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Rügen „Zeitsplitter“ beginnen mit Blick in Arrestzelle
Vorpommern Rügen „Zeitsplitter“ beginnen mit Blick in Arrestzelle
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00:55 23.08.2014
Als wir Zeitzeugen nach Jahren nach Prora zurück kamen, war die NVA-Kaserne plötzlich KdF-Bad.“Stefan Wolter, Historiker und ehemaliger Bausoldat

Um an die Vergangenheit des Militärstandortes Prora zu DDR-Zeiten zu erinnern, werden am morgigen Sonntag im Umfeld der Jugendherberge in Block V die ersten „Zeitsplitter“

der neuen Außenausstellung enthüllt.

Das Prora-Zentrum und der Förderkreis Bausoldaten Prora wollen damit die Authentizität des Ortes unterstreichen und die DDR-Geschichte Proras stärker verankern. Mit den beiden ersten „Zeitsplittern“

wird auf die sogenannten Bausoldaten aufmerksam gemacht.

In Prora waren ab 1982 und bis 1989 mehrere Hundert Spatensoldaten kaserniert — am größten Bausoldaten-Standort der DDR in diesen Jahren. Sie wurden beim Bau von militärischen und nichtmilitärischen Objekten eingesetzt. Die Waffendienstverweigerer waren ein wichtiger Teil der Friedens- und Oppositionsbewegung der DDR und haben Impulse für die „friedliche Revolution“ 1989 gegeben.

Am 7. September 1964 — also vor 50 Jahren — gab es die Anordnung zur Aufstellung von Baueinheiten in der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR.

Besucher können in eine der letzten noch vorhandenen Arrestzellen im ehemaligen Wachhäuschen und heutigen Rezeptionsgebäude der Jugendherberge blicken. Der zweite „Zeitsplitter“ befindet sich an der ehemaligen NVA-Turnhalle, die heute als Mehrzweckraum genutzt wird.

Hier hatten die Bausoldaten nach dem Ende der Grundausbildung ein Gelöbnis auf den sozialistischen Staat abzulegen. Für viele eine harte Gewissensprüfung, der sie sich durch Schweigen zu widersetzen suchten. „Wir sollten alle nachsprechen ... alle 240 Mann schwiegen“, schrieb Spatensoldat Stefan Wolter 1986 seinen Eltern nach Hause.

Seit 2010 stehen diese Zeilen an einer Gedenktafel vor Ort, die an die Waffenverweigerer in Prora erinnert. Für die hatte der heutige Historiker Wolter lange gekämpft. Sie wird nun durch eine erklärende Informationstafel ergänzt. Stefan Wolter, der mit mehreren Büchern gegen das „kollektive Verdrängen“ der DDR-Geschichte in Prora angeschrieben und den einseitigen Blick auf das KdF-Seebad für eine touristische Vermarktung kritisiert hat, kann es noch nicht ganz glauben.

Und er ist auch ein wenig stolz. „Es ist schon verrückt, dass gerade wir Bausoldaten den Anstoß gegeben haben, dass die Militärgeschichte hier nicht in Vergessenheit gerät und sichtbar bleibt“, sagt der 47-Jährige. Kaum einer wisse (noch), dass es auch in den Kellern der Selliner Jugendherberge Arrestzellen gegeben habe (in der Kaserne der zweiten Grenzkompanie, Anm.d. R.).

Wolters Initiative DenkMAL Prora hatte auch erreicht, dass das Eingangsensemble mit Kontrolldurchlass, Begrenzungsmauer, Fahnenstange und Gedenkstein für Otto Winzer an der gleichnamigen Offiziershochschule in Block IV unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Eröffnung 24. August, 11 Uhr Schranke Jugendherberge Prora. Im Anschluss findet um 13:30 Uhr ein Vortrag in der Jugendherberge statt.

Waffenverweigerer
3300 Bausoldaten waren bis 1989/90 in Prora kaserniert. Ab 1982 entwickelte sich Prora zum größten Bausoldatenstandort der DDR. Dem Thema „Opposition und Widerstand — Bausoldaten in Prora 1964 bis 1989/90“ widmet sich eine Ausstellung, die noch bis zum 28. August im Prora-Zentrum täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen ist.
50 Jahre ist es jetzt her, dass für die Nationale Volksarmee der DDR eine Anordnung erlassen wurde, dass Einheiten von Bausoldaten aufzustellen seien. Bausoldaten waren Waffendienstverweigerer.



Gerit Herold

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