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Zerborstene Autoscheiben auf der B 96: War es ein Heckenschütze?

Samtens/Rambin/Altefähr Zerborstene Autoscheiben auf der B 96: War es ein Heckenschütze?

Die Polizei untersucht drei mysteriöse Fälle zerstörter Scheiben an Fahrzeugen / Die Ursache ist unklar, Steinschläge waren es aber nicht / Projektile können nicht ausgeschlossen werden

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Polizeisprecherin Antje Unger war gestern an der Strecke zwischen Samtens und Altefähr unterwegs, um sich ein Bild zu machen.

Samtens/Rambin/Altefähr. Liegt an der neuen B 96 ein Heckenschütze auf der Lauer und beschießt vorbeifahrende Autos? Die Polizei schließt dieses Szenario nicht aus, denn drei angezeigte Fälle von geborstenen Autoscheiben stellen sich äußerst mysteriös dar. Zweimal können Steinschläge sogar definitiv ausgeschlossen werden.

OZ-Bild

Die Polizei untersucht drei mysteriöse Fälle zerstörter Scheiben an Fahrzeugen / Die Ursache ist unklar, Steinschläge waren es aber nicht / Projektile können nicht ausgeschlossen werden

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Der erste Fall ereignete sich am 19. April gegen 13.15 Uhr. Eine aus Stralsund kommende Frau zuckte kurz vor Samtens zusammen, als eine ihrer hinteren Scheiben auf der Fahrerseite mit einem lauten Knall riss. Da sie mitten auf der sogenannten Rügenautobahn nicht halten konnte, fuhr sie weiter. Wie Stralsunds Polizeisprecherin Antje Unger sagt, sei dabei die Scheibe in sich zusammengefallen.

Am 23. Mai war ein Mann auf der neuen B 96 in der anderen Richtung unterwegs, als auf Höhe der Ortslage Altefähr laut krachend die Dreiecksscheibe auf der Beifahrerseite seines Autos riss. Das war vormittags gegen halb zehn.

Auf den Tag genau zwei Monate später passierte einem Autofahrer unmittelbar an der Ortseinfahrt Rambin auf der alten B 96 gegen 16.45 Uhr praktisch das Gleiche: Knall und Riss. Diesmal hatte es die Frontscheibe erwischt.

Antje Unger: „Bei den beiden letzteren Vorfällen sind in den Scheiben kreisrunde Einschläge zu sehen, von denen sternenförmige Risse abgehen. Das Landeskriminalamt nimmt derzeit Untersuchungen an den Scheiben vor, denn im Moment können keine sicheren Rückschlüsse auf die eigentliche Ursache gezogen werden.“ Die Vermutung, es könnte sich um Einschüsse handeln, wird lauter. Vor allem auch, weil Steinschläge relativ unwahrscheinlich zu sein scheinen.

Joachim Walther, Präsident der Sassnitzer Schützengilde 1927/90, hält den Beschuss mit einer Kleinkaliberwaffe für möglich. Zumindest würden nach seinen Erfahrungen die Beschreibungen der Beschädigungen für eine solche Möglichkeit sprechen. „Luftgewehre kann man aber ausschließen“, sagt er. „Die schießen bestenfalls 50 Meter weit – wenn es nicht gerade eine Spezialwaffe ist.“ Bei Kleinkaliber sehe das schon anders aus. „Kleinkaliber hat noch bei 250 Meter eine recht hohe Geschwindigkeit“, erklärt Walther. „Und trifft das Projektil in einem bestimmten Winkel auf, können Risse in Autoscheiben zurückbleiben. Bei einem Direktbeschuss geht die Kugel aber durch. Bei Großkaliber sowieso.“

Wichtig ist Walther, zu versichern, dass der mutmaßliche Heckenschütze nie und nimmer ein Sportschütze sein könne. Selbst, wenn es jemand wäre, der die neue B 96 nicht mag. „Für solch einen Amoklauf würde sich keiner hergeben“, sagt der Gilde-Präsident. „Das könnte nur jemand mit einer illegalen Waffe sein, der versucht, seine Schießkünste zu beweisen.“

Verunsicherung und Verschwörungstheorien machen sich breit zwischen Altefähr, Scharpitz, Rambin und Samtens: Manche sprechen hinter vor gehaltener Hand sogar schon vom „Rügener Sniper“, der als irrer Scharfschütze auf Autos feuert.

In der Rambiner Pommernkate hofft Andreas Rösemeier, Assistent in der Geschäftsleitung, dass die Ursache schnell aufgeklärt wird und die Gerüchte nicht zu sehr ins Kraut schießen. „An Spekulationen wollen wir uns nicht beteiligen, denn bisher wird ja nur vermutet“, sagt Rösemeier. „Solch eine Sache wäre aber eine Antiwerbung für die gesamte Insel Rügen.“ Wie eine spontane Befragung der OSTSEE-ZEITUNG an der betreffenden Strecke ergab, haben Anwohner bisher nichts Verdächtiges gesehen.

Die Kriminalpolizei bittet jetzt im Rahmen der Ermittlungen um Hinweise von Zeugen. „Hat jemand an den betreffenden Tagen Personen in der Nähe der Fahrbahn beobachtet?“, fragt Polizeisprecherin Antje Unger. „Hat jemand am 23.Mai oder 23. Juli 2016 Personen in der Nähe der Brücken, die über die B 96 in Richtung Scharpitz bzw. Kasselvitz führen, gesehen?“ Darüber hinaus sollen sich auch andere Fahrzeugführer melden, die Beschädigungen an ihren Fahrzeugen festgestellt haben, die während einer Fahrt zwischen Altefähr und Samtens ohne nachvollziehbare Ursachen entstanden sein könnten.

Hinweise ☎ 03838/8100

Jens-Uwe Berndt und Christian Rödel

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