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Zwei Waldbrände in der Schaabe durch glühende Holzkohle

Breege/Juliusruh Zwei Waldbrände in der Schaabe durch glühende Holzkohle

Unterholz und Kiefern standen in Flammen / Revierförsterin und Wehrführer kritisieren gedankenlosen Umgang mit Feuer in den trockenen Nadelwäldern

Breege/Juliusruh. In der Schaabe hat es in den zurückliegenden Tagen zweimal gebrannt. Am Montag mussten die Feuerwehrleute aus Breege/Juliusruh ausrücken, um ein Feuer in dem an ein Freizeitcamp grenzendes Waldgebiet zu löschen. Erst ein paar Tage zuvor waren Wehrführer Jens Steinfurth und seine Kameraden ein paar hundert Meter entfernt im Einsatz gewesen, weil auch dort das Unterholz des trockenen Kiefernwaldes und einige Bäume in Flammen standen.

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Unterholz und Kiefern standen in Flammen / Revierförsterin und Wehrführer kritisieren gedankenlosen Umgang mit Feuer in den trockenen Nadelwäldern

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Dieser September könnte der wärmste und trockenste seit Beginn der Wetterauf- zeichnungen werden.“Burkhard Just, Deutscher Wetterdienst

In beiden Fällen waren menschlicher Leichtsinn oder Unvernunft die Auslöser: Bislang Unbekannte hatten glühend heiße Grillkohle mitten im Nadelwald entsorgt. Durch die dabei entstandenen Feuer wurden bislang zwar nur kleinere Waldbereiche zerstört – am Montag waren es vier, beim ersten Brand rund 20 Quadratmeter. Doch jedesmal hatten die Beteiligten Glück im Unglück, weil die Feuer relativ schnell entdeckt wurden. Am Montag waren es zwei Urlauberinnen, die durch den Wald spazierten und die brennende Kiefer sowie das in Flammen stehende Unterholz bemerkten. „Von der Straße aus hat man das überhaupt nicht gesehen“, erinnert sich Steinfurth an die Suche nach dem Brandort. Er und seine Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Breege hatten mit den Spaziergängerinnen letztlich noch direkt telefoniert und sie gebeten, sich an der Straße zu postieren, „damit wir überhaupt wussten, auf welcher Höhe sich der Einsatzort befindet“, so der Wehrführer. Solange es sich um einen kleinen Brand handle, sei der mitten im Wald schwer zu lokalisieren. „Wir haben das Feuer dann schnell unter Kontrolle gebracht“, erinnert er sich. Bei dem vorherigen Einsatz in der Schaabe war eine größere Fläche in Brand geraten. Dabei wurden nach Angaben der zuständigen Revierförsterin Saskia Verton mehrere Kiefern in Mitleidenschaft gezogen. Gemunkelt wird, dass illegale Camper im Wald ein Feuer entzündeten oder grillten. Der Grill soll dann umgekippt sein.

Angesichts der Unvernunft und Dreistigkeist einiger Zeitgenossen sind Saskia Verton und Jens Steinfurth fassungslos. Dass man in einem solchen Waldgebiet wie der Schaabe, wo Nadelbäume auf trockenem Sandboden wachsen und es seit Wochen nicht geregnet hat, überhaupt mit offenem Feuer hantiert, ist für beide ein Unding.

Auf Wittow hat es seit Wochen nicht geregnet. „Den letzten nennenswerten Niederschlag haben wir am Kap Arkona am 4. September gemessen“, sagt Burkhard Just von der dortigen Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes. 7,1 Liter Regen fielen an diesem Tag pro Quadratmeter, in Putbus waren es lediglich 4,5 Liter. Der September, so der Wetterbeobachter, sei wirklich sehr trocken gewesen – und dazu sehr warm. Die Temperaturen hätten sich auf dem sommerlichen Niveau der Monate Juli und August bewegt. Außerdem schien die Sonne überdurchschnittlich oft. „So wie es aussieht, könnte das der trockenste und wärmste September seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen werden“, sagte Just gestern kurz vor dem Monatsende.

Dennoch gilt in der Schaabe wie auf ganz Rügen die niedrigste Waldbrandgefahrenstufe 1. Die, sagt Dieter Weiß vom Forstamt Rügen, werde nach verschiedenen Faktoren berechnet. Neben der Temperatur spielen Niederschlag, Windgeschwindigkeit, Luftfeuchte und Vegetation eine Rolle. Außerdem werden die Gebiete nach so genannten Gefahrenklassen beurteilt. Bei Rügen geht man wegen des hohen Laubbaumanteils allgemein von einer geringen Gefährdung aus. Mit dem Beginn des Herbstes werde meist ganz auf das Ausrufen von Waldbrandwarnstufen durch das zuständige Leitforstamt in Poggendorf verzichtet – weil man von niedrigen Temperaturen und zunehmenden Niederschlägen ausgeht.

In der Regel gilt eine Waldbrandwarnstufe für sämtliche Wälder, die im Einzugsbereich des Leitforstamtes liegen. Im Falle Poggendorf reicht der von Rügen über die Nationalparke und Biospährenreservate der Region bis nach Jägerhof und Schuenhagen. Natürlich sei der Bereich sehr groß und sie Situation unterschiedlich, weiß die im Poggendorfer Forstamt zuständige Mitarbeiterin Corinna Abraham. Wenn es auf dem Darß beispielsweise längere Zeit nicht geregnet habe, sei das Risiko im dortigen Nadelwaldbestand natürlich größer als in einer regenreicheren Laubwaldregion. Auf Bitten des jeweils zuständigen Forstamtes lege man deshalb unabhängig von den anderen Regionen für bestimmte Bereiche andere Waldbrandwarnstufen fest. Das wäre auch für Rügen möglich, wenn die Brandgefahr bei Trockenheit und Wärme in den Wäldern der Insel steigt.

Unabhängig von der Waldbrandwarnstufe: „Im Wald oder am Waldrand darf man überhaupt kein Feuer anzünden!“, verweist Saskia Verton auf den Paragrafen 4 der Verordnung zur Verhütung und Bekämpfung von Waldbränden“. Doch es passiere immer wieder, winken die Revierförsterin und der Breeger Wehrführer entnervt ab. Gerade erst mussten sie einen Autofahrer auf einem der Parkplätze an der Schaabe ermahnen, der dort eine Pause eingelegt hatte und sich Kaffeewasser auf einem Kocher zubereiten wollte. Und auch auf den zahllosen Ferienparzellen im Küstenwald am Bakenberg gehörten offene Feuer zum Alltag. „Es grenzt an ein Wunder, dass dort noch nichts Ernstes passiert ist.“

Brandgefahr in Wäldern nach Klassen und Stufen unterteilt

5 Waldbrandgefahrenstufen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Sie reichen von der Warnstufe 1 (sehr geringe Gefahr) bis zur Gefahrenstufe 5 (sehr hohe Gefahr). Ab der Stufe 4 können die Forstbehörden in Abstimmung mit den Landräten das Betreten der Wälder untersagen. Außerdem werden die Wälder je nach Klima und Bewuchs in Waldbrandgefahrenklassen eingeteilt. Rügens Waldgebiete rangieren in der niedrigsten Kategorie C; hier geht man prinzipiell von einer geringen Brandgefahr aus. Die höchste Warnstufe ist hier die 4.

Aktuell gilt nahezu im gesamten Vorpommern die Gefahrenstufe 1, an der mecklenburgischen Küste die Stufe 2 und im Süden des Landes die Stufe 3.

Grundsätzlich gilt, dass Feuermachen im Wald oder weniger als 50 Meter entfernt verboten ist.

Maik Trettin

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