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Ziegen-Aroma auf dem Pferderücken

Altkamp Ziegen-Aroma auf dem Pferderücken

Familie Prehl betreibt einen Reiterhof / Nach der Wende gab es viele Startschwierigkeiten

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Gerda und Ulrich Prehl züchten Pferde und bieten Urlaub auf dem Bauernhof.

Altkamp. Das April-Turnier zum 25-jährigen Betriebsjubiläum ist eben vorüber und in der Nacht zum Mittwoch wurde das jüngste Fohlen geboren. Auf dem Reiterhof von Gerda und Ulrich Prehl läuft es rund zur Zeit. Das war nicht immer so. Vor allem die Wirren der Nach- Wende-Zeit seien nicht leicht zu meistern gewesen, blickt Ulrich Prehl zurück. „Wir sind zwar sehr vernünftig aus der LPG verabschiedet worden“, sagt er, „aber es gab keinen Hafer zu kaufen und ich habe unsere Pferde mit den Vorjahresbeständen der LPG über den ersten Winter retten müssen.“ Weil er auf den 40 Hektar Grünfläche und dem doppelt so großen Ackerland, die er von der LPG erworben hatte, nicht nur Landwirtschaft, sondern weiterhin auch Pferdezucht betreiben wollte, weigerten sich zudem die Behörden anfangs, den Betrieb als landwirtschaftlichen anzuerkennen. Erst auf Intervention der damaligen Bundestagsabgeordneten Angela Merkel sei die Betriebsgründung in der gewünschten Form gelungen.

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Familie Prehl betreibt einen Reiterhof / Nach der Wende gab es viele Startschwierigkeiten

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Manches wäre eben einfacher gewesen vor der Wende und konnte „auf dem kleinen Dienstweg“ erledigt werden. „Wenn wir eine Sportveranstaltung planten, sagten wir morgens im Konsum von Kasnevitz Bescheid und abends trafen sich dann die Verantwortlichen zur Besprechung über Reiten, Fußball oder Frauen-Gymnastik.“ Die Pferde gingen fast nur vor dem Wagen, erzählt er und Reitunterricht gab es für die fast 50 Kinder, die sich auf dem Hof tummelten. „Wenn die nicht spurten, fiel zur Strafe der Reitunterricht aus.“

Ulrich Prehl war 1981 aus Wismar zur LPG Lauterbach gekommen und dort für Pferde und die Schafe zuständig, die hinter der heutigen Feuerwehr in Putbus grasten. Gerda war die Buchhalterin der Genossenschaft, bei der Ulrich seine Lohnabrechnung abgeben musste. „Ich war immer säumig“, gibt er zu, „und bekam meistens einen Anschiss.“ Das gefiel ihm und 1987 heiratete er die gebürtige Kasnevitzerin.

Zwei Töchter brachte Gerda Prehl mit in die Ehe. Susan kellnert im Rosencafé von Putbus und Peggy, die als Hör-Akustikerin in Bergen arbeitet, lebt mit Mann, Sohn und Tochter auf dem elterlichen Hof.

Der gemeinsame Sohn Walter ist Landwirt in Thüringen und Hannes, der jüngste, wurde Berufsreiter in einem Betrieb bei Angermünde, wo er gemeinsam mit Kollegen 120 Pferde ausbildet. Am vergangenen Wochenende wurde der im Wendejahr geborene Hannes sogar Brandenburger Vizemeister beim Hallen-Championat.

Für die Zucht hält Familie Prehl ein gutes halbes Dutzend Mecklenburger Warmblut-Stuten sowie je zwei Reitponys und Kaltblüter. Bei der Versorgung der zehn Reitpferde helfen Regina Zirke und Henry Gäbel. Noch heute ist der Hof Deckstation für das Landesgestüt Redefin, deren Bedeutung allerdings abnehme. „Früher hatten wir vier Hengste, heute erhält jedermann den gewünschten Samen binnen 24 Stunden über das Internet.“ Daher komme nur noch ein Hengst in den Genuss eines Natursprungs, und der gehört dem Hufschmied.

„Auf unserem Pferdehof werden Kinderträume wahr“, sagt Gerda Prehl. Vor allem Mädchen verbringen gern Reiterferien dort, und wenn die sich nicht auf oder neben den Pferden tummeln, können sie die Freizeit mit Trampolin, Tischtennis, Baden, Lagerfeuer, Grillen oder Kremser fahren verbringen. Die 13-jährige Annie Küster freut sich über die Schwangerschaft ihrer großen Schwester Selina. Weil die ihren Wallach Frederick nicht bewegen darf, fährt die Mutti sie vom elterlichen Betrieb, dem Restaurant „Am Bodden“ in Lauterbach, fast jeden Tag nach Altkamp und holt sie wieder ab.

So gut Ulrich Prehl mit Pferden kann, so angespannt ist sein Verhältnis zu Tieren mit Hörnern. Ausgerechnet in der schwierigen Zeit rammte ihn ein Schafbock gegen das Knie und verursachte einen komplizierten Bruch.

Schon früher hatte ihm ein Ziegenbock übel mitgespielt, der die eigentümliche Angewohnheit hatte, nächtens auf den Pferden zu schlafen. „Vor allem die neuen Kunden aus dem Westen wunderten sich darüber, dass unsere Pferde streng rochen, wenn sie sich bei der Arbeit erwärmten.“ Es dauerte eine Weile, bis Ulrich Prehl auf die kuriose Lösung verfiel: „Der Bock pinkelte im Schlaf auf die Pferde und bei steigender Temperatur stieg dann das typische Ziegen-Aroma auf.“

Altkamp in Zahlen

22 Einwohner leben heute noch in Altkamp. Der Name kommt vom slawischen „Kapa“, was eine „erhobene Stelle im Sumpf“ bedeutet.

1306 verkauften die Gebrüder zu Putbus „Villam oldenkampe“ für 700 Mark dem Kloster Bergen.

In der Feldmark gab es einen um 1900 erbauten Windmotor zur Entwässerung. Noch heute entwässert ein Pumpenhaus. Im 16. Jahrhundert war Altkamp in Stralsunder Besitz und im 18.

Eigentum des Stralsunder Klosters St. Jürgen.

Von Uwe Driest

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