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Stralsund Abgezockt: Rentnerin überweist knapp 10 000 Euro in die Türkei
Vorpommern Stralsund Abgezockt: Rentnerin überweist knapp 10 000 Euro in die Türkei
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00:00 02.04.2014
Die Angst von Älteren wird als Druckmittel benutzt.“Sybille Benecke, Verbraucherschützerin
Stralsund

Angst und Panik sitzen der Seniorin tief im Nacken. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf — so wird es ihr zumindest am Telefon weis gemacht — ermittelt gegen sie. Wegen eines viele Jahre zurückliegenden Gewinnspiels, an dem sie teilgenommen hat. Das habe sie bis heute nicht gekündigt, wird der Frau, die Anfang 80 ist, vorgeworfen. Und nun hätten sich horrende Summen an Schulden angehäuft. Immens hohe Forderungen.

Die Daten seien in der Türkei gespeichert. Die Kripo hätte sich bereits eingeschaltet. Ja, und wenn sie das nicht sofort begleiche, dann bliebe wohl nur eine Verurteilung, Gefängnis, das könne sie sich ja wohl selbst ausrechnen.

Die Frau ist ratlos. Wütend zugleich auf sich selbst. Ist wohl ihre Schuld. Ja, sie hat irgendwann mal gespielt, und wohl nicht gekündigt. Anvertrauen mag sie sich niemandem. Außerdem soll ja alles möglichst schnell gehen. Die Rede ist von Schadensersatzforderungen in Höhe von 24 000 Euro. Die Frau zahlt. Um Schlimmeres abzuwenden, wie sie hofft.

In vier Raten überweist sie von Mitte Februar bis Anfang März über die Postbank Geld in die Türkei: 2600 Euro beim ersten Mal, dann sind es 1550 Euro, schließlich noch einmal 2000 Euro und zur Krönung 3250 Euro. Macht summa summarum 9400 Euro.

Erst, als es Ende März hieß, eine letzte Akte sei noch offen, und wenn sie nun noch einmal 1600 zahlt, hätte sie Ruhe, sucht die Frau Hilfe in der Verbraucherzentrale. Zu dem Zeitpunkt war das Konto nämlich bereits nicht mehr gedeckt.

Sybille Benecke öffnet der geprellten Seniorin die Augen. Keinen Cent hätte sie zahlen müssen, und es hätte sie auch niemand belangen können. „Alles Lug und Trug. Das ist eine ganz miese Masche, in der die Angst von Älteren als Druckmittel benutzt wird“, sagt die Verbraucherschützerin und kann nur raten, am besten sofort aufzulegen. Kindern und Familienangehörigen rät sie, Ältere eindringlich zu warnen vor solchen Trickbetrügern. Keine Staatsanwaltschaft der Welt würde per Telefon verlangen, dass sie Geld zahlt.

„Es funktioniert leider immer wieder, dass Senioren auf diese Weise verunsichert werden und am Ende machen, was man von ihnen verlangt“, meint Sybille Benecke. „Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.“ Waren es früher schriftliche Gewinnversprechen, auf die viele Leute reinfielen, reiten die Betrüger jetzt auf der Welle der Drohungen. Sie malen die schlimmsten Horrorszenarien an die Wand, falls die Betroffenen sich nicht darauf einlassen würden, die völlig aus der Luft gegriffenen offenen Rechnungen zu begleichen.

Sybille Benecke nennt ein weiteres Beispiel: Eine über 70-jährige Stralsunderin wurde von einem vermeintlichen Berliner Inkasso-Büro am Telefon belästigt. Ebenfalls wegen eines angeblich nicht gekündigten Gewinnspiels. Die Forderungen sollten sich auf 2350 Euro belaufen — Geld, das die Frau nicht hat. Zum Glück, möchte man in diesem Fall meinen. Denn nur deshalb hatte sie bislang nicht gezahlt und wollte nun von Sybille Benecke wissen, was sie denn nun tun könne. „Finger weg!“, mahnte die Verbraucherschutzexpertin.



Marlies Walther

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