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543 Fälle von Gewalt in Familien

Stralsund 543 Fälle von Gewalt in Familien

Dreierteam der Interventionsstelle arbeitet an der Belastungsgrenze

Stralsund. 543 Fälle von Gewalt hat das Team der Stralsunder Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking 2016 bearbeitet. Leiterin Hanka Schmidt nennt zum Vergleich Zahlen von 2002, dem ersten Jahr, in dem die Einrichtung am Sund aktiv war: „Damals haben wir in 113 Gewaltfällen geholfen.“ Den Anstieg führt Hanka Schmidt nicht unbedingt auf mehr Gewaltausbrüche hinter den Wohnungstüren zurück: „Wir haben es vielmehr geschafft, die Öffentlichkeit für das Problem zu sensibilisieren. Damit fallen auch Hemmschwellen bei Betroffenen weg, sich uns anzuvertrauen.“ Dazu kommt eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei. „Die Beamten sind besser geschult, wenden sich direkt an uns, wenn sie im Einsatz mit häuslicher Gewalt konfrontiert sind“, sagt Hanka Schmidt.

Dietmar Grotzky, Leiter des Polizeihauptreviers am Sund, kennt einen von den schwierigen Fällen zu diesem Thema. Wie so oft eskalierte die Geschichte, nachdem ein Paar sich getrennt hatte und der Partner das nicht akzeptieren wollte. „Als Polizei machen wir dann zunächst eine so genannte Gefährderansprache, in der wir deutlich machen, dass wir ein Auge auf das Problem haben und mögliche Konsequenzen aufzeigen“, erläutert Grotzky. Doch in dem Punkt hatte der Delinquent ein dickes Fell. Als er seine einstige Partnerin, deren Kind und ihren neuen Freund mit dem Tode bedrohte, stellte die Polizei bei Gericht Antrag auf Langzeitgewahrsam für den Mann. „Bis zu zehn Tage sind möglich. Im Mittelpunkt steht der Gedanke der Gefahrenabwehr“, so der Revierleiter. Ein Richter wies den Mann kurz vor Silvester 2016 für acht Tage in die JVA Bützow ein.

Als der Mann danach trotz Näherungsverbots nochmals versuchte, Kontakt aufzunehmen, war die Polizei zur Stelle. „Nachdem wir sein Handy sichergestellt hatten, war Ruhe“, so Grotzky und lässt keinen Zweifel daran, dass sich der Langzeitgewahrsam wiederholen lässt.

Für Hanka Schmidt zeigt sich an diesem Fall, dass oft Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sind. „Unter den 543 Fällen des letzten Jahres hatten wir 74 Männer“, sagt sie und weist darauf hin, dass diese nicht unbedingt unter ihrer Partnerin zu leiden hatten, sondern die Gewalt unter männlichen Familienmitgliedern, etwa zwischen Vater und Sohn eskalierte.

„Wir versuchen zeitnah zu reagieren, wenn uns ein Gewaltfall durch Polizei oder aus dem Umfeld der Betroffenen bekannt wird“, berichtet die Chefin der Interventionsstelle. Dann geht sie mit ihren Mitstreitern auf die Betroffenen zu, bietet Hilfe an. Diese wird nur in drei Prozent aller Fälle ausgeschlagen. Alle anderen bekommen Hilfe über Angebote, die auf das Problem zugeschnitten sind. So etwa Hinweise zur rechtlichen Beratung durch Anwälte, praktische Maßnahmen, wie die Unterbringung im Frauenschutzhaus, auch für finanzielle Probleme findet sich Hilfe, etwa durch die Schuldnerberatung.

„Dafür ist unsere Beratungsstelle multiprofessionell aufgestellt“, sagt Hanka Schmidt. Sie selbst ist Diplom-Sozialpädagogin und Fachberaterin für Psychotraumatologie. Zum Team gehören Ann-Kathrin Lipinski, eine Volljuristin sowie mit Stephanie Elze eine Diplom-Sozialpädagogin mit dem Fokus auf Kinder- und Jugendlichen-Therapie.

Ihr gewachsenes Aufgabenfeld bewältigt die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt in Stralsund seit Gründung im Dezember 2001 mit der selben personellen und finanziellen Ausstattung. „Das Land fördert die Einrichtung nur pauschal. 2005 wurden die Zuwendungen eingefroren. Die Förderung der Personalkosten ist seither nur einmal um 5,3 Prozent angehoben worden“, so Hanka Schmidt, die mit ihrem Team seit langem auf eine tarifliche Entlohnung verzichten muss. „Und das in einem Bundesland, in dem Ministerpräsident Sellering in seiner Neujahrsansprache Unternehmen im Land zu tariflicher Entlohnung auffordert.“

Hilfe wird auch bei Stalking geleistet

Jede vierte Frau in Deutschland hat nach einer Studie mindestens einmal durch ihren aktuellen oder früheren Partner Gewalt erfahren.

37 Fälle von Stalking, dieser speziellen Form von Verfolgung, Belästigung und Psychoterror, hat die Interventionsstelle 2016 begleitet.

Träger der Interventionsstelle ist der Rostocker Verein „Frauen helfen Frauen“. Kontakt gibt es unter ☎ 03831/307750 oder per E-mail:interventionsstelle.stralsund@fhf-rostock.de.

Info: www.fhf-rostock.de

Jörg Mattern

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