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Stralsund 60 Prozent der Eltern können Kita-Platz nicht bezahlen
Vorpommern Stralsund 60 Prozent der Eltern können Kita-Platz nicht bezahlen
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00:00 19.10.2017
14 000 Mädchen und Jungen werden in Vorpommern-Rügen in einer Kita oder bei einer Tagesmutti betreut. Doch weit über die Hälfte der Eltern können sich den Platz gar nicht oder nur zum Teil leisten, deshalb muss der Kreis einspringen. Quelle: Foto: Johannes Eisele
Stralsund

Die Kindertagesstätten in Vorpommern-Rügen sind rappelvoll. Und doch können 60 Prozent der Eltern den Platz in Krippe, Kindergarten und Hort oder auch in der Tagespflege gar nicht oder nur teilweise aus eigener Tasche bezahlen. In diesen Fällen springt der Kreis ein und zahlt dafür jährlich über fünf Millionen Euro – Tendenz steigend.

14526 Mädchen und Jungen werden von Rügen bis Ribnitz täglich in 166 Kitas und von 161 Tagesmüttern und -vätern betreut. Für 4700 Kinder übernimmt der Landkreis komplett die Platzkosten. Kein Wunder – lebt doch ein Viertel aller Kinder in Vorpommern-Rügen in einer HartzIV-Familie (die OZ berichtete). Dazu kommen jene Mütter und Väter, denen zumindest ein Kita-Zuschuss überwiesen wird, weil der Verdienst nicht ausreicht, um die Betreuung der Lütten abzudecken. Ohne Kita-Platz müssten sie jedoch auf den Arbeitsplatz verzichten...

Am meisten sind die Eltern in der Tagespflege auf Hilfe angewiesen – 36 Prozent von ihnen können den Platz nicht allein bezahlen. Im Kindergarten sind 34, in der Krippe 32 Prozent der Familien auf Hilfe vom Staat angewiesen. Im Hort sind es 25 Prozent.

Doch nicht nur bei der Bezahlung des Kita-Platzes hapert es in vielen Familien – sie können sich meist auch das Essengeld in Kindergarten und Schule nicht leisten. Auch hier springt der Staat ein.

„Wir geben jährlich rund 1,3 Millionen Euro dafür aus, damit die Kinder ihr Essen bekommen“, sagt Jugendamtsleiterin Dörte Heinrich im Jugendhilfeausschuss des Kreises und erklärt, dass man dafür vom Land 900000 Euro Zuweisung bekomme, den Rest muss der Landkreis berappen. Im Durchschnitt kostet die Vollverpflegung in der Tagespflege 3,52 und in der Kita 4,28 Euro pro Tag.

Das Land hat diese prekäre Situation erkannt und zahlt so genannte Elternentlastungsbeträge. Bisher gab es da 40 Euro für die Tagespflege, 100 Euro in der Krippe und 80 Euro für ein Vorschulkind.

Geld, das den Eltern, die ihren Platz selbst zahlen, direkt zugutekommt. „Wir zahlen das Geld quartalsweise über die Kita und die Tagespflege aus. Im Moment kommen 3400 Familien in den Genuss dieser Entlastung“, so Jugendamtsleiterin Dörte Heinrich. Die Zahl wird steigen, denn das Land will nun auch die Lütten im Alter von drei Jahren bis an das Vorschulalter heran mit einem Zuschuss unterstützen. Das Gesetz soll demnächst verabschiedet werden. Und so können sich Mütter und Väter mit Kindern in einem Alter zwischen zwei und 5/6 Jahren dann auch auf eine Finanzspritze freuen: 25 Euro pro Monat in der Tagespflege, 50 Euro fürs Kita-Kind.

Bedenkt man den enormen Verwaltungsaufwand für all die Förderungen (Kita-Platz, Vorschule, mittelbare pädagogische Arbeit, Elternentlastung), ist verständlich, dass viele Kommunalpolitiker einen kostenlosen Kita-Platz für alle fordern. „Das kostet natürlich zunächst mehr Geld, aber das spart man dafür in den Verwaltungen von Land und Kreis ein. Die frei werdenden Mitarbeiter-Kapazitäten könnten dann andere Bereiche verstärken. Unterm Strich plus minus Null“, sagt ein Mitglied des Jugendhilfeausschusses.

Betreuungskosten: Jeden Monat zwischen 94 und 304 Euro

166 Kitas und 161 Tagespflegepersonen betreuen zurzeit 14 526 Mädchen und Jungen im Kreis.

458 Euro kostet ein Platz in der Tagespflege, in der Krippe sind es 894 Euro, im Kindergarten 473 und im Hort 259 Euro. Das sind Gesamtkosten pro Platz pro Monat. Land, Kreis, Wohnsitzgemeinde und Eltern teilen sich die Kosten für den Betreuungsplatz. Die Kosten variieren, weil die Träger ihr Personal unterschiedlich bezahlen, aber auch Miete und Betriebskosten können schwanken.

34 Prozent der Krippenkosten zum Beispiel bleiben bei den Eltern hängen. Das sind bei durchschnittlichen Gesamtkosten von 894 Euro immerhin 304 Euro. Die gleiche Summe zahlt die Wohnsitzgemeinde. 222 Euro (25 Prozent) kommen vom Land, der Kreis gibt mit 64 Euro 7 Prozent dazu.

Für den Kindergartenplatz müssen Eltern im Schnitt in Vorpommern-Rügen 162 Euro, im Hort 94 Euro und in der Tagespflege 164 Euro pro Monat berappen. Manche Träger haben Sonderkonditionen für Geschwisterkinder.

Ines Sommer

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