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Stralsund Als Rügen zur „Halbinsel“ wurde
Vorpommern Stralsund Als Rügen zur „Halbinsel“ wurde
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00:00 05.10.2016

Der 5. Oktober ist ein ganz besonderer Tag in der Geschichte der Hansestadt Stralsund und der Insel Rügen. Heute vor 80 Jahren wurde der Eisenbahnverkehr über den Rügendamm freigegeben. Hochrangige Persönlichkeiten, die das obligatorische Band auf den Gleisen zerschnitten, suchte man damals vergebens. Stattdessen übernahm ein Sonderzug mit Ehrengästen diese Aufgabe. Er fuhr um kurz vor 14 Uhr über die Ziegelgrabenbrücke nach Altefähr und zerriss dabei das Einweihungsband.

In Altefähr fanden die Feierlichkeiten, die am Vormittag im festlich geschmückten Stralsund begonnen hatten, ihre Fortsetzung. Ein großes Festzelt war für die rund 1300 in- und ausländischen Ehrengäste sowie die zahlreich erschienenen Medienvertreter aufgebaut worden. Eine der Schlagzeilen lautete anschließend „Rügen keine Insel mehr!“

Deutschlands größte Insel war durch den 2540 Meter langen Rügendamm faktisch zur Halbinsel mit Festlandanbindung geworden. Fortan brauchte kein Bahnreisender mehr ein Schiff zu betreten, um nach Rügen zu gelangen. Deshalb endete am 5. Oktober 1936 auch der Eisenbahnfährverkehr, den es seit seiner Eröffnung am 1. Juli 1883 zwischen Stralsund und Altefähr gab. Zu den eingesetzten Fährschiffen gehörte seit dem 1. Mai 1897 das „Trajektschiff Saßnitz“.

Eine besondere Rolle spielte bei den Feierlichkeiten vor 80 Jahren das Fährschiff „Altefähr“. Mit ihm konnten Ehrengäste noch eine letzte Fahrt machen. Dann wurde das Fährschiffpersonal durch den Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dr. Julius Dorpmüller, offiziell verabschiedet und mit freudestrahlendem Lächeln medial in Szene gesetzt. „Die Männer der Fähre wurden in den Eisenbahndienst übernommen“, wurde verkündet.

Der Schiffskörper des 1919 in Betrieb genommenen Eisenbahnfährschiffes „Altefähr“ war noch 1931 verlängert worden. In jenem Jahr kam es zwar zum offiziellen Baubeginn des Rügendamms, aber angesichts von Finanzierungsschwierigkeiten endeten die Arbeiten schon nach wenigen Wochen.

Als Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, stand auch der Rügendamm auf der Liste der nicht verwirklichten Projekte. Am 3. August 1933 fand schließlich in Berlin die entscheidende Beratung zur Finanzierung des Rügendammes statt. Zögerliche Haltungen wurden jetzt in den Hintergrund gedrängt, sodass 1936 zu lesen war: „Es war nicht mehr Geld in den Kassen der Behörden als früher, aber nach dem Grundsatz, daß nur da, wo gearbeitet wird, auch ein neues Leben aufzublühen vermag, wurde zur Tat geschritten. Im Rahmen des gewaltigen Arbeitsbeschaffungsprogrammes, das die Regierung des Dritten Reiches als eine der wichtigsten Aufgaben in Angriff nahm, vereinigte die politische Führung der Provinz schlagartig alle am Rügendammbau interessierten behördlichen Stellen zur Zusammenarbeit, und durch die Bereitschaft der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeitsbeschaffung sowie der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung wurde auch die Finanzierung des Bauteiles gesichert, der neben dem Eisenbahndamm herlaufen sollte, für den die Reichsbahn mit Hilfe von Krediten des Reiches nun ebenso schnell die Mittel bereit gestellt hatte.“

So gelang es, den schon lange vorhandenen Wunsch einer festen Verbindung zwischen Stralsund und Rügen zu verwirklichen, zunächst für den Eisenbahn- und später auch für den Straßenverkehr. Fortan musste man auch Brückenöffnungszeiten bei der Fahrt von und nach Rügen bedenken. So manch ein Autofahrer erinnert sich bestimmt noch an den Stau, den es vor der Fertigstellung der neuen Rügenbrücke immer wieder gab, wenn die Ziegelgrabenbrücke geöffnet war. Bei der Fahrplangestaltung muss die Deutsche Bahn bis heute die Öffnungszeiten dieser Brücke berücksichtigen. Von dem in der Nähe gelegenen Gebäude Bahnhof Rügendamm hat sie sich inzwischen getrennt. Nur noch der Weg zum Bahnsteig gehört der Deutschen Bahn.

Stefan Sauer

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