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Stralsund Gute-Nacht-Geschichte im Kita-Bettchen
Vorpommern Stralsund Gute-Nacht-Geschichte im Kita-Bettchen
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10:03 07.11.2018
24-Stunden-Kita in Stralsund: Sybille Schmid liest dem kleinen Moritz eine Gute-Nacht-Geschichte vor. Quelle: Ines Sommer
Stralsund

“Hurraaaaaaa“, rufen Moritz und Tomy aus voller Brust, nehmen ordentlich Anlauf, springen ab – und landen in einem großen Laubhaufen. Nur noch mit Kopf und Brust gucken sie raus aus dem gelb-rot-braunen Blättermeer. Und schwupps, schon sind auch Oskar, Lukas und Charlotte zur Stelle und lassen das bunte Laub durch die Lüfte wirbeln. Sie scheinen es zu genießen, dass sie den Hof ganz für sich alleine haben, jetzt um 17.30 Uhr.

Alle anderen Mädchen und Jungen der „Kindervilla Schatzkiste“ wurden schon abgeholt. Doch die fünf Knirpse dürfen bleiben, denn ihre Eltern arbeiten noch. Und deshalb haben sie für ihre Kinder einen Platz in der Einrichtung des Vereins Lebensräume in Stralsund ergattert. Im Park hinter dem Klinikum befindet sich einzige 24-Stunden-Kita in ganz Vorpommern-Rügen. Sie hat eigentlich nur 48 Plätze, doch mit Ausnahme-Genehmigung sind es zurzeit ein paar mehr. Betreut werden die Kinder von neun Erzieherinnen, und das wenn nötig von Montag bis Sonntag. Allerdings dürfen die Eltern eine Betreuungszeit von 50 Stunden im Monat nicht überschreiten.

24-Stunden-Kita in Stralsund: Moritz (l. ) und Tomy toben im Laub. Quelle: Ines Sommer

Kita-Platz ist wie ein Sechser im Lotto

„Dieser Kita-Platz ist für mich wie ein Sechser im Lotto“, sagt Gundula Frehde-Kunze. Die junge Mutter zog erst kürzlich mit ihrem Sohn nach Stralsund. „Ich war so froh, dass mich die Musikschule Vorpommern-Rügen fest eingestellt hat. Das ist ein totales Glück. Aber das heißt eben, dass ich sowohl nach Ribnitz als auch nach Grimmen oder Bergen zu meinen Schülern pendeln muss. Hinzu kommen Konzerte.“ Die Arbeit macht ihr Spaß, aber sie musste eine gute Betreuung für Lukas finden. „Die 24-Stunden-Kita machte es überhaupt erst möglich, dass ich den Job als Musikschullehrerin annehmen konnte.“

Meistens kommt Lukas so gegen 10.30 Uhr in die Kita und bleibt dann bis zum Abendbrot. „Wenn ich abends ein Konzert habe, schläft er auch mal in der Einrichtung. Nur so kann ich arbeiten gehen, sonst müsste ich Hartz IV beantragen“. Deshalb ist Gundula Frehde-Kunze auch so dankbar, dass sie den Kita-Platz bekommen hat. „Ich bin sehr zufrieden hier, es ist eine ganz familiäre Atmosphäre, nie ist irgendeiner gestresst. Ganz im Gegenteil, die Erzieher sind immer für einen da.“

Die 24-Stunden-Kita trägt den Namen „Kindervilla Schatzkiste“. Quelle: Ines Sommer

Und Kita-Leiterin Fanny Jeschke ergänzt: „Genau für diese Familien gilt unser Angebot, eben für Eltern, die keine geregelten Arbeitszeiten haben.“ Der Bedarf sei groß, so die Chefin des Hauses, das vor gut drei Jahren eröffnet wurde. „Mittlerweile haben wir uns eingespielt, wissen, was die Kinder brauchen.“ Viele Eltern nutzen das Abendbrot-Angebot in der Kita, quasi als verlängerte Öffnungszeit. „Übernachtungen und Wochenend-Betreuungen haben wir nur wenige im Monat. Die Eltern müssen uns dazu auch ihren Dienstplan vorlegen. Es geht also nicht darum, dass Kind bei uns zu deponieren, wenn Mutti bis spät in die Nacht in die Disko gehen will...“

Den Kita-Hof mal ganz für sich allein haben

Die munteren Laufspringer sind langsam k.o. Ein letztes Mal harken sie den Haufen zusammen, dann heißt es: „Kinder, einräumen bitte, wir wollen reingehen und das Abendbrot vorbereiten.“ Sybille Schmid sammelt die Harken ein und checkt den Spielplatz. Alles aufgeräumt. Nun bringt die Erzieherin die kleine Rasselbande in die Garderobe, wo Oskar, Moritz , Tomy und Lukas erst mal über Kastanien und Stein fachsimpeln. Natürlich wird alles in eine Tüte gesteckt – für Mutti, die sich natürlich über die täglichen Schätze freuen wird...

