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Rügen Zwei Abenteurer segeln um die Welt
Vorpommern Rügen Zwei Abenteurer segeln um die Welt
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10:19 11.06.2018
Tilmann Holsten (40) und Nele Hybsier (39) auf ihrer „Ernestine“. Quelle: Philip Schülermann
Lauterbach

Mit dem Kauf der „Ernestine“ haben sich Tilmann Holsten (40) und Nele Hybsier (39) einen Traum erfüllt. Knapp 13 Jahre ist es her, dass das Paar sich den Traditionssegler, eine Pommersche Jagtquatze, gekauft und hergerichtet hat. Arbeiten, die bis heute andauern. „Wir würden das kein zweites Mal machen - und auch nicht schaffen“, sagt Holsten rückblickend. Holsten und Hybsier bereuen den Schritt dennoch nicht. „Na gut, es gab mal solche Momente“, sagt Hybsier im Scherz und lacht. Aber die Zukunft sei ungewiss, vor allem seit der neuen Schiffssicherheitsverordnung (SchSV), die ihnen wie vielen Traditionsschiffern Sorgen bereitet. 

Ausfahrten finanzieren den Unterhalt

1899 wurde das 23 Meter lange Schiff gebaut, zwölf Gäste können in zwei Kajüten schlafen. Tagsüber finden 24 Mitsegler auf der „Ernestine“ Platz. „Mittlerweile haben wir alle Teile, die aus dem Wasser ragen nachgebaut und ersetzt“, erklärt Holsten, ein Oberbayer mit Norddeutschen Wurzeln. Dabei haben befreundete Handwerker geholfen. Denn einen Verein oder andere Geldgeber hat das Paar nicht. Allein mit Ausfahrten finanzieren sie Unterhalt und Restaurierung des alten Seglers. Etwa 30000 Euro sind dafür nötig - in jeder Saison. 

Das Gefühl von Freiheit

Tilmann Holsten und Nele Hybsier waren mit der „Ernestine“ unter anderem vor Marokko und den Kanarischen Inseln unterwegs. Sie sei eines der ältesten Schiffe in der Ostsee und wohl mit am weitesten in der Welt rumgekommen, sagt Hybsier. Zeitweise haben sie unter Deck gewohnt. „Unsere Kinder wurden beide auf dem Schiff geboren“, erzählt sie. Heute sind Aron und Milan acht und vier Jahre alt. „Einfach Leinen los, und das Schiff bringt dich, wohin du möchtest. Das ist ein Gefühl von Freiheit“, erklärt ihr Vater. 

Neue Verordnung bereitet Sorgen

Die Familie kümmert sich allein um ihre alte Dame. Können sie nicht zusammen raus auf die Ostsee, helfen Bootsleute. Aber dieser Freundschaftsdienst bereitet Sorgen. Denn mit der neuen Schiffssicherheitsverordnung, die seit knapp drei Monaten in Kraft ist, müssen sie für ihre Helfer nachweisen, dass sie unter anderem medizinisch und in Sicherheitsfragen geschult wurden, als würden sie in der gewerblichen Fahrgastschifffahrt arbeiten. Für jedes Crewmitglied müssen sie seit der neuen Verordnung die Seediensttauglichkeitsprüfung vorweisen können. Für das Team bedeutet das hohe Kosten, möglicherweise Tausende Euro. Wer mit Holsten und Hybsier rausfahre, sei kein Fahrgast, sondern Mitsegler. Aber da unterscheide der Gesetzgeber nicht mehr. Die beiden wirken nachdenklich, und das Thema verärgert sie. Wer die Traditionsschifffahrt vor dem Aus sehe, übertreibe nicht.

Früher schnelles Transportmittel, heute ein Zuhause

„,Ernestine’ ist ein Zuhause“, sagt Nele Hybsier. „Wir haben wichtige Phasen unseres Lebens hier verbracht.“ Das würden die Gäste merken, wenn sie an Bord kämen - dass die beiden Exoten seien, dass sie mit ihrer alten Dame schon auf großer Fahrt waren. 

An diesem sonnigen Vormittag liegt die „Ernestine“ in der Marina in Lauterbach auf Rügen. Auch in dieser Saison dient sie für Ausfahrten auf der Hanse Sail oder für Inselumrundungen. Mit sechs Knoten Reisegeschwindigkeit ist der alte Frachter erstaunlich flott unterwegs. Die Erklärung ist einfach: Die Besatzung transportierte frischen Fisch. „Verderbliche Ware“, erklärt Holsten. „Und wer zuerst zurück im Hafen war, konnte den höchsten Preis dafür verlangen.“ 

Philip Schülermann

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