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Stralsund Abschiebung der Viva-Mädels noch nicht vom Tisch
Vorpommern Stralsund Abschiebung der Viva-Mädels noch nicht vom Tisch
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00:01 14.06.2017

Stralsund. Die Mädchen der Viva-Tanzgruppe des SV Medizin und ihre Familien hängen weiterhin in der Luft. Der Asylantrag der Ukrainerinnen wurde abgelehnt – auch vor Gericht zogen sie den Kürzeren. Bleibt nur die Duldung, und die ermöglicht ihnen jetzt zumindest, dass sie vorerst in Stralsund bleiben können. Doch gegen die drohende Abschiebung regt sich nun auch Widerstand in der Politik.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Stralsunder Rechtsanwältin Sonja Steffen, die die ukrainischen Familien vor Gericht vertritt, sagte der OZ: „Ich bleibe dabei, die Ausländerbehörde des Kreises hat hier Entscheidungsspielraum – auch wenn der Landrat das anders sagt. Ich finde, jetzt muss das Thema in den Kreistag. Als Antrag mit der Forderung, dass der Landrat sich kümmert.“ Und genau deshalb werden sich die Genossen der SPD-Fraktion jetzt mit dem Fall der Viva-Tanzmädels beschäftigen.

„Wir waren beim Oberbürgermeister Alexander Badrow, auch er hat uns Unterstützung versprochen“, sagt Olga Fot. Sie zeigt auch Briefe von Kerstin Kassner. Die Bundestagsabgeordnete der Linken will sich bei der Härtefall-Kommission dafür einsetzen, dass die Ukrainer Bleiberecht bekommen.

Dies wollen auch all jene, die bei der Eröffnung einer Ausstellung über „Viva“ und traumatisierte Kinder am 9. Juni in der Jakobikirche ihre Unterschrift auf eine Liste setzten. Drei A4-Blätter sind da schon voll geschrieben, sagt Olga Fot. „Das ist gut, aber trotzdem drängt die Zeit“, so die 38-Jährige, die bei der Stralsunder Innovations Consult (SIC) arbeitet.

„Gerade weil Familien mit Kindern betroffen sind, reißt man sie in der Regel nicht sofort raus, sondern ermöglicht den Abschluss des Schuljahres. Aber das sind auch nur noch fünf Wochen.“ Auch junge Leute, die eine Lehre machen, dürften ihre Ausbildung beenden, so die Russin, die vor zwölf Jahren als Spätaussiedlerin nach Vorpommern kam und inzwischen hier mit ihrer Familie lebt. Sie hat vor zwei Jahren die Viva-Tanzgruppe gegründet. „Die Kinder waren traumatisiert, das Tanzen hat ihnen geholfen, das Ganze rauszulassen.“

Doch wegen der drohenden Abschiebung könnte die Gruppe, in der 23 Mädchen und Jungen aus der Ukraine, aber auch aus Tschetschenien, Armenien, Weißrussland, Griechenland und Russland tanzen, auseinanderbrechen. Und obwohl die Situation so ungewiss ist, trainieren die jungen Leute mehrmals die Woche unter Leitung der zweifachen Europameisterin im Show-Dance, Julia Karpowcewa.

Die Auftritte werden ebenso gewissenhaft durchgezogen. Denn die Tänzer haben sich längst einen Namen gemacht, verbinden Ausdruckstanz und Ballett auf höchstem Niveau. Anerkennung sind nicht nur weitere Einladungen, sondern auch jede Menge Urkunden bei Tanz-Wettbewerben.

Ines Sommer

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