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Stralsund A-20-Loch: Lag es am Damm?
Vorpommern Stralsund A-20-Loch: Lag es am Damm?
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19:32 19.10.2017
1000 Kubikmeter Sand sind an der A20 abgerutscht. Quelle: Frank Hormann/nordlicht
Tribsees/Rostock

Die Autobahn-Projektgesellschaft Deges wehrt sich gegen Pfusch-Vorwürfe beim Bau der A 20. Das beim jetzt abgebrochenen Teilstück bei Tribsees verwendete Verfahren sei zwar neu gewesen, aber ausgiebig getestet und von den Behörden abgenommen worden, betonte Andreas Irngartinger, Bereichsleiter der Deges für Nordostdeutschland, am Mittwoch im Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG.

Um die A 20 über das Moor führen zu können, waren damals zahlreiche Löcher gebohrt und mit Zement und Sand verfüllt worden. Das Wasser zum Abbinden sollte die Masse aus dem feuchten Boden ziehen, so dass sich feste Säulen bilden. „Dieses Verfahren haben wir in einem Testfeld vor Ort geprüft und auch während der Bauphase gingen die Tests weiter“, betonte Irngartinger. Diese hätten keine Beanstandungen ergeben.

Irngartinger ging auch auf die unterschiedlichen Werte für die Durchmesser der Säulen ein, die in den letzten Tagen durch die Medien gegangen waren. Auch die OZ hatte berichtet, dass von der Deges einerseits von 15 Zentimetern, aber an anderer Stelle von 18 bis 22 Zentimetern gesprochen wurde. Dies sei nur ein scheinbarer Widerspruch, sagte Irngartinger: „Die 15 Zentimeter sind der vorgesehene Mindestdurchmesser. Gebaut wurden die Säulen dann mit Durchmessern von bis zu 22 Zentimetern.“ Die unterschiedlichen Zahlen seien der Deges zuvor nicht aufgefallen. Zur Klarstellung sei dies am 14. Oktober nachträglich in die Baudokumentation eingefügt worden. Vorwürfe der Manipulation wies Irngartinger in diesem Zusammenhang zurück.

Auch die Kritik, beim Bau der A 20 sei möglicherweise zu sehr gespart worden, sei unberechtigt, so Irngartinger: „Wir sind gehalten sparsam zu bauen, das erwartet der Steuerzahler von uns. Aber wir machen auf keinen Fall Abstriche bei Sicherheit und Qualität.“

Die Deges sei wie das zuständige Landesamt für Straßenbau MV daran interessiert, herauszufinden, wie es zu dem Schaden kommen konnte. „Aber nicht, um einen Schuldigen zu finden “, sagte Irngartinger. „Die Schuldfrage hilft wenig bei der Bewältigung der aktuellen Situation.“ Die zentrale Frage sei vielmehr, was der Abbruch für die restlichen 800 Meter der A 20, die auf diesen Trockenmörtelsäulen liegen, bedeute. Auch für künftige Projekte sei das wichtig. Derzeit werde das Verfahren jedoch bei keiner anderen Autobahn eingesetzt. „Dies ist aber kein Hinweis darauf, dass es nicht zuverlässig ist“, betonte Irngartinger.

Zudem sei noch gar nicht bewiesen, ob die Säulen der Grund für den Schaden seien, so der Bereichsleiter. Denkbar sei auch, dass es am Damm gelegen habe, der in den letzten Tagen immer weiter weggebrochen war und einen Teil der Fahrbahn mitriss. Für seinen Bau sei Sand mit Zement versetzt worden, erklärte Irngartinger. „Eigentlich ist das so fest wie Mauerstein.“ Daher werde auch die Tragfähigkeit des Damms geprüft. „Ich glaube, am Ende werden wir eine nachvollziehbare Erklärung dafür haben, was passiert ist.“

Rund tausend Kubikmeter Baumaterial sind inzwischen zur Seite abgerutscht oder im Boden versunken. Das Ausmaß des Schadens habe auch ihn überrascht, räumte Irngartinger ein. „Das ist schon ein ganz schön großes Loch. Dass mal eine Böschung abrutscht, sieht man öfter, aber der Abbruch der A 20 ist außergewöhnlich.“

IHK will schnelle Lösung

Ostern 2018 soll die Behelfsbrücke über das Loch in der A 20 fertig sein. Das forderte am Mittwoch die IHK Rostock. In einem Brief an Bundes- und Landespolitiker hieß es: „Mit der Sperrung der A 20 ist eine äußerst dramatische Situation entstanden.“ Betroffen seien Logistiker, Pendler, die Hinterlandanbindung der Häfen, Gewerbestandorte und Tourismusregionen. Spätestens bis zum Beginn der nächsten Urlaubssaison müsse daher die A 20 wieder befahrbar sein.

Axel Büssem

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