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Alt-Sassnitz: Mit neuem Flyer zum Mondfest

Sassnitz Alt-Sassnitz: Mit neuem Flyer zum Mondfest

An der Wiege der Hafenstadt wird heute das erste Vollmondfest gefeiert

Sassnitz. Nachts ist es überwiegend klar mit vereinzelten Wolken, kündigen die Meteorologen heute für Sassnitz auf der Insel Rügen an. Die Vorhersage zaubert Marlen Melzow, die zusammen mit Volkmar Billig den Buchladen mit Café und Bar namens „Dahlmanns Bazar“ in der Sassnitzer Altstadt betreibt, ein Lächeln ins Gesicht: „Wettertechnisch sind das die besten Voraussetzungen für unsere Premiere.“ Die soll heute Abend im historischen Viertel steigen. Die Bürgerinitiative „Ein Herz für Alt-Sassnitz“ veranstaltet das erste Vollmondfest.

Viele dieser schmucken Villen waren mal Fischerhäuser, die aus Sparsamkeit einfach aufgestockt wurden? Christiane Meißner-Blumhagen und Tochter Elisabeth stehen vor „Dahlmanns Bazar“ und studieren einen Flyer. Was die Inselurlauber aus Chemnitz auf dem Faltblatt lesen, können sie beim Anblick der imposanten Häuser im Stil der Bäderarchitektur kaum glauben. „Das Aufstocken der Fischerhäuser ist eins der ortsspezifischen Phänomene“, sagt Marlen Melzow und zählt das Ergebnis als ein weiteres auf. „Entstanden ist in der Hanglage rund um den Steinbach ein Architekturensemble mit vielen, kleinen Gässchen mit mediterranem Flair. Das hat Fontane in seinem Roman ’Effi Briest’ schon als Capri und Sorrent des Nordens beschrieben.“

Marlen Melzow schlägt den Bogen zur Gegenwart: „Ach, es wäre schön, wenn Urlauber heute dieses Capri überhaupt entdecken würden.“ Für das Gros der Gäste seien Stadthafen und dann der Nationalpark Programm. In die Altstadt „verirren“ sie sich nur. „Wir brauchen hier aber mehr Gäste. Von denen leben die Gewerbetreibenden und Vermieter schließlich“, schlussfolgert sie. „Deshalb haben wir selbst die Initiative ergriffen.“ Die ortsansässigen Kunsthandwerker, Gastronomen, Ladenbetreiber und Villenbesitzer haben einen neuen Flyer für die Altstadt herausgebracht, den die Akteure auch selbst finanziert haben. Das Faltblatt informiert nicht nur über die Historie des Viertels und seine Besonderheiten. Es beinhaltet auch Ortspläne. „Die Flyer sind noch fast druckfrisch. Wir verteilen sie zur Zeit inselweit, um auf dieses Highlight aufmerksam zu machen“, so Melzow.

„Die Flyer sollen nicht nur den Weg in die Altstadt weisen, sondern die Besucher auch für den Erhalt dieses architektonischen Kleinods sensibilisieren“, fügt Jörg Piecha hinzu. „Dafür werben wir und machen wir uns stark.“ Jörg Piecha ist Mitglied der Bürgerinitiative „Ein Herz für die Altstadt“, die engagierte Grundstückseigentümer des Viertels gegründet haben. „Stein des Anstoßen“ sei „der Druck auf freie Bauplätze“ gewesen, erinnert der Alt-Sassnitzer. Die Einheimische haben seit Anfang der 1990er Jahre mit viel persönlichem Engagement ihre Villen in altem Glanz neu erstrahlen lassen.

Rund 34 Millionen Euro Fördergeld sind laut Piecha in die Sanierung der Altstadt geflossen. „Dabei wurde bewusst darauf geachtet, dass der einmalige Charakter aus kleinteiliger Bebauung und Baustil erhalten bleiben“, betont er. Das sieht die Bürgerinitiative jetzt gefährdet – durch Großprojekte von privaten Investoren von außerhalb. Die „Ostsee-Residenz“, die nach dem Abriss des ehemaligen „Wiener Cafes“ errichtet wurde, steht als Beispiel. Ebenso umstritten sind die Pläne für die Baulücke in der Marktstraße 7. Dort will die Kieler Abacus-Gruppe in Richtung Bergstraße gleich einen Komplex aus Mehrgeschossern errichten. Statt solcher Klötze müsse die Kleinteiligkeit erhalten bleiben, mahnt Jörg Piecha. „Deshalb brauchen wir einen Bebauungsplan, in dem Prämissen dafür festgeschrieben sind. Deshalb spricht sich die Bürgerinitiative auch dafür aus, die Altstadt als Flächendenkmal auszuweisen.“

Mit dem Vollmondfest werde dieses Anliegen unterstützt, so Marlen Melzow. „Denn Vollmond hat etwas Mystisches, Zauberhaftes.“ Um diesen Zauber zu entfachen, haben Bürgerinitiative und Gewerbetreibende der Altstadt ein großes Kulturprogramm aus dem Boden gestampft, an dessen Finanzierung sich ebenfalls alle beteiligen. Dabei soll der Zauber keine „Eintagsfliege“ werden, kündigt Jörg Piecha an: „Wir wollen dieses Vollmondfest zur Tradition werden lassen und jedes Jahr wiederholen.“

Udo Burwitz

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