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Aktivkohle aus Aprikosenkernen

Stralsund Aktivkohle aus Aprikosenkernen

Zum zweiten Mal weilte der Leiter der Abteilung Naturschutz des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur, Herbert Heller, als Entwicklungshelfer in China. Dafür verwendete er auch diesmal seinen Urlaub.

Stralsund. Erneut ging es in den Nordosten des Landes, etwa 13 000 Kilometer von Stralsund entfernt, und anschließend nach Estland. OZ kam mit dem Naturschutzfachmann ins Gespräch.

OZ: Sie waren nun schon zum zweiten Mal in China. Wo ging es konkret hin?

H. Heller: Erneut war ich im Juni etwa drei Wochen in der Stadt Kazuo, aber auch in der Distriktstadt Chaoyang, wo es im Gegensatz zu Kazuo auch einen Flugplatz und eine Bahnanbindung gibt.

OZ: Welche Aufgaben standen auf der Tagesordnung?

H. Heller: Während es im vorigen Jahr um den Aufbau der Produktion von Aktivkohle aus Schalen von Aprikosenkernen ging, war es jetzt unsere Aufgabe, mit Hilfe geeigneter Laboranalysen die Qualität zu verbessern und erste Schritte zur Vermarktung in Europa einzuleiten. Aktivkohle spielt eine bestimmende Rolle u. a. bei der Wasserreinigung, der Entgiftung von Flüssigkeiten und Gasen, bei der Blutwäsche in der Medizin und selbst für den Katalysator des Pkw. In der Großstadt Chaoyang sollte ich einem privaten Firmenchef dazu Erfahrungen vermitteln.

Der zweite Schwerpunkt bestand darin, in einer Baumschule Bäume und Sträucher für den Erosionsschutz zu züchten. Dieser ist übrigens in China eine Staatsaufgabe. Ich habe selbst erlebt, dass nach Regengüssen Straßen unter Wasser standen. Im Jeep kam man sich wie im Boot vor.

OZ: Wie wurden Sie in China aufgenommen, und wie gestalteten Sie die Freizeit?

H. Heller: Es gab ja vom vergangenen Jahr schon herzliche Kontakte. Beeindruckt hat mich diesmal die Exotik eines Sportfestivals mit Lied und Tanz in der 40 000-Einwohner-Stadt Kazuo. Wieder probierte ich viele der insgesamt 8000 chinesischen Speisen. Mit knapper Mühe bin ich einem Hundegericht entgangen, aber nicht dem Verzehr von daumennagelgroßen Fischaugen. Das „Gangbei“ auf Deutsch Prost mit Hirseschnaps hat mich auch diesmal nicht verschont. Tischdamen und Karaoke jeder singt übrigens so laut er kann gehörten zum guten Ton jedes Abendessens.

OZ: Waren Skorpione wieder Ihre ständigen Begleiter?

H. Heller: Diesmal habe ich im Zimmer keine gesehen, doch dafür viele Käfer, die die Badewanne bevölkerten. Als Stubenkameraden konnte ich einen Gecko begrüßen.

OZ: Sie fuhren anschließend nach Estland. Gab es da eine Verbindung zu China?

H. Heller: Ja, bei meinem zehntägigen Aufenthalt im August in Estland führte ich in Tallinn in einem großen Wasserwerk Verhandlungen über den Einsatz von chinesischer Aktivkohle. Ansonsten ging es darum, einem kleinen Dienstleistungsunternehmen der Land- und Forstwirtschaft für die mögliche Aufnahme einer Nebenproduktion von Holzkohle Hinweise zu geben. Am Wochenende war ich mit dem Rad in den herrlichen Wäldern unterwegs. Obwohl es dort etwa 1000 Braunbären und 15 000 Elche gibt, habe ich glücklicherweise keine Bekanntschaft mit ihnen gemacht.

OZ: Wie geht es weiter?

H. Heller: Auch nächstes Jahr werde ich voraussichtlich wieder in beiden Ländern Entwicklungshilfe leisten. Darauf freue ich mich schon.

(Interview: DIETER LANDER)



OZ

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