Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Als die Schule eine Baracke war und der Regen freien Lauf hatte
Vorpommern Stralsund Als die Schule eine Baracke war und der Regen freien Lauf hatte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:01 11.03.2013
Mehr als 600 Anmeldungen bekamen die Organisatoren f�r das Ehemaligentreffen in Velgast. Sie alle haben ihr Abitur an der Berufsschule bzw. am heutigen Fachgymnasium gemacht. Fotos (5): Suse Senneke

Zum Ersten, zum Zweiten, Zum Dritten: Egon Brand strahlt über das ganze Gesicht. Soeben hat der 24-Jährige die letzte Karte für den begehrten Absolventenball der Beruflichen Schule Velgast ersteigert.

Die wirklich allerletzte Karte, wie Auktionator und Cheforganisator des Ehemaligentreffs Martin Mählmann betont. Ein paar Stunden zuvor wurden ihm stolze 300 Euro für eben so eine Eintrittskarte geboten, verrät er gegenüber der OZ und betont, dass er sie aber für den offiziellen Preis von 30 Euro verkauft habe. „Mit dieser riesigen Nachfrage haben wir einfach nicht gerechnet, zumal wir schon über 600 Karten verkauft haben“, räumt der Lehrer für Sport und Wirtschaft am Fachgymnasium in Velgast ein, dessen Idee für ein Ehemaligentreffen bereits vor zwei Jahren geboren wurde. Mit dem 60-jährigen Jubiläum der Schule habe man schließlich einen würdigen Anlass und mit dem 9. März den passenden Tag gefunden.

Ab der Mittagsstunde sind an besagtem Tag in Velgast ganze Heerscharren unterwegs, freie Parkflächen sind längst Mangelware. Bereits eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn ist das Schulgebäude aus den 60er-Jahren in der Neubaustraße übervoll mit Absolventen der letzten sechs Jahrzehnte. Im Raum 17, dem Treffpunkt der Jahrgänge 1956 bis 1966, wartet schon „Alterspräsident“ Hans-Joachim Piehl. Er gehörte 1953 zu den ersten Lehrlingen, die in Velgast zum Landwirt ausgebildet wurden. „Dieses Gebäude kenne ich gar nicht. Unsere Schule war noch in einer Baracke. Da gab es keine Toiletten, und wenn es regnete, haben wir die Tropfen mit Flaschen aufgefangen“, schwelgt er mit seinem Gegenüber, Christoph Kurz, in den etwas skurrileren Erinnerungen. Der ehemalige Geschäftsführer der Agrarproduktion Poseritz absolvierte in Velgast im zweiten Abiturjahrgang von 1961 bis 1964 seine Berufsausbildung zum Agrotechniker mit Abitur. „Unter den damaligen Umständen wäre heute eine Ausbildung undenkbar, aber unser Lehrpersonal war wirklich gut“, lässt er auf das damalige Lehrerkollektiv um Schuldirektor Erhard Stübner nichts kommen.

Letzterer ist an diesem Tag ein viel gefragter Mann. Im Archivraum, der größtenteils mit Fotos, Urkunden und Zeitdokumenten aus seinen persönlichen Unterlagen liebevoll hergerichtet wurde, gibt er bereitwillig Auskünfte, vertieft sich in das eine oder andere Gespräch und schüttelt unendlich viele Hände. „Für mich ist dieses Treffen heute die größte Idee, die in dieser Schule geboren wurde“, stellt er gerührt fest.

Und ganz ähnlich geht es auch der ehemaligen Englischlehrerin Miss Annegret Hoth, die „keinen Tag mit ihren Schülern missen möchte“, oder Kerstin Schütz, die in Velgast ihren Ehemann Matthias kennen- und in den letzten Wochen auch liebengelernt hat. Oder Ulrike Brück, die seit ihrem Abschluss vor 35 Jahren noch kein Klassentreffen hatte…

Die Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit sind an diesem Tag allgegenwärtig und erfüllen Schulgebäude inklusive Wohnheim mit einer innigen Verbundenheit. Gerne denkt auch Dr. Delia Micklich, heute Geschäftsführerin vom Biopark in Güstrow, an ihre Lehrzeit zurück. Das frühe Aufstehen zum Melken der Kühe hat die Zootechnikerin in den letzten 25 Jahren längst verdrängt, ihre Fähigkeit zu melken indes nicht, wie sie beim Wettmelken der Pappkuh prompt unter Beweis stellt. Und als sie ganz nebenbei noch gefragt wird, warum die Kuh die Milch hochzieht, antwortet die 44-Jährige wie aus der Pistole geschossen: „Weil die Ausschüttung des Milchbildungshormons Oxytocin gehemmt wird…“

Und was bleibt nach so einem Tag? „Viele wunderschöne Erinnerungen und neue Erfahrungen, ein Gedenkstein, den wir gemeinsam enthüllt haben und der motiviert, weiterzumachen sowie die Gewissheit, was unsere Schule in Velgast so unverwechselbar macht: Ihr Schulklima, ihr guter Geist und ihr guter Ruf — deutschlandweit“, bringt es Schulleiterin Dörte Schulz auf den Punkt.