Nachdem das Händewaschen ohne größere Überschwemmungen über die Bühne gegangen ist, marschieren die Drei- bis Fünfjährigen mit ihrer Sybille in die Küche. „Ja, Kinder, erst mal müssen wir den Spüler ausräumen...“, hat sie noch nicht mal zu Ende gesprochen, da verstauen fleißige Hände schon das gesamte Geschirr. Und die wissen genau, wo die roten Becher oder die gelben Teller hingehören.

Gemeinsames Abendbrotist ein Muss

Ein paar Minuten später sitzen alle gemütlich am selbst gedeckten Tisch. Sybille Schmid schneidet für die kleine Charlotte das Gemüse, Stulle ist heute nicht so ihr Ding, dafür haut sie rein bei den Tomaten. „Ich kann das schon alleine“, sagt der vierjährige Oskar und zeigt uns, wie er mit dem Plastemesser die Tomate teilt. Tomy, drei Jahre alt, greift sich eine Scheibe Brot und quält sich etwas mit der Butter. Dankbar nimmt er die Hilfe der Erzieherin an, die seine Hand mit dem Messer führt. Knäcke und Körnerbrot mit Wurst und Käse machen sich die Kinder heute. Besonders beliebt dazu sind Gurken und Tomaten. Das Schöne: Alle lassen sich viel Zeit beim Essen, niemand drängelt. Und als Besucher in der Runde staunt man, wie selbstständig die Jungs schon sind.

Gemeinsames Abendbrot in der 24-Stunden-Kita in Stralsund.

Es ist kurz vor 19 Uhr, da schneien die ersten Eltern zur Tür rein. Natürlich ist es erst mal vorbei mit der Ruhe, es wird geherzt und erzählt. In den nächsten Minuten leert sich das Kinderrestaurant der „Schatzkiste“, denn Oskar, Charlotte, Lukas und Tomy werden nach dem Abendbrot abgeholt. Sie haben ihren Arbeitstag ebenso geschafft wie ihre Eltern. Nur Moritz sitzt noch am Tisch. Er hat es nicht eilig, denn er bleibt heute über Nacht. „Zweimal im Monat haben ich nachts Bereitschaft, da bin ich froh, dasss Moritz in der Kita umsorgt wird“, sagt Maria Voß. Die 33-Jährige ist Röntgenassistentin im Klinikum, der Mann arbeitet bei der Marine und ist viel unterwegs. „Natürlich hat man als Mutter immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Gerade abends muss ich dann viel an ihn denken. Aber mit der ,Schatzkiste’ haben wir ein kleines familiäres Haus gefunden“, sagt die Stralsunderin und schiebt hinterher: „Die Erzieher in der Kita versuchen, beim Einschlafen alles so zu machen wie zu Hause. Das finde ich toll.“ Und deshalb hat Familie Voß auch den voll gepackten Rucksack dabei –mit Schlafanzug, Schnuffeltuch, zwei Kuscheltieren und Geschichtenbuch.

Maria Voß hat für Moritz den Übernachtungs-Rucksack gepackt. Quelle: Ines Sommer

Kleine Nachtwanderungvor dem Schlafengehen

Erzieherin Sybille zwinkert Moritz zu: „Hilfst du mir, die Mülltonnen rauszustellen?“ Der Junge nickt. Stolz wie Bolle geht er der Erzieherin zur Hand, rollt die Tonnen. Und dann hat die erfahrene Erzieherin noch eine Überraschung: „Wir machen noch einen kleinen Spaziergang, wollen wir durch den Park oder zum Strand?“ Moritz will zum Strand, und schon geht es um das Krankenhaus herum durch raschelndes Laub auf den Strandweg. Über Stock und Stein flitzt Moritz, hält an, wenn er etwas entdeckt hat. Der Dreieinhalb-Jährige genießt die kleine Nachtwanderung, ein Privileg, das Sybille Schmid gern den Übernachtungskindern zugesteht.

Sybille Schmid liest Moritz aus seinem Lieblingsbuch vor. Quelle: Ines Sommer

Die 51-Jährige, die einst aus Stuttgart an den Sund kam, arbeitet seit 2015 in der 24-Stunden-Kita. Und auch als Besucher in der vertrauten Kita-Runde merkt man schnell – diese Erzieherin liebt und lebt ihren Beruf. Kleine Heimweh-Situationen, die jedes Kind mal hat, überspielt sie gekonnt mit Aktionen. „Bis jetzt habe ich die Kinder immer zum Schlafen bekommen“, sagt sie und hat den bettfertigen Moritz mit Plüschtieren und Schuffeltuch auf der Schlafmatratze eingekuschelt. Der Kleine weiß, jetzt kommt das Schönste: Sybille liest nur für ihn die Gute-Nacht-Geschichte. Geschafft von einem langen Tag schläft er schließlich ein –und die Erzieherin wacht gleich nebenan.

Ines Sommer

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