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Rügen Zuviel Gedränge? Busfahrer lässt Schüler stehen
Vorpommern Rügen Zuviel Gedränge? Busfahrer lässt Schüler stehen
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00:00 06.12.2017
Nicole Prochnow, VVR-Mitarbeiterin vor Ort: „Wir gehen jetzt in schwierigen Situationen an die Haltestellen und versuchen, die Schülermassen zu steuern.“
Bergen

Schon wieder Ärger mit dem Busverkehr vom VVR: Kürzlich kam es zum Eklat am Busbahnhof in Bergen, als ein Fahrer an einer drängelnden Schülergruppe vorbeifuhr, ohne jemanden zusteigen zu lassen. Ein Jugendlicher erhebt sogar den Vorwurf, angefahren worden zu sein.

Auf dem Bergener Busbahnhof ist ein Bus an wartenden Schülern vorbeigefahren. Einer soll sogar angefahren worden sein.

Dicht gedrängt standen die Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums in Bergen an der Haltestelle am Busbahnhof und warteten auf den Bus der Linie 12. Als dieser auftauchte, soll er allerdings seine Türen geschlossen gehalten haben und weitergefahren sein – dabei sei der Bus komplett leer gewesen. „Das war das erste Mal, dass der Busfahrer ohne die Türen zu öffnen an uns vorbei fuhr“, sagt Florian Detterbeck, Schüler der 10. Klasse. Der 15-Jährige muss täglich von Lancken bei Dranske nach Bergen und zurück und nutzt dazu die Busse der Verkehrsgesellschaft Vorpommern- Rügen mbH (VVR).

„Ich stand mit meinen Mitschülern wie jeden Tag an der Haltestelle. Es herrscht immer ein ziemlicher Andrang. Wir wollten alle schnell in den Bus und dann einen Sitzplatz ergattern. An diesem Tag war es wohl so schlimm, dass der Fahrer einfach ohne uns losfuhr. Das war eine Weltpremiere.“

Annett Detterbeck (48), Mutter von Florian, erhielt an diesem Tag sofort einen Anruf ihres Sohnes und reagierte: „Ich kann ja verstehen, dass der Busfahrer irgendwie handeln muss, wenn so viele Kinder drängeln. Ohne Rücksicht auf die um den Bus herumstehenden Kinder loszufahren, geht aber gar nicht. Für die Zukunft wünsche ich mir bedachteres Handeln.“

Wie gefährlich das Ganze gewesen zu sein scheint, schildert Tom Neuland. „Ich stand an der Seite vom Bus“, erzählt er. „Als der losfuhr, streifte mich das Fahrzeug so sehr, dass ich mit dem Rücken in das Gedränge fiel. Wenn nicht so viele Leute hinter mir gewesen wären, hätte ich auf dem Boden gelegen.“ Für den 15-Jährigen ein Schockmoment – genauso wie für seine Eltern. Die Mutter des Gymnasiasten, Katrin Raschke (43), ist empört. Außerdem beklagt sie die alltäglichen Zustände: „Mein Sohn fährt jeden Tag von Dranske nach Bergen, manchmal haben nicht alle Kinder einen Sitzplatz – das kann nicht sein bei über eine Stunde Fahrt.“

Christoph Racky, Schulleiter des Arndt-Gymnasiums, wusste bei Anfrage der OZ noch gar nichts von dem Vorfall. „Ich habe immer ein offenes Ohr für meine Schüler“, sagt er. „Den Vorfall hätten wir gemeinsam besprechen können und eine Lösung gefunden. Sicher läuft die Schülerbeförderung auf Rügen nicht immer optimal. Jeder hat seine Vorstellungen. Wir wünschen uns vernünftige Gespräche mit allen Beteiligten.“

Beim VVR sieht man das Problem zuerst bei den Schülern. Nicole Prochnow (27) kümmerte sich auch am Tag des Vorfalls in der Infothek um Anfragen der Fahrgäste. „Ja klar, die Lage war nicht schön und in dem Moment auch nicht gut gelöst“, findet sie. „Die Schüler standen aber auf dem Fahrstreifen, das ist verboten.“ Der Busfahrer habe dadurch nicht für die Sicherheit der Jugendlichen garantieren können. „Wir haben an dem Tag unser Bestes gegeben und sofort nach Rücksprache mit der Leitstelle einen Ersatzbus bestellt, der eine Stunde später kam.“ Solch „verrückte Situation“ habe es noch nie gegeben.

Kollegen des Fahrers der Linie 12 geben sich zurückhaltend. „Sicherheit geht vor, und wenn die Schüler sich nichts sagen lassen, müssen wir eben irgendwie handeln“, meint einer, der seinen Namen nicht nennen möchte. Er findet, dass es den Jugendlichen an Respekt und Erziehung mangelt.

Ronald Keil (40), Betriebsstellenleiter in Bergen, ist um eine Lösung bemüht. „An diesem Tag haben über 20 Personen versucht, gleichzeitig durch die Tür nach drinnen zu kommen“, sagt er. „Es wurde von außen an die Scheibe gehämmert und der Spiegel des Busses wurde beschädigt. Der Busfahrer ist eigentlich als sehr besonnen bekannt und darauf aus, für Sicherheit zu sorgen. Ich kann nur anbieten, dass wir, ähnlich wie in Sassnitz und Garz, dafür sorgen, dass ältere Schüler hier helfen.“ Laut Keil gab es Projekte, bei denen Jugendliche höherer Klassenstufen als Ordner fungierten. „Dann würden Schüler Schülern helfen, eine gute Idee, finde ich, die es mit allen Beteiligten zu diskutieren gilt.“

Im August 2016 hatte ein Busfahrer eine Kindergruppe in Putbus im Regen stehen lassen und im September desselben Jahres waren zwei Mädchen in Glowe von einem Busfahrer an die Luft gesetzt worden (die OZ berichtete).

Christine Zillmer

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