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Alter Heizungskeller von St. Marien zugemauert

Stralsund Alter Heizungskeller von St. Marien zugemauert

Er stammt aus den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts und sollte mit sechs Öfen die Kirche warm halten / Das hat aber nie geklappt

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Mitarbeiter der HMV Baugesellschaft aus Stralsund mauern den unterirdischen Heizungsraum von St. Marien zu. Im Vordergrund Reste des alten Kohlenkellers.

Quelle: Jens-Peter Woldt

Stralsund. Ein etwa 80 Jahre alter Keller unter St. Marien in Stralsund ist in dieser Woche zugemauert worden. Nach Angaben von Pastor Christoph Lehnert befanden sich in ihm sechs spezielle Öfen, mit denen die Kirche beheizt werden sollte. „Das hat aber nie so richtig geklappt“, sagt Lehnert. Vielmehr habe es dem Bauwerk eher geschadet.

Die Wärme sollte über Gitterroste im Fußboden der Kirche aufsteigen. Das tat sie wohl auch. Aber durch die gewaltige Höhe des Bauwerks sammelte sie sich im Gewölbe. Die Feuchtigkeit in der warmen Luft setzte sich dann als Kondenswasser am kalten Gemäuer ab und zerstörte die Oberfläche. Die Gottesdienstbesucher dürften also trotzdem kalte Füße gehabt haben.

Genutzt wurde die Heizung vermutlich nur bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs hinein. Dann hat es ohnehin kaum noch Kohle gegeben. Die wurde in einem Keller gelagert, der sich vor dem Südportal des Querschiffs befand.

Er hatte eine Fläche von etwa sechs mal zehn Metern und war rund vier Meter tief. Seine Reste sind dieser Tage noch als Grube zu sehen. Abgedeckt war er mit einer Stahlbetonkonstruktion und zu erreichen über einen kleinen Anbau an der Südseite der Kirche über eine Treppe. Der eigentliche Heizungskeller mit den sechs Öfen schloss sich an und ragte rund zehn Meter weit unter das Querschiff.

Stützpfeiler aus Stahlbeton sorgten für die Stabilität.

Ein großes Problem des Kellers war immer eindringendes Grundwasser. Elektrische Pumpen sollten für Trockenheit sorgen. Nach dem Bombenangriff auf Stralsund 1944 fielen sie jedoch aus. Das Wasser stand teilweise bis zu einen Meter hoch im Keller. Dass der jetzt zugemauert und zugeschüttet wird, geschieht aus Sicherheitsgründen. Die Stahlbetondecke war einfach zu marode. Pastor Lehnert plant jetzt außerdem, das Südportal mit der hölzernen Tür zu erneuern und wieder nutzbar zu machen.

Die größte Kirche der Hansestadt

Die Marienkirche in Stralsund am Neuen Markt wurde im Jahr 1298 erstmals erwähnt. Sie ist die größte Pfarrkirche der Hansestadt.

Nach der Lüneburger Nikolaikirche ist St Marien in Stralsund die jüngste gotische Basilika in Backsteinbauweise im nordischen Raum.

Vorbild für den Bau ist die Lübecker Marienkirche gewesen. Allerdings wurden viele und wichtige Elemente dem architektonischen Zeitgeist der Spätgotik angepasst. So sind die Strebebögen unter den Dächern der Seitenschiffe verborgen.

Bis zur Zerstörung ihrer damaligen, nach ungesicherter Überlieferung 151 Meter hohen gotischen Spitze durch Blitzschlag 1647, war die Kirche das weltweit höchste Bauwerk.

Vom jetzt 104 Meter hohen Turm der Marienkirche bietet sich ein phantastischen Blick über Stralsund, die Umgebung und Rügen.

Jens-Peter Woldt

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