Mail-Rekord, Foto-Flut und Gäste-Ansturm
Sie kamen aus ganz Deutschland, Schweden der Schweiz oder Frankreich und in einem Fall sogar aus Malaga (Spanien): Die ehemaligen Schüler nahmen weite Anfahrtswege auf sich, um beim Ehemaligenfest dabei zu sein.

Prominenz gab sich ebenfalls die Ehre: Neben Wirtschaftsminister Harry Glawe sowie Landtagsabgeordneten Heino Schütt zeigte sich ebenfalls der Velgaster Bürgermeister Christian Griwahn — übrigens auch ein ehemaliger Absolvent der Schule — von der Entwicklung der ländlichen Bildungseinrichtung beeindruckt.

Lange drückten sie selbst die Schulbank der damaligen Betriebsberufsschule „Erich Weinert“ in Velgast, heute haben Katrin Schumacher und Bianca Parow die Seiten gewechselt und sind Lehrer hier.

In der Gemeinde stießen die Organisatoren auf offene Ohren: Als die Zahl der Anmeldungen die 700er-Grenze knackte, stellte sie spontan ihr Gewerbegebiet als Parkplatz zur Verfügung.

Trotz eisiger Temperaturen fuhr sich das Transportunternehmen bei der Anlieferung des Gedenksteines auf dem Gelände des Fachgymnasiums fest.

Rettung kam vom Velgaster Bauern, der den 1,5 Tonnen schweren Granitstein mit einem Radlader an der richtigen Stelle platzierte und den LKW aus seiner misslichen Lage befreite.

Täglich über 100 E-Mails erhielt Cheforganisator Martin Mählmann in den letzten Tagen vor dem Anmeldeschluss. Der musikalische Kommentar seiner Kinder à la Tim Bendzko: „Papa muss nur noch seine 148 713 Mails checken…“

Erstaunt zeigten sich die Organisatoren darüber, dass von den über 600 Ehemaligen lediglich vier ihren Partner zur Abendveranstaltung mitbrachten.

Riesig war die Auswahl an alten Fotos, die die Ehemaligen der Schule in digitaler Form zur Verfügung stellten. Zusammengefasst auf einer DVD sind daraus „Über 1000 Impressionen aus 60 Jahren Velgast“ geworden, die in der Schule noch erhältlich sind. suse

Jetzige Schüler legten sich mächtig ins Zeug
In Eigenregie haben sie die Festzeitung für das Absolvententreffen erstellt, das Programmheft und die Ausstellung mit Zeitdokumenten aus sechs Jahrzehnten mitgestaltet, diverse Kunstprojekte angefertigt…

Die Liste der Arbeiten, an den sich die gegenwärtigen Schüler des Fachgymnasiums in Vorbereitung auf das Ehemaligentreffen beteiligten, scheint endlos. Denn auch die 60 Kuchen, die am Samstag verkauft wurden oder die blumige Tischdekoration beim abendlichen Ball in Trinwillershagen gingen auf das Konto der jungen Leute.

„Unser Ziel war es, die jetzigen Schüler bei der Vorbereitung und Durchführung mit ins Boot zu holen“, erzählt Cheforganisator Martin Mählmann zum eigenen Anspruch und zollt seinen Schützlingen im gleichen Atemzug Respekt und Anerkennung: „Allein heute sind über 40 von ihnen mit dabei, um die Ehemaligen zu empfangen, zu begleiten oder zu bewirten. Das ist der Hammer.“

Apropos Bewirtung: Karl Bohnenstengel, Jäger und Abiturient der

13. Klasse Wirtschaft, steuerte

für die Verpflegung mal eben drei selbst geschossene Wildschweine bei — 30 kg bestes Grillfleisch von Rücken und Keule.


Wichtig schien ihm dabei weniger, dass der Erlös aus dem Verkauf in die Klassenkasse floss, sondern viel-

mehr „der Spaß, bei so was mit-

zumachen. Auch für mich ist Velgast gerade eine schöne Zeit und beim nächsten Treffen werde ich mich

als Ehemaliger hoffentlich auch

über so einen Empfang freuen können.“ suse

Suse Senneke

Der Stralsunder HV zieht gegen den Tabellenführer TSV Altenholz knapp mit 19:21 den Kürzeren. Filip Kliszczyk trifft dabei achtmal für sein Sund-Team.

11.03.2013

Geständnis in Stralsund: Urban Priol lässt sich sein Satire-Programm von der Regierung schreiben.

11.03.2013

Der Seesportclub Hanse bietet am Wochenende vom 22. bis 24. März wieder einen Lehrgang zum Erwerb des Fischereischeins an. Er beginnt Freitag um 17 Uhr und endet am Sonntag gegen 16.30 Uhr. Der Schein ist vom zehnten Lebensjahr an Voraussetzung für die Ausübung des Angelsports.

11.03.2013
Anzeige