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Abschied nach 50 Semestern

Stralsund Abschied nach 50 Semestern

Rudi Wendorf hat 25 Jahre lang die Fachhochschule als Pressesprecher nach außen vertreten / Jetzt geht das Urgestein aus den Anfangstagen der Hochschule in den Ruhestand

Stralsund. Nach 25 Jahren im Dienste der Fachhochschule Stralsund ist heute Nachmittag für Dr. Rudi Wendorf endgültig Feierabend. „Ab morgen gibt es Rente“, sagt der 65-Jährige, der den Stralsundern und vielen Menschen über die Grenzen der Hansestadt hinaus als Pressesprecher der Hochschule bekannt ist. Ein wenig kokettiert Rudi Wendorf auch mit dem Ende seines Arbeitslebens: „Ich habe immerhin 50 Semester an der Fachhochschule hinter mich gebracht, so lange hat hier kein Student ausgehalten.“

 

OZ-Bild

Rudi Wendorf vor seiner langjährigen Wirkungsstätte an der Fachhochschule. Heute geht er mit einem Lächeln in Ruhestand.

Quelle: Jörg Mattern

Mit der Fachhochschule Stralsund haben wir etwas Bleibendes für die Hansestadt geschaffen.“Rudi Wendorf (65), scheidender Presse- sprecher der FH

Zwar wird die Stralsunder Hochschule erst am 1. September offiziell 25 Jahre alt, doch tatsächlich gehört Wendorf zum Urgestein aus Gründungstagen. „Im November 1990 fasste die Bürgerschaft der Hansestadt den Beschluss, eine Fachhochschule zu gründen“, erinnert er sich. Er wurde als Mitglied in den begleitenden Ausschuss des Stadtparlaments berufen.

Vier Monate später holte Oberbürgermeister Harald Lastovka (CDU) den zu jener Zeit arbeitslosen Akademiker als wissenschaftlichen Mitarbeiter in den Aufbaustab – wie in der Umbruchzeit vielfach üblich: im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM). Auf dem Gelände der abgewickelten Offiziershochschule der einstigen DDR-Volksmarine sollte eine zivile Hochschule entstehen.

Damit war Rudi Wendorf an alter Wirkungsstätte wieder angekommen. Als Offiziersschüler hatte er auf der Schwedenschanze einst die Hörsaalbänke gedrückt. Später war er im Maschinenraum eines Minensuchers eingesetzt. Hatte schließlich im Bereich Maschinenbau der Hochschule für Seefahrt Warnemünde 1988 promoviert.

Dass Stralsund eine Fachhochschule bekommen sollte, war anfangs mehr von Wunschdenken als von Realität geprägt. „Die Bundesmarine hatte ihr Interesse für die Schwedenschanze ebenso bekundet wie das Berufsförderungswerk“, erinnert sich Rudi Wendorf an die turbulente Gründerzeit.

Auch der Wissenschaftsrat des Bundes, der mögliche Hochschulstandorte in den neuen Bundesländern bereiste, um den Landesregierungen Empfehlungen zu unterbreiten, hatte Stralsund eigentlich gar nicht auf dem Fahrplan. „Doch über entsprechende Kontakte wurde die Komission an den Sund umgeleitet“, weiß Wendorf. Und als die potenziellen Weichensteller die vorhandenen Hörsäle und Labore besichtigten, war auch der damalige Oberbürgermeister mit seiner Senatorenriege angetreten, um sich für die Fachhochschule einzusetzen. „Harald Lastovka hat das Vorhaben sehr ernst genommen“, betont der scheidende Pressesprecher.

Gute Kontakte und die Vorarbeit zahlten sich aus. Stralsund wurde einer von fünf Hochschulstandorten in MV. „Am 15. Oktober 1991 starteten wir mit 175 Studenten den Lehrbetrieb“, weiß Wendorf.

Inzwischen hat die FH über 7000 Absolventen in die Weltgeschichte entlassen. Doch an so manchen aus den ersten Tagen erinnert er sich heute noch: „Knut Schäfer, heute bei der Weißen Flotte Geschäftsführer, André Kretzschmar, Chef der Touristinformation der Hansestadt oder Christine Ritter, Personalvorstand bei Lidl, haben alle bei uns studiert.“ Er habe anfangs überlegt, in die Lehre zu gehen, sagt der Mann aus dem Aufbaustab. Doch eine neue Aufgabe reizte ihn mehr. Im Frühling 1992 war aus dem ABM-er Rudi Wendorf der Leiter der Technologietransferstelle geworden, zu der an der Hochschule auch die Öffentlichkeitsarbeit gehörte.

„Mit der Bündelung von Kommunikation, Marketing, Veranstaltungsmanagement und Technologietransfer waren wir damals die ersten unter den Hochschulen des Landes“, erinnert sich Dr. Bernd Rethmeier, ein Mitstreiter Wendorfs aus den Zeiten des Aufbaustabs. „Die anderen haben uns darum beneidet, wie wirkungsvoll wir das hier bei uns installiert haben“, sagt Rethmeier, der darin auch den

Verdienst des scheidenden Pressesprechers sieht.

Organisieren, etwas vorantreiben, Leute zusammenbringen, das war auch die Motivation, mit der Rudi Wendorf 2004 für den Kulturverein in der Gemeinde Elmenhorst in die Kommunalpolitik ging. „Ich bin 1999 mit der Familie in den Ort gezogen und wollte da nicht nur übernachten“, sagt er. Von den den Elmenhorstern ist er angenommen worden. 2012 trat er mit CDU-Mandat als Bürgermeister an und wurde bei den Wahlen 2014 mit 65 Prozent Zustimmung bestätigt. „Da werde ich also auch im Ruhestand gut ausgelastet sein, schließlich habe ich jetzt mehr Zeit für meine Gemeinde“, fasst er die Zukunft ins Auge.

Seine alte Wirkungsstätte wird er dabei nicht aus dem Blick verlieren. „Mit der Fachhochschule haben wir etwas Bleibendes für Stralsund geschaffen.“

Jörg Mattern

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