banner sollte in den Müll
Vorpommern Rügen XXL-Deutschlandfahne gerettet: Rekord-Banner sollte in den Müll
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03:37 28.08.2013
Vor dem Müll gerettet: Matthias Tyrock, der Ortsbeauftragte des THW Bergen, kümmert sich um die XXL-Fahne. Fotos (2): Johanna Hegermann
Bergen

Das war weltweit einmalig: Über Bergen wehte vor zwei Wochen eine 300 Quadratmeter große Deutschlandfahne. Gehisst auf dem Marktplatz der Inselhauptstadt. Danach sollte sie in den Müll wandern, dabei hatten viele Rüganer bei der Aktion der Sendung „Galileo“ von ProSieben mit angepackt, Stoff gespendet und sich die Finger blutig genäht. (die OZ berichtete).

„Wir hatten überlegt, die Fahne einfach zu entsorgen“, sagt Andrea Schäfer von der Produktionsfirma der TV-Sendung „Galileo“. Auf Gegenliebe stieß dieser Vorschlag aber nicht. „Dazu hat es zu viel Mühe und Arbeit gekostet“, protestiert die 79-jährige Hannelore Spreemann. Eine Woche lang hatte die pensionierte Maßschneiderin mitgeholfen in der Turnhalle der Grundschule Altstadt Bergen aus gelben, roten und schwarzen Stoffen die XXL-Fahne erst herzustellen. „Die Aktion hatte einen guten Grundgedanken, und weil wir alle so fleißig waren, haben wir etwas wirklich Interessantes geschaffen“, sagt Spreemann und vertritt die Meinung, dass dieses Gemeinschaftswerk ausgestellt werden sollte: „Am besten würde ich es aber finden, wenn die Fahne bei der Stadtverwaltung bleibt.“

Auch die Maßschneiderin Anette Klassen, die die Führung über die Näharbeiten beim Rekordversuch übernommen hatte, wundert sich, dass die Stadt bisher kein Interesse an der Fahne zeigte. „Das ist seltsam“, sagt sie. „Im Rekordjahr hätte die Fahne wunderbar zur 400- Jahr-Feier Bergens gehisst werden können. Es wurde etwas von zu wenig Stauraum erzählt, aber das ist Unsinn. Wenn die Fahne zusammengelegt ist, misst sie höchstens 1,50 Meter mal ein Meter und ist vielleicht 80 Zentimeter breit. Dafür findet sich Platz.“ Andrea Schäfer vom Fernsehteam bestätigt, dass die Stadt es als schwierig angesehen hätte, die Fahne unterzubringen.

„Wir wurden vom Fernsehteam gefragt, ob wir uns um den Abtransport zur Abfallwirtschaft kümmern würden. Dafür war uns die Fahne aber viel zu schade“, erzählt Matthias Tyrock der Ortsbeauftragte des THW Bergen. Doch der Ortsverband packte nicht nur beim Rekordversuch tatkräftig mit an, sondern wollte auch die Entsorgung verhindern und behielt die Fahne für sich. „Es gab keinerlei Diskussionen, das THW war interessiert, also haben wir ihnen die Fahne geschenkt“, sagt Bergens Bürgermeisterin Andrea Köster. Der Ortsbeauftragte Tyrock freut sich darüber: „Die Fahne soll unsere Frontansicht werden, auch wenn wir noch nicht genau wissen, wie wir sie permanent hissen können.“

Bevor dies passieren kann, muss die Fahne zunächst repariert werden, denn während des Hissens beim Rekordversuch hingen mehrere Personen — unter anderem Extremreporter Harro Füllgrabe — an der Fahne und belasteten sie zusätzlich, dabei bekam die Flagge einige Risse. Dennoch will Tyrock versuchen, sie als Ganzes zu erhalten. „Vielleicht müssen wir sie ein wenig kürzen, weil sie sogar für die Außenwand der Halle zu groß ist, aber selbst dann werden wir den abgenommenen Stoff nicht wegschmeißen. Es ist auch total interessant jetzt noch mal in Ruhe zu gucken, was alles eingenäht wurde. Wir haben sogar eine Schleife und einen BH gefunden“, sagt der THW-Mann lachend.

Am kommenden Sonntag, 1. September, zeigt ProSieben ab 19.15 Uhr wie die XXL—Fahne auf dem Bergener Marktplatz weht.

Zeugnis für Nachfahren
Sicher, die Aktion des TV-Senders war vor allem ein Spaß: Es wird kaum jemand glauben, dass durch das Herstellen der XXL-Deutschlandfahne die Wahlbeteiligung am 22. September in Bergen plötzlich in die Höhe schnellen wird. Trotzdem ist das 300-Quadratmeter-Banner Zeugnis eines Ereignisses, wie es in dieser Form vermutlich nicht wiederkehrt. Weshalb sich die Stadt bei den Überlegungen zur Aufbewahrung der Riesenfahne derart in Zurückhaltung übt, ist unverständlich. Allein der Gedanke, die Nachgeborenen könnten das Patchwork-Kunstwerk in 200 Jahren hervorkramen und sich der verrückten Vorfahren erinnern, die die Flagge einst in einer Hauruck-Aktion zusammennähten, hat etwas Aufregendes. Ganz zu schweigen von der Arbeit, die darin steckt. Schon um diese zu würdigen, hat die Fahne einen Aufbewahrungsort verdient, wo sie die Zeit überdauert. Die THW-Leute haben mit ihrem Einsatz echtes Fingerspitzengefühl bewiesen.

Johanna Hegermann

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