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Stralsund 300 Strafbefehle gegen Autobesitzer
Vorpommern Stralsund 300 Strafbefehle gegen Autobesitzer
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00:06 26.01.2018
Wer sich nicht meldet, muss mit der Stilllegung seines Fahrzeuges rechnen. Olaf Manzke Sprecher des Landkreises Vorpommern-Rügen

Circa 300 Strafbefehle sind in den vergangenen acht Wochen von zwei Richtern der Stralsunder Amtsgerichtsaußenstelle in Bergen bearbeitet worden. Alle hatten Versicherungsbetrug zum Inhalt. Und wer in dieser Zeit auf Rügen von den Strafbehörden Post bekam, muss eine Summe berappen, die zwischen 1500 und 2250 Euro liegt.

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Über drei Jahre Knast für Autohausbesitzer wegen Betrugs / Viele Rüganer Mittäter ermittelt – und die bekommen nun richtig Ärger

Bei den Delinquenten handelt es sich um Fahrzeughalter, die ihre Autos zwischen 2010 und 2015 in dem Sehlener Autohaus „Chip4Power“ einem so genannten Chiptuning unterzogen und dieses „Aufbrezeln“

bei ihrer jeweiligen Versicherung als Reparaturleistung abrechneten. Drahtzieher des Ganzen: Autohausbetreiber Björn Marquardt. Der 37-Jährige war im September des vergangenen Jahres wegen Betrugs in 280 Fällen, Beihilfe zum Betrug in zwei Fällen sowie versuchten Betrugs und falscher Verdächtigung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Die durch den Betrug erlangte Summe in Höhe von rund 200000 Euro wurde eingezogen.

Aufgeflogen waren die Machenschaften nach einem anonymen Hinweis an die Concordia Versicherung vom 11. Februar 2015. Darin heißt es unter anderem: „Das Unternehmen ,Chip4Power’ bietet jedem Kunden ein 800 Euro teures Chiptuning an, welches durch einen angeblichen Frontscheibenschaden abgerechnet wird. Dem Kunden entstehen nur geringe Zuzahlungen in Höhe von 200 bis 300 Euro.“ Die anschließenden Ermittlungen bestätigten die Anschuldigung, weshalb gegen Björn Marquardt Anklage erhoben wurde.

„Im Zuge der Ermittlungen kamen die Listen der Fahrzeughalter zutage, die sich alle der Mittäterschaft schuldig gemacht hatten“, sagt ein Rechtsexperte, der namentlich nicht genannt werden möchte.

„Bei jedem Einzelnen musste die Polizei mit großem Aufwand herausfinden, ob eine Frontscheibe ausgewechselt wurde oder eben nicht.“ Die Beamten hätten jedes der betreffenden Fahrzeuge angeschaut und die Signatur der Frontscheibe fotografiert. Darüber hinaus wurden die Rechnungen des Autohauses ebenso zu Rate gezogen wie die Schadensakten der Versicherungen. Auch E-Mail-Korrespondenzen hatten Beweiskraft.

Die Liste der Versicherungsbetrüger (liegt der Redaktion vor) wartet mit illustren Namen auf. Gastronomen finden sich dort ebenso wieder wie Mitarbeiter von Verwaltungen oder Fußballer. Gut zwei Drittel stammen von Rügen, der Rest vor allem aus anderen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns.

Der bereits erwähnte Rechtsexperte erklärte gegenüber der OZ, dass zwei unterschiedliche Strafbefehle erlassen wurden. „Der erste tritt bei einem Geständnis in Kraft“, sagt er. „Dabei handelt es sich dann um 30 Tagessätze à 50 Euro, also 1500 Euro insgesamt. Wer kein Geständnis ablegt bekommt 45 Tagessätze à 50 Euro aufgebrummt, was sich auf 2250 Euro summiert.“

Laut Martin Cloppenburg, Stralsunder Oberstaatsanwalt, gibt es Versicherungsbetrügereien in dieser Form massenhaft. Die Nachweise für solche Verfehlungen zu erbringen, sei ein immenser Aufwand. Neben der Geldstrafe müssten die Betrüger jetzt auch den der Versicherung entstandenen Schaden regulieren. Dies regele allerdings die jeweilige Versicherung. Das Ende der Fahnenstange sei damit aber auch noch nicht erreicht.

Die betreffenden Fahrzeughalter müssen mit weiterem Ärger rechnen. Die Liste der getunten Autos geht nämlich auch an den Landkreis. „Denn nach einem Tuning muss die zuständige Zulassungsbehörde informiert werden“, sagt Landkreissprecher Olaf Manzke. Das sei mit aller Wahrscheinlichkeit nach schon wegen des Versicherungsbetrugs nicht erfolgt. Die Fahrzeughalter würden dann von der Zulassungsstelle aufgefordert, sich mit dem benötigten Gutachten zu melden, um die Betriebserlaubnis auf den aktuellen Stand zu bringen. „Wer sich nicht meldet, muss mit der Stilllegung seines Fahrzeuges rechnen“, sagt Manzke weiter. „Auch droht ihm als Zwangsmittel ein weiteres Bußgeld.“ Schließlich würde das Finanzamt informiert, da steuerrechtliche Fragen geklärt werden müssten, meint Manzke. „Wer sich auch um diese Meldung gedrückt hat, in das Raster aber reingehört, dem droht ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung“, erläutert der Rechtsexperte weiter. „Und am Ende stellen solche Autos, so sie denn nicht von einem Gutachter gecheckt wurden, im Straßenverkehr eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Nur mit Blick auf die Bremsen, die auf eine bestimmte PS-Kraft ausgelegt sind, kann es zu schweren Unfällen kommen.“

Zu den im September 2017 Verurteilten gehört auch der Teschenhagener Kfz-Werkstatt-Betreiber Ingolf Müller. Der 57-Jährige wurde wegen Betruges in 262 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Eingezogen wird bei Müller eine Summe von rund 180000 Euro, die er laut Urteil im Zusammenhang mit den Taten verdient hat.

Während das Urteil gegen Björn Marquardt rechtskräftig ist, steht eine Aussage zu diesem Sachverhalt in Bezug auf Ingolf Müller noch aus.

Jens-Uwe Berndt

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