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Stralsund 23 tote Robben in der Ostsee: Wurden sie ertränkt?
Vorpommern Stralsund 23 tote Robben in der Ostsee: Wurden sie ertränkt?
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14:03 17.01.2018
Zwischen September und Dezember wurden in einem Umkreis von etwa 5 Kilometer an der Nordküste des Greifswalder Boddens 23 tote Kegelrobben gefunden. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Stralsund

Das mysteriöse Sterben von Kegelrobben im Greifswalder Bodden beschäftigt die Ermittlungsbehörden. Nach einer Anzeige des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund ermittelt die Staatsanwaltschaft Stralsund. „Wir gehen Hinweisen nach, denen zufolge die Tiere eines nichtnatürlichen Todes gestorben sind“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Cloppenburg. Ermittelt werde wegen des möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz.

Zwischen September und Dezember wurden in einem Umkreis von etwa 5 Kilometer an der Nordküste des Greifswalder Boddens 23 tote Kegelrobben gefunden. Bei rund 100 in den vorpommerschen Boddengewässern lebenden Tieren ist das knapp ein Viertel des Bestandes.  Das Meeresmuseum erstattete Strafanzeige wegen Tötung einer besonders geschützten Art gegen Unbekannt, wie der Chef des Meeresmusuems, Harald Benke, auf Nachfrage bestätigte. Die Staatsanwaltschaft betont, in alle Richtungen zu ermitteln, hat offenbar aber bereits mutmaßliche Verursacher im Blick. „Es gibt Tatverdächtige im Sinne eines Anfangsverdachtes.“

Der gute Erhaltungszustand der Kadaver hatte Naturschützer und  Forscher des Meeresmuseums skeptisch gemacht. „Im Gegensatz zu den üblichen Robben-Funden hatten die Tiere keine oder nur minimalste Verwesungspuren“, sagte der Kurator für Meeressäuger, Michael Dähne. Anschließende Labor-Untersuchungen hätten ergeben, dass die äußerlich unversehrten Tiere weder an Viren, Bakterien oder Giften verendet waren. Nach der Ausschlussmethode komme nur ein akutes Herz-Kreislaufversagen in Betracht, vermutlich verursacht durch Ertrinken, sagte Dähne. Als Meeressäuger müssen die Robben zum Atmen immer wieder an die Wasseroberfläche.

Dass die Robben, die naturgemäß als versierte Schwimmer gelten, ertrinken, kommt gelegentlich vor – beispielsweise in nach oben geschlossenen Reusen, sagte Dähne. Dass so viele Tiere nahezu zeitgleich diesen eher seltenen Kegelrobben-Tod sterben, sei „ungewöhnlich“. Ertrinken oder Ertränken? Welchen Spuren die Staatsanwaltschaft konkret nachgeht, ließ Cloppenburg offen. „Wir wollen die Ermittlungen nicht gefährden“, sagte er.

Als größte Kritiker der Kegelrobben, die sich seit etwa 15 Jahren in wachsender Population den Gewässern um Rügen und im Greifswalder Bodden tummeln, gehören die Fischer. Sie machen die Meeressäuger für den Rückgang der Heringsfänge im Greifswalder Bodden mitverantwortlich. „Die Robben jagen in die Schwärme hinein und treiben die Fische auseinander“, sagte der  Vize-Chef des Landesverbandes  der Kutter- und Küstenfischer, Michael Schütt. Damit landeten weniger Fängen in den Stellnetzen. Dass Fischer aber mutwillig Robben in Reusen lockten, um sie zu töten, halte er für abwegig, betonte Schütt.

Martina Rathke

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