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Stralsund Alleenschutz: Vorpommern-Rügen topp
Vorpommern Stralsund Alleenschutz: Vorpommern-Rügen topp
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00:01 02.12.2017

Die Alleen genießen in Mecklenburg-Vorpommern einen besonderen Schutz und gelten als touristisches Alleinstellungsmerkmal der Region. Der Kreis Vorpommern-Rügen hat das längst erkannt, startete Initiativen für mehr Nachpflanzungen und liegt mit seiner Pflicht im Plus: 348 Alleebäume über dem Plan. Trotzdem sind die grünen Tunnel im Osten Norddeutschlands gefährdet. „Besonders säumig“ ist laut BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) Vorpommern-Greifswald. „Der Landkreis bildet mit 3525 fehlenden Nachpflanzungen das Schlusslicht in unserem Bundesland – weit abgeschlagen von allen anderen Kreisen“, kritisiert Alleenschutzbeauftragte Katharina Dujesiefken.

3500 Alleebäume nicht gepflanzt

Das stößt auch den Grünen im Kreistag von Vorpommern-Greifswald auf. „2013 lagen die Baumschulden noch bei 2216 Stück“, berichtete Antje Enke im Tourismusausschuss. Seither habe sich das Defizit immer weiter aufgebaut. Deshalb schlägt die Fraktion Grüne/Forum 17.4 vor, in der Verwaltung die Stelle eines Alleenschutzkoordinators zu schaffen. Der, so heißt es in einer Vorlage für den Kreistag am Montag, soll für den Abbau der Baumschulden sorgen. „Immerhin“, argumentiert Enke, „hat der Kreistag die Verwaltung schon vor zwei Jahren beauftragt, das Thema auf die Agenda zu setzen.“ Das 2007 im Altkreis Ostvorpommern erarbeitete Alleenschutzkonzept sollte fortgeschrieben werden. Jährliche Beratungen mit allen Beteiligten sollten sicherstellen, dass Pflanzungen tatsächlich realisiert werden.

„Nichts davon ist geschehen“, kritisieren jetzt gleich mehrere Vertreter von BUND, NABU und der Alleenschutzgemeinschaft in einem Offenen Brief an Landrätin Barbara Syrbe (Linke). Darin wird ihr vorgeworfen, „diesen Beschluss ignoriert und zusätzlich die Bemühungen der Unteren Naturschutzbehörde auf Fördermittel für Konzept, Pflanzung und eine Personalstelle ... zurückgewiesen“ zu haben.

„Dabei hat das Landwirtschaftsministerium dem Kreis bereits 79 000 Euro in Aussicht gestellt“, macht Katharina Dujesiefken ihrem Ärger Luft.

Kreisdezernent Jörg Hasselmann räumt in einem Antwortschreiben ein, „dass der Landkreis erhebliche Rückstände beim Nachpflanzen von Straßenbäumen hat“. Ihm sei bewusst, „dass der Schutz der Alleen eine Pflichtaufgabe darstellt.“ Doch die in Aussicht gestellten Fördermittel „konnten im Haushalt 2016 nicht mit Eigenmitteln untersetzt werden“, begründet Hasselmann. Deshalb sei erst gar kein Antrag gestellt worden.

Interreg-Projekt mit Polen soll es richten

Im Tourismusausschuss des Kreistages sprach sich Hasselmann gegen den von den Grünen geforderten Koordinator aus, weil der Kreis einen anderen Weg einschlagen wolle: Den über ein gemeinsames Interreg-Projekt mit dem Nachbar Polen. Ein Antrag auf Förderung sei gestellt. Er gehe davon aus, dass im ersten Quartal 2018 ein positiver Bescheid eintreffe „und wir die Baumschulden bis 2021 erledigt haben“.

„Das ist für mich überhaupt nicht befriedigend und keine Antwort auf das drängende Problem beim Alleenschutz“, zeigt sich Antje Enke von den Grünen enttäuscht. Das deutsch-polnische Projekt „ist ein Trostpflaster und soll jetzt die Gemüter beruhigen. Derweil verliert der Kreis Zeit und Geld, das zur Verfügung steht und jetzt in die Alleen investiert werden könnte“, moniert sie.

Vorpommern-Rügen hat ein Pflanz-Plus

In Vorpommern-Rügen hat der Alleenschutz offenbar einen ganz anderen Stellenwert, denn der Landkreis ist laut Pressesprecher Olaf Manzke mit seinen Nachpflanzungen sogar im Plus. Zwar seien seit der Gebietsreform 1526 Alleebäume gefällt und nur 604 gepflanzt worden. „Die Alleebaumstatistik reicht jedoch zurück bis ins Jahr 2003“, so Manzke. In jenen Jahren habe es weitaus mehr Ersatz als Verluste gegeben, „sodass sich ein Pflanzüberschuss von aktuell 348 Bäumen ergibt“. Der BUND bestätigt diese Zahl auf OZ-Nachfrage.

Zudem startete Landrat Ralf Drescher (CDU) zusammen mit dem Umweltverband und der Landesregierung 2014 eine Initiative, um zusätzliche, freiwillige Neu- oder Nachpflanzungen von Alleen im Kreis zu fördern. Im Ergebnis, so Manzke, seien drei Projekte umgesetzt worden, darunter die Zufahrt zur Wasserburg Turow (40 Linden), ein Lückenschluss in der Allee Bisdorf-Batevitz (12 Linden) sowie 75 Ahorn in Fäsekow bei Deyelsdorf. Weitere Projekte befänden sich in der Antragstellung.

Trotzdem ist auch in Vorpommern-Rügen nicht alles paletti. So kämpft etwa die Initiative „Deutsche Alleenstraße lückenfrei“ im Bereich zwischen Altefähr und Sellin für eine Ausnahmeregelung vom Alleenerlass des Landes. Dieser ermöglicht zwar Baumpflanzungen an der Straße, was Bundes- und Landesgesetze grundsätzlich nicht vorsehen – allerdings nur mit einem Abstand von drei Metern zum Bankett (die OZ berichtete).

Und genau darin liege das Problem: „Wenn wir die bisherige Linie der Allee verlassen, benötigen wir Landkäufe. Das wäre das Todesurteil für die Alleen“, monierte bereits im Sommer Klaus Schütt, Vizepräsident im Wirtschaftsverein. Laut Olaf Manzke werden diese Bemühungen zwar vom Kreis weiter unterstützt, „haben jedoch noch keinen Erfolg zu verzeichnen“.

In den erforderlichen Landkäufen sieht auch Hasselmann in Vorpommern-Greifswald das Problem. Der Erwerb der Flächen gestalte sich immer schwieriger. Der Personalaufwand steige, weshalb der Kreis 2018 mit einer zusätzlichen Stelle für den Grunderwerb gegensteuern wolle.

Jeannette von Busse, die als Bürgermeisterin der Gemeinde Krummin gute Erfahrungen mit Pflanzungen sammelte, macht noch auf ein ganz anderes Problem aufmerksam: „Streusalz auf Kreisstraßen sehe ich sehr kritisch. Wollen wir unsere Alleen erhalten, ist es besser, im Winter nur zu schieben.“

Petra Hase

